Çiğdem Aslan in der Sargfabrik Wien

Ein feuriges Schneewittchen aus der Türkei

Ein klarer, offener Blick. Dunkle Haare, mit einem kleinen Glitzerdiadem in Zaum gehalten. Ein ärmelloses weißes Kleid mit zarten Rüschen. Ein personifiziertes Schneewittchen. Und doch kommt Çiğdem Aslan nicht aus einer Traumwelt. Die junge Sängerin wuchs als Tochter alevitischer Kurden in Istanbul auf und zog vor wenigen Jahren nach London.

Jefta van Dinther  bot eine beeindruckende Uraufführung in Wien.  (Foto: © Eva Würdinger)

Verdammt, das ist die Hölle!

Was Jefta van Dinther hier mit seinen fünf Tänzerinnen und Tänzern schuf, ergibt keine lineare Erzählung, sondern viel mehr. Es ist ein lebendig gewordenes Kompendium aus Geträumtem, gemeinsam Erarbeitetem, aus einer Illusion, wie sie nur das Theater atemberaubend in Echtzeit bereithalten kann.

Charlotte Müller ist im Schauspielhaus Wien zu sehen (© Alexi Pelekanos)

Urlaub und Untergang

Das Schauspielhaus in Wien liefert eine Inszenierung ab, welche die Latte für diesen wundersamen, hoch artifiziellen, aktuellen und zugleich so berührenden Text sehr hoch legt.

Dornstrauch (Isabella Wolf) mit ihrem Sohn Enrique (Raphael von Bargen) im Stück Carambolage  (Foto:  ©Nick Mangafas)

Sätze so scharf wie Skalpellschnitte

„Carambolage oder der schwarze Punkt“ ist ein bitterböses, tiefes, berührendes und zeitabbildendes Drama. Ein Stück, und das hat Krassnigg völlig richtig gedeutet, das durch seine Familienkonstellation einen direkten Bogen von uns in die Antike zurückschlägt und dabei noch dazu ohne Miserere auskommt.

Die Dschungeloper "San Ignacio" im Hundsturm Wien (Foto: Barbara Pallfy)

Barockes direkt aus dem Dschungel

Askese und überbordende Lebenslust. Religiöser Fanatismus und ungläubiges Kopfschütteln darüber. Barockmusik und schräge, zeitgeistige Klänge. All das ist verpackt in der „Dschungeloper“ „San Ignazio“.

Arnulf Rainer Schlaf

Das Monument Arnulf Rainer

Ein Erneuerer, der sich in die Kunstgeschichte mit seiner Position unwiderruflich eingeschrieben hat, das ja, aber jemand, der auch heute noch imstande ist zu provozieren – und das meist mit mehreren Jahrzehnte alten Bildern – das nein.

Cinthia Marcelle "Dust Never Sleeps", Secession 2014 (Photo Oliver Ottenschläger)

Staub über alles

Die Annäherung an Marcelles Werk ist vielfältig möglich, jede Betrachtung zwangsläufig eine subjektive. Emilio Maciels Zugang zur Installation im grafischen Kabinett, ist als informativer Text ihren Arbeiten im Buch nachgestellt.

Zur schönen Aussicht als Gastspiel im Schauspielhaus

Blitz – Donner – Krach !

„Zur schönen Aussicht“ ist eigentlich ein tiefschwarzes „Lustspiel“, an dem in der vorliegenden Inszenierung vordergründig vor allem die „Lust am Spiel“ im Mittelpunkt zu stehen scheint. Horvath jedoch versetzte es über den plakativen Witz hinaus mit bitterbösem Humor und hellsichtigen Wirtschafts-Horrorszenarien, die längst von der Realität eingeholt wurden.

C.C. Weinberger als Churchill & Hubsi Kramar als Hitler im TAG (Foto: Lilli Crina Rosca)

Vom Guten und vom Bösen

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich mit den beiden Männern, die sich persönlich nie kennenlernten, ein europäisches Schicksal ereignete, das nicht nur Millionen Menschen das Leben kostete.