Bitte eine Dosis mehr!

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was Sie von einem Theaterabend erwarten? Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob Theater überhaupt notwendig ist? Haben Sie schon einmal ein Theater verlassen mit der Erkenntnis, bereichert an Ideen nach Hause zu gehen? Ist es Ihnen schon einmal gelungen, während einer Vorstellung ihren Energielevel so drastisch zu senken, dass jede blutdrucksenkende Pille ein Gesundheitsrisiko dargestellt hätte?

Tales of the Bodiless von Eszter Salamon (Foto: (c) Alain Roux)

Eszter Salamon und Bojana Cvejic gelang all das in ihrer „musical fiction without science“ mit dem Titel „Tales of the Bodiless“. Aufgeführt im Tanzquartier Wien im Rahmen des Festivals Scores N° 5: Cháos, in welchem zwischen dem 10. und 15. April eine ganze Reihe von Veranstaltungen stattfand.

„Die Geschichten von Körperlosen“ schafft es, eine Performance ohne Menschen zu zeigen und dennoch Räume aufzubauen, die von Wesen bevölkert sind, die der Idee eines Menschen zugrunde liegen. Der technisch aufwendigen Produktion gelingt es, ein Cross-Over zwischen spannender Literatur, bildender Kunst, elektronischer Musik und einer Liveperformance auf die Bühne zu bringen. Sie schafft es, dem Publikum Freiräume anzubieten, die mit persönlichen Inhalten gefüllt werden können – und dies auf eine sehr subtile, weil extrem emotionale Art und Weise.

Wenn der Saal zu Beginn komplett abgedunkelt wird und die einsetzende Klangwolke einen magisch in die Tiefe zu ziehen scheint, wenn Nebelschwaden sowohl als Wolkengebilde als auch als höllische Dampfschwaden interpretiert werden können, wenn Flüsterstimmen nach Halt im Nichts suchen, nach einer zweiten Seele, nach irgendjemanden, der antwortet – dann gibt es kein Entrinnen aus all dem, was die eigene Fantasie zu produzieren beginnt. Sie kramt dabei in jenen geistigen Schubladen, in welchen sich Erinnerungen an Science-Fiction- und Gruselfilmen aufhalten, öffnet gleichzeitig Moralräume, in welchen unsere Vorstellungen vom Jenseits konserviert sind und aktiviert Ängste und Sehnsüchte zugleich, die uns in unserer Kindheit und Jugend daran hinderten einzuschlafen.

Woher kommen wir, haben Tiere eine Seele, was sind unsere Prägungen, was erwartet uns nach dem Tod, was vor dem Leben, lebt unsere Seele gespeist durch Erinnerungen aus dem Hier und Jetzt ohne Körper weiter, gibt es körperlose Lebensformen? Salamon und Cvejic schaffen es, dass sich während ihrer Bühnenperformance mehr Fragen stellen, als Antworten präsentiert werden. Genau dieser Effekt ist es, der „Tales of the bodiless“ zu etwas Bemerkenswertem macht. Etwas, was sich tief in die eigene Gedankenwelt einschleicht und diese dabei zugleich verändert. Die Idee des davor und danach des menschlichen Lebens ist so uralt wie die Menschheit selbst. Bilder dazu gibt es in jedem Kulturkreis, aber selten gelingt es, diese Bilder mit so starken Gefühlen aufzuladen, wie sie während dieser Produktion hervorgerufen werden. Gefühle abseits von Horror und Angst, vielmehr eingebettet in eine Mischung von Erinnerungsfetzen, Erwartungshaltungen, Staunen, Hoffen und auch zartem Bangen. Inmitten all dieser meist auf das Jenseits konzentrierten Gedankenwallungen holen uns die Künstlerinnen unmerklich ins Hier und Jetzt und schlagen dabei eine Brücke zum zeitgemäß relevanten Thema, ob denn Theater notwendig sei. Durch das rot-graue Einfärben der Rauchschwaden und das Absenken des Projektionsvorhanges befinden wir uns plötzlich inmitten eines brennenden Theaters. Von Salaman wurde dieses Bild in ihrem kurzen Eingangsstatement evoziert – nun ist es mehr als nur eine Vorstellung – nun wird es Realität. Zumindest Bühnenrealität – mit all ihren dialektischen Ausformungen, die da heißen – welche Realitäten werden auf einer Bühne verhandelt, können Realitäten überhaupt verhandelt werden, haben diese temporären Ideen Auswirkungen auf unsere Realität außerhalb des Theaters? Brauchen wir das Theater oder braucht das Theater nur sich selbst? Ganz sanft werden all diese Fragen transportiert – nur durch die bildhafte Sprache des körperlosen Geschehens auf der Bühne. Ein Geschehen, oder besser ein Nicht-Geschehen, das zeigt, dass die Idee tatsächlich eine Metaebene über der Umsetzung steht und diese selbst auf der Bühne nur marginal braucht. Und dennoch war es der Raum im Tanzquartier, der dieses Erleben möglich machte, also die Frage ob es denn ein Theater brauche eindeutig beantwortete.

Die lange Applausabsenz nach Aufführungsende kann als Beweis des Gelingens dieses Abends interpretiert werden. Wer kehrt schon gerne aus dem Zustand der Schwerelosigkeit in den körperhaften Alltag zurück! Hier zählte jede Sekunde der bühneninitiierten Traumverlängerung, was „Tales of the bodiless“ Suchtcharakter attestieren lässt.

Vor den Vorhang: Eszter Salamon – Direktion, Konzept, Text und Komposition
Bojana Cvejic: Konzept, Text und Komposition
Berno Odo Polzer: Musikalische Beratung
Cédric Dambrain & Terre Thaemlitz: Musik
Sylvie Garot: Light und Image-Design

und, und, und…. Die Liste der Kreativen sowie der Koproduktionspartner und Unterstützer ist in diesem Fall mehr als gerechtfertigt!

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was Sie von einem Theaterabend erwarten? Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob Theater überhaupt notwendig ist? Haben Sie schon einmal ein Theater verlassen mit der Erkenntnis, bereichert an Ideen nach Hause zu gehen? Ist es Ihnen schon einmal gelungen, während einer Vorstellung ihren Energielevel so drastisch zu senken, dass jede blutdrucksenkende Pille ein Gesundheitsrisiko dargestellt hätte?

Tales of the Bodiless von Eszter Salamon (Foto: (c) Alain Roux)

Eszter Salamon und Bojana Cvejic gelang all das in ihrer „musical fiction without science“ mit dem Titel „Tales of the Bodiless“. Aufgeführt im Tanzquartier Wien im Rahmen des Festivals Scores N° 5: Cháos, in welchem zwischen dem 10. und 15. April eine ganze Reihe von Veranstaltungen stattfand.

„Die Geschichten von Körperlosen“ schafft es, eine Performance ohne Menschen zu zeigen und dennoch Räume aufzubauen, die von Wesen bevölkert sind, die der Idee eines Menschen zugrunde liegen. Der technisch aufwendigen Produktion gelingt es, ein Cross-Over zwischen spannender Literatur, bildender Kunst, elektronischer Musik und einer Liveperformance auf die Bühne zu bringen. Sie schafft es, dem Publikum Freiräume anzubieten, die mit persönlichen Inhalten gefüllt werden können – und dies auf eine sehr subtile, weil extrem emotionale Art und Weise.

Wenn der Saal zu Beginn komplett abgedunkelt wird und die einsetzende Klangwolke einen magisch in die Tiefe zu ziehen scheint, wenn Nebelschwaden sowohl als Wolkengebilde als auch als höllische Dampfschwaden interpretiert werden können, wenn Flüsterstimmen nach Halt im Nichts suchen, nach einer zweiten Seele, nach irgendjemanden, der antwortet – dann gibt es kein Entrinnen aus all dem, was die eigene Fantasie zu produzieren beginnt. Sie kramt dabei in jenen geistigen Schubladen, in welchen sich Erinnerungen an Science-Fiction- und Gruselfilmen aufhalten, öffnet gleichzeitig Moralräume, in welchen unsere Vorstellungen vom Jenseits konserviert sind und aktiviert Ängste und Sehnsüchte zugleich, die uns in unserer Kindheit und Jugend daran hinderten einzuschlafen.

Woher kommen wir, haben Tiere eine Seele, was sind unsere Prägungen, was erwartet uns nach dem Tod, was vor dem Leben, lebt unsere Seele gespeist durch Erinnerungen aus dem Hier und Jetzt ohne Körper weiter, gibt es körperlose Lebensformen? Salamon und Cvejic schaffen es, dass sich während ihrer Bühnenperformance mehr Fragen stellen, als Antworten präsentiert werden. Genau dieser Effekt ist es, der „Tales of the bodiless“ zu etwas Bemerkenswertem macht. Etwas, was sich tief in die eigene Gedankenwelt einschleicht und diese dabei zugleich verändert. Die Idee des davor und danach des menschlichen Lebens ist so uralt wie die Menschheit selbst. Bilder dazu gibt es in jedem Kulturkreis, aber selten gelingt es, diese Bilder mit so starken Gefühlen aufzuladen, wie sie während dieser Produktion hervorgerufen werden. Gefühle abseits von Horror und Angst, vielmehr eingebettet in eine Mischung von Erinnerungsfetzen, Erwartungshaltungen, Staunen, Hoffen und auch zartem Bangen. Inmitten all dieser meist auf das Jenseits konzentrierten Gedankenwallungen holen uns die Künstlerinnen unmerklich ins Hier und Jetzt und schlagen dabei eine Brücke zum zeitgemäß relevanten Thema, ob denn Theater notwendig sei. Durch das rot-graue Einfärben der Rauchschwaden und das Absenken des Projektionsvorhanges befinden wir uns plötzlich inmitten eines brennenden Theaters. Von Salaman wurde dieses Bild in ihrem kurzen Eingangsstatement evoziert – nun ist es mehr als nur eine Vorstellung – nun wird es Realität. Zumindest Bühnenrealität – mit all ihren dialektischen Ausformungen, die da heißen – welche Realitäten werden auf einer Bühne verhandelt, können Realitäten überhaupt verhandelt werden, haben diese temporären Ideen Auswirkungen auf unsere Realität außerhalb des Theaters? Brauchen wir das Theater oder braucht das Theater nur sich selbst? Ganz sanft werden all diese Fragen transportiert – nur durch die bildhafte Sprache des körperlosen Geschehens auf der Bühne. Ein Geschehen, oder besser ein Nicht-Geschehen, das zeigt, dass die Idee tatsächlich eine Metaebene über der Umsetzung steht und diese selbst auf der Bühne nur marginal braucht. Und dennoch war es der Raum im Tanzquartier, der dieses Erleben möglich machte, also die Frage ob es denn ein Theater brauche eindeutig beantwortete.

Die lange Applausabsenz nach Aufführungsende kann als Beweis des Gelingens dieses Abends interpretiert werden. Wer kehrt schon gerne aus dem Zustand der Schwerelosigkeit in den körperhaften Alltag zurück! Hier zählte jede Sekunde der bühneninitiierten Traumverlängerung, was „Tales of the bodiless“ Suchtcharakter attestieren lässt.

Vor den Vorhang: Eszter Salamon – Direktion, Konzept, Text und Komposition
Bojana Cvejic: Konzept, Text und Komposition
Berno Odo Polzer: Musikalische Beratung
Cédric Dambrain & Terre Thaemlitz: Musik
Sylvie Garot: Light und Image-Design

und, und, und…. Die Liste der Kreativen sowie der Koproduktionspartner und Unterstützer ist in diesem Fall mehr als gerechtfertigt!