Final Girls im Theater in der Drachengasse

Die „Final Girls“ bieten einen wunderbaren Theaterabend in der Drachengasse.


Wien hat ganz abseits von seinen großen Bühnen eine virile Schauspielszene, in welcher nicht nur große Autorentalente zu Wort kommen, sondern auch NachwuchsschauspielerInnen auftreten, die eine erstaunliche Qualität auf die kleinen Bühnen bringen. Das alteingesessene Theater Drachengasse ist einer dieser Orte, an dem man immer wieder exquisite Überraschungen dieser Art erleben kann. Leider nur noch bis 18. Mai ist die Produktion „Final Girls“ von Dominic Oley, der auch die Regie führt, zu sehen. Das 3-Personen-Stück, oder besser sein Stück für drei Frauen – Alexandra Gottschlich, Julia Schranz und Carola Pojer – kann als ein Parforceritt entlang eines messerscharf-analytischen, zugleich aber extrem witzigen Textes bezeichnet werden, der den Schauspielerinnen alles abverlangt. In nur einer Stunde jagt der junge Autor das Publikum wie in einer Geisterbahn durch eine Konsum- und Kapitalismuskritik, der er keine Gegenstrategie entgegensetzt, sondern ihr auch noch jene gedankenbeschwichtigenden Illusionen nimmt, die allenfalls das eigene Gewissen, nicht aber den Turbokapitalismus selbst beschwichtigen können. Ausgangspunkt sind drei gelangweilte Schwestern, Töchter einer steinreichen Familie, die mit ihrem Wohlstand so in Langeweile versinken, dass sie ein 4-monatiges Projekt in Angriff nehmen, bei welchem ihnen die eigene Vergangenheit aus dem Gedächtnis getilgt wird. Statt des Müßigganges in Monte Carlo müssen sie sich in ihren eigenen Jobenttäuschungen bewähren. Da können sie sich noch so oft einreden, ihre Prosperität in der eigenen Hand zu haben – der gesättigte Markt und die rundherum bereits besetzten Posten lassen ihnen keinen Freiraum fürs wirtschaftliche Überleben. Gottschlich, Schranz und Pojer feuern eine Textsalve nach der anderen ab, laufen in ihrem komödiantischen Talent zur Höchstform auf und pusten ihren je drei unterschiedlichen Charakteren so viel pralles Leben ein, dass eine große Portion davon noch über den Bühnenrand ins Publikum schwappt. Ob als erfolglose Jungunternehmerinnen, die jetzt im „Blair-Witch-Schröder-Project“ (herrlich dieses Wortspiel mit dem Querverweis auf den Horrorfilm der späten 90er Jahre) die Suppe der freien Marktwirtschaft auslöffeln müssen, oder als ihre idealen Projektionen als malende Witwe eines Millionärs, gut verdienende lesbische Fernseh-Komissarin, oder das Ökosystem rettende Blauwalgynäkologin, die jungen Frauen spielen sich nicht nur ununterbrochen textlich, sondern auch schauspielerisch virtuos die Bälle zu. Sie überzeugen vor allem auch mit ihrer uneitlen Bühnenpräsenz, die ihnen auf alle Fälle eine bessere Zukunft prognostizieren lässt, als dies in ihren Rollen festgelegt ist. „Die Wirklichkeit ist ein großer Erfüllungzwangsapparat“, „Ein französisches Baby kommt mit 20.000 € Schulden auf die Welt“ oder „Der perfekte Mann ist ein gut riechendes Kissen“ – Sprüche wie diese sind das Salz in der Suppe dieses Abends, der so rasch verfliegt, dass das Ende beinahe unerwartet kommt. Für rasch Entschlossene noch eine Empfehlung für einen kurzweiligen, prallen Theaterabend.

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