DO. 3. + FR. 4. + SA. 5. DEZEMBER / 20.30 UHR
MAILLON-WACKEN HALL 2
In Kairo, der Stadt der „tausend Moscheen“ (in Wirklichkeit gibt es dort 30 000 an der Zahl), hört man jeden Tag tausende dieser Rufe, die sich wie ein Klangteppich über die Stadt ausbreiten. Aber das soll sich nun ändern: Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten hat beschlossen, den Aufruf zum Gebet auf einem einzigen Radiosender zu bündeln.
Es geht um nicht weniger als den Verlust einer klanglichen und kulturellen Vielfalt. Auf der Bühne: vier Muezzine. Ein blinder Koranlehrer, der jeden Tag zwei Stunden mit dem Bus zur Moschee fährt; der Sohn eines Bauers aus dem Gebiet des Oberen Nils, ehemaliger Panzerfahrer und sehr auf Reinlichkeit bedacht; dann gibt es noch den Elektriker, der sich früher in Saudi-Arabien verdingt hat und nach einem schweren Unfall während seiner Genesung den gesamten Koran auswendig gelernt hat; und schließlich noch den Bodybuilder, Vize-Weltmeister in Koranzitaten, dessen Kassetten bei den städtischen Taxifahrern am beliebtesten sind. „Radio Muezzin“ erzählt ihr Zusammentreffen mit einem Ingenieur, der in Assuan herausgefunden hat, wie man Radiosignale zusammenschalten kann.
Stefan Kaegi stammt aus der deutschsprachigen Schweiz und ist Mitbegründer eines Zusammenschlusses von Theaterregisseuren, bekannt als das Rimini Protokoll. Sein Ausgangsstoff ist Reales, das er mit Fiktionalem vermischt. Das Besondere seiner Inszenierungen rührt auch daher, dass er „Alltagsspezialisten“ auf die Bühne bringt. In einer Moschee aus Teppichen und Ventilatoren spielen die vier Muezzine hier ihr eigenes Leben.
(Text: Le Maillon)
