7 x 14 = 14 x 14 reloaded

Jubiläumsausstellung der Kunsthalle Baden-Badenluepertz_dachpfannegeorg_richter_und_guenther_uecker

Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Kunsthalle Baden-Baden wartet diese mit einer ungewöhnlichen Jubiläumsausstellung auf. Unter dem Titel 7 x 14 wird das Publikum eigentlich mit zwei verschiedenen Ausstellungskonzepten konfrontiert. So ist vom 14.2. bis 29.3. eine Art Kurzusammenfassung jener legendären Ausstellungen zu sehen, mit denen Klaus Gallwitz, Direktor der Kunsthalle zwischen 1967 und 1974, eine völlig neue Präsentationskultur prägte. Unter dem damaligen label 14 x 14 lud er über den Zeitraum von fünf Jahren jährlich 14 Künstler ein, für jeweils 14 Tage eine Ausstellung in der Kunsthalle zu bestreiten. Die jetzige Schau beschränkt sich auf eine Auswahl von 9 der damaligen Teilnehmer. Karola Kraus, derzeitige Leiterin der Kunsthalle, wählte wohl nicht ohne Kalkül Georg Baselitz, Almut Heise, Imi Knoebel, KRIWET, Markus Lüpertz, Palermo, Gerhard Richter, Ulrich Rückrien und Reiner Ruthenbeck für diese kurze Retrospektive aus. Schließlich kann sie dadurch sicher gehen, dass alleine schon aufgrund der klingenden Namen, die Ausstellung medial größere Beachtung finden wird.

Der Künstlerin Heise, sowie ihren acht Kollegen, ist je ein Raum gewidmet, in welchem diese mit Arbeiten vertreten sind, die entweder tatsächlich bei ihrer ersten Ausstellung unter Gallwitz gezeigt wurden, oder die – wie im Fall des schon verstorbenen Palermo – rekonstruiert werden musste. Klaus Gallwitz, der im kommenden Jahr seinen 80. Geburtstag feiert und Karola Kraus für diese Arbeit unterstützend zur Seite stand, sprach anlässlich der Pressekonferenz von einer „Ausstellung wie aus einem Reagenzglas“. Damit meinte er wohl, dass sich vor allem das Gefühl der „68er“ Jahre, die Stimmung unter den Künstlern und die Reaktionen des Publikums in der Replik nicht wiedergeben lassen. Was bei dieser Präsentation übrig blieb, ist ein Surrogat von Arbeiten, die heute auf dem Kunstmarkt astronomische Preise erzielen würden – zu ihrer Entstehungszeit jedoch selten Abnehmer fanden. Bis auf die Bilder von Almut Heise sind sämtliche anderen Werke in konzeptuellen Kontexten eingebunden, was wiederum auf die Vorlieben der Ausstellungsmacherin hindeutet.

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Die Auswahl der „historischen Schau“ wurde aber auch bereits im Hinblick auf ihre Nachfolgeausstellungen getroffen, die den zweiten Teil des Jubiläums bilden. Dafür hat Kraus eine Künstlerin und sechs Künstler ausgewählt, die sich, wie in den 60ern und 70ern, dem Publikum für jeweils 14 Tage präsentieren können. Michael Beutler, Kalin Lindena, Silberkuppe, Friedrich Kunath, Dirk Bell, Alex Müller und Henning Bohl bildet jene „Nachwuchstruppe“, welche in Baden-Baden ab dem 7.4. keine leichte Aufgabe vorfinden wird. Zwar ist der Großteil von ihnen im Ausstellungsbetrieb bereits kräftig vertreten, mit dem Maß der kometenhaften Aufstiege ihrer 9 Kollegen, die vor ihnen die Retrospektive bestreiten, sollte man sie jedoch nicht messen. Von diesem Aspekt aus gesehen, ist das Unterfangen 7 x 14, ein höchst riskantes, wenngleich natürlich nicht ohne Reiz. Inwiefern das heute so übersättigte Publikum die aufeinanderfolgende Ausstellungsstaffel auch begleiten wird, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren haben bereits einige Häuser im deutschsprachigen Raum das Konzept der Rekonstruktion einer Ausstellung aus dem 20. Jahrhundert verfolgt. Der Bogen spannt sich hier vom Belvedere in Wien, in welchem die Kunstschau von 1908 rekonstruiert wurde, bis zur Schirn Kunsthalle in Frankfurt, in welcher der von E.W. Nay auf der documenta III gestaltete Raum nachgebaut worden war. Da mit der Jubiläumsausstellung der Kunsthalle Baden-Baden jedoch keine tatsächliche Rekonstruktion einer bestimmten, historischen Schau stattfindet, sondern anhand der Werke nur Bezugspunkte zu einigen herausragenden Expositionen gegeben werden, hebt sich diese von den vorgenannten konzeptuell jedoch ab. Karola Kraus` 7 x 14 Reminiszenz des Gallwitz´schen 14 x 14 Konzeptès zeigt einerseits ihre Verbeugung vor der Geschichte der Kunsthalle Baden-Baden und gibt andererseits auch Ausblick auf die von ihr an diesem Ort zu erwartende Förderung der zeitgenössischen, konzeptuellen Kunstszene.
Ort, Termine:
Kunsthalle Baden-Baden, Lichtentaler Allee 8a, 76530 Baden-Baden
Jubiläumsausstellung 7 x 14
1. Teil vom 14.2. bis 29. 3. mit Georg Baselitz, Almut Heise, Imi Knoebel, Kriwet, Markus Lüpertz, Palermo, Gerhard Richter, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck
2. Teil: 7.4. – 19.4. Michael Beutler
21.4. – 3.5. Kalin Lindena
5.5. – 17.5. Silberkuppe
19.5. – 31.5. Friedrich Kunath
2.6. – 14. 6. Dirk Bell
16.6. – 28.6. Alex Müller
30.6. – 12.7. Henning Bohl

Weitere Infos unter: www.kunsthalle-baden-baden.de

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