Abschied für ein Jahr

ORF Radio Symphonieorchester Wien (c)ORF Thomas Ramstorfer

Mit einem Konzert, das ein ganz besonderes Hörerlebnis bot. Auf dem Programm standen Bruno Madernas „Quadrivium“ für vier SchlagzeugerInnen und vier Orchestergruppen sowie das „Rituel in memoriam Bruno Maderna“ für Orchester in 8 Gruppen von Pierre Boulez.

Auf dem Podium bzw. den Parterrelogen und dem Raum für die Stehplätze hatte sich das ORF Radio-Symphonieorchester Wien verteilt und bewies wie immer, welch fulminanten Klangkörper es darstellt. Sein Chefdirigent, Cornelius Meister, musste mit ausladenden Gesten dirigieren, um auch jenen MusikerInnen ihren Einsatz anzuzeigen, die seitlich von ihm oder gar in seinem Rücken platziert worden waren.

In Madernas Werk stehen vier SchlagwerkerInnen mehreren Orchestergruppen gegenüber, die teilweise in Wechselwirkung mit ihnen treten aber auch gemeinsame Klangehäuse erschaffen. Ein nicht enden wollender Schwebezustand – auf- und abbrausende Wellen aber auch kleine, einfache Melodien lassen die HörerInnen in ein komplexes Werk eintauchen, dem es an Schönheit wahrlich nicht fehlt. Mit dem Rituel von Boulez, das dieser kurz nach Madernas Tod seinem Kollegen widmete, bemächtigte sich schließlich der Klang des kompletten Konzertsaales. Die seitlichen und rückwärtigen Platzierungen einzelner Instrumentalgruppen veranlasste das Publikum immer wieder, die Köpfe nach den jeweils aktiven Schallquellen zu drehen. Die kleinen Tonfolgen, die das gesamte Orchester durchlaufen, die ständig wahrnehmbaren Wiederholungen, wirken in keinem Moment monoton, sondern machen die unglaubliche Farbigkeit der einzelnen Instrumente deutlich. Dass Boulez bei dieser Komposition in einer deutlichen Beziehung zu Maderna steht, wurde durch die kluge Auswahl der beiden Stücke deutlich.

Denkt man an das Eröffnungskonzert dieser Saison zurück, das Olga Neuwirth alleine mit ihren Werken bestreiten durfte, kann man feststellen, dass mit diesem und dem Abschlusskonzert die Grundidee des Festivals pointiert zusammengefasst wurde. Wie zwei Pfeiler einer Brücke stand dabei Zeitgenössisches bereits arrivierter Musik des 20. Jahrhunderts gegenüber, musste sich an ihr messen lassen oder aufzeigen, welche Wurzeln und wechselseitigen Beeinflussungen ausschlaggebend sind, aber auch welche Überwindungen von den KomponistInnen gemacht werden, um mit den eigenen musikalischen Ideen zu reüssieren und aus dem bereits Akzeptierten auszubrechen.

Als absoluter Schlusspunkt fungiert am 20.11. eine Ausstellung in der Charim Galerie, in der Valie Export und Olga Neuwirth die ProtagonistInnen darstellen.

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