Auf Herbergsuche in der Kathedrale Straßburg

Am 22. Dezember hat die Organisation „Les enfants de Don Quichotte“
(www.lesenfantsdedonquichotte.com) mit einer spektakulären Aktion auf sich aufmerksam gemacht. Die Organisation ist eine Interessensvertretung französischer Obdachloser, die dafür kämpft, Dauerunterkünfte zur Verfügung gestellt zu bekommen. Schon in der Vergangenheit gab es publikumswirksame Aktionen, auch in Straßburg, wie zum Beispiel im Frühling, als an einem Quai entlang der Ille, gut von den Touristenbooten aus zu sehen, kleine Zelte aufgeschlagen wurden, in welchen die Obdachlosen Unterschlupf fanden. Nach einigen Zusagen der Stadtverwaltung, die aber nur Lippenbekenntnisse blieben, machte die Organisation an einem der bekanntesten Orte der Stadt auf sich nun erneut aufmerksam. Nämlich im Inneren der Straßburger Obdachlose im Straßburger MünsterKathedrale. Dort eröffneten sie ein temporäres Camp von 10 Zelten, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Die Kathedrale von Straßburg wird gerade im Advent von Tausenden Besuchern täglich besucht. Einige von ihnen staunten nicht schlecht, als sie unter den barocken Tapisserien im Langhaus, die Stationen aus dem Leben der Jungfrau Maria zeigen, Obdachlose mit ihren Hunden in und vor den Zelten sitzend vorfanden. Symbolisch gibt es wohl keinen besseren Ort, auf die Tragik der Obdachlosengeschicke in Straßburg aufmerksam zu machen. Was sich in den kunstvollen Tapisserien über ihren Köpfen in einer pittoresken Umgebung geschönt zeigt, nämlich der ganz und gar nicht ärmlich dargestellte Stall, in welchem das Jesuskind in der Krippe liegt, wäre für die Menschen, die darunter in der improvisierten Zeltallee kurzfristig logierten, schon reinster Luxus. Dass Straßburgs Verantwortliche bislang noch nicht reagierten, ist mir gänzlich unverständlich. Diese reiche Stadt, die mit ihren EU-Renoméebauten auch kräftig auf den Putz haut, verschließt beide Augen vor dem Beherbergungsproblem der Ärmsten. Sommers lagern diese Menschen meist auf Matratzen unter zwei Brücken der Ille, jetzt im Winter sieht man sie täglich in verschiedenen Geschäftseingängen oder zugigen Vorhallen – entweder alleine oder in kleinen Gruppen – sich in ihren Schlafsäcken zur Nacht zu rüsten. Die medienwirksame Aktion hat zumindest einen kurzfristigen Erfolg zu verbuchen. Noch für den selben Abend wurden 10-12 Notquartiere zur Verfügung gestellt und für den 28. Dezember wurde ein Treffen mit Francois Fillon, dem französischen Ministerpräsidenten, vereinbart. Auch wenn die „Publikumsreaktionen“ direkt vor Ort teilweise von „Entweihung eines Gotteshauses“ bis hin zu „lächerlichem Schauspiel“ reichten – wie sich Besucher der Kathedrale entrüsteten(lemonde.fr) , gab es doch auch andere, die den Campern belegte Sandwiches brachten. Wie dem auch sei: Eines sollte nicht vergessen werden: Jener Gott, für den alle christlichen Gotteshäuser errichtet wurden, und seien sie auch noch so prunkvoll, war ein Gott der Armen. Aufgemerkt, ihr praktizierenden Katholiken, die ihr euch als solche vor den Obdachlosen noch explizit bezeichnet habt und diese zugleich beschimpft, dass sie in dieser Kirche gar nichts zu suchen hätten. Habt ihr nie Jesaja gelesen, der da schrieb: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“ (Jesaja 58 Vers 7) Ich wünsche jedenfalls, dass dieser zeitgenössischen Herbergsuche vielleicht jetzt gerade zur Weihnachtszeit Erfolg beschert ist und dass auch der eine oder die andere zur Besinnung kommen mag, der/die sich gottesfürchtig nennt, aber menschenverachtend agiert.

Bildquelle: https://pasidupes.blogspot.com/2007/12/dlocalisation-des-don-quichotte-disgrce.html

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