Björn macht auch ohne Schraubenzieher Spaß

"Björn ohne Bretter" (Foto: Franzi Kreis)

F unktioniert eine Theaterproduktion, die nicht geprobt werden kann? Haben Kinder Spaß, wenn ihnen nicht eine durchgehende Geschichte präsentiert wird? Kann man eine Inszenierung nach einer „Bauanleitung“ gestalten?

Die schallundrauch agency von Gabriele Wappel und Janina Sollmann begaben sich mit ihrer neuen Produktion „Björn ohne Bretter“ auf bis dahin von ihnen noch nicht erprobtes Terrain. Sie wollten versuchen, ob es möglich ist, eine Theaterproduktion so zu gestalten, dass jede einzelne Aufführung einzigartig ist. Sowohl für das Publikum als auch für das Ensemble.

Und so kamen sie auf die Idee, ein Raster zu erstellen, das zwar die Grundstruktur der Vorstellung vorgab, dessen Protagonistinnen und Protagonisten jedoch vom Publikum durch die Ziehung von Karten blind bestimmt wurde. Auf diese Weise ergeben sich für das 8-köpfige Schauspielteam bei jeder Vorstellung neue Kombinationen in der Besetzung der vorgesehenen Soli, Zweier- und Viererauftritte. Einzig drei Songs, so ins Ohr gehend und vom Refrain her easy zu merken, dass leicht mitgesungen werden kann, sind dabei fixe Punkte.

„Björn ohne Bretter“ (Foto: Franzi Kreis)

Der Titel der Vorstellung „Björn ohne Bretter“ rührt von der Bauanleitungs-Idee her, die im Möbelbau global durch ein „unmögliches Möbelhaus aus Schweden“ bekannt wurde. Nur dass eben Wappel und Solimann weder richtige Bretter zusammenschrauben, noch  Bühnenbretter benötigen, um ihr Stück spielen zu können, sondern eine Anleitung zur Stückegestaltung als Raster ohne konkrete, weitere Angaben verwenden.

Der Inhalt ist aufgrund der wechselnden Personen-Konstellationen nicht wirklich festgelegt. Die einzelnen Szenen holen die Kinder und Jugendlichen aber da ab, wo sie sind. Sie setzen kleine Spots auf den Umgang mit Freundschaften und Rivalitäten, sie erzählen von Kindheitserlebnissen und -träumen und sie verbreiten das Gefühl, an etwas teilzuhaben, das es nur im Hier und Jetzt gibt. Mit einer Dreier-Kontaktimprovisation beeindruckten am besuchten Spieltag Martin Wax, Gabriele Wappel und Simon Vosecek gleich zu Beginn der Aufführung. Während akrobatische Bewegungsmuster die Körper der Drei verbinden, erzählt Gabi locker und flockig, dass sie, als sie noch sehr klein war, Teil einer Bande war, in der ihr nur ihr großer, schwarzer Hund zu Respekt verhalf.

Michael Haller berichtet in seinem Solo über seine höchst unergiebigen Detektivversuche als Junge, Jules Mekontchou und Elina Lautamäki können sich ohne Brille und mit geschlossenen Augen nicht finden und suchen vergebens nach Schokolade und Sebastian Radon und Janina Solimann streiten munter drauf los, wer von ihnen denn nun der erste und der zweite „Mag“ seien.

Als das Publikum schließlich aufgefordert wird, selbst mitzumachen, ist die Stimmung im Saal auf dem Höhepunkt. Dass nach Vorstellungsende niemand nach Hause gehen mag, zeigt, wie gut das Experiment „Björn ohne Bretter“ funktioniert. Auch so kann man junges Publikum fürs Theater begeistern.

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