Das Leben ist schwarz und weißLa vie c’est tout blanc ou tout noir

Das Leben ist schwarz und weißLa vie c’est tout blanc ou tout noir

Michaela Preiner

Foto: ( )

20.

Januar 2011

Unter dem Begriff „Romanze“ stellt man sich gemeinhin etwas Romantisches vor. Etwas, das sich gefühlsmäßig zwischen zwei Menschen auf dem Weg zur Liebe hin entwickelt. Etwas, das nach rosa Zuckerwattewölkchen schmeckt und ein wenig nach Veilchenlikör riecht. „Romanze“, so heißt das neue 2-Personen-Tanz-Stück von Virginia Heinen, das sie im Januar im Pôle-Sud in Straßburg zur […]

Romanze von Cie Blicke (c) Raoul Gilibert

Unter dem Begriff „Romanze“ stellt man sich gemeinhin etwas Romantisches vor. Etwas, das sich gefühlsmäßig zwischen zwei Menschen auf dem Weg zur Liebe hin entwickelt. Etwas, das nach rosa Zuckerwattewölkchen schmeckt und ein wenig nach Veilchenlikör riecht.

„Romanze“, so heißt das neue 2-Personen-Tanz-Stück von Virginia Heinen, das sie im Januar im Pôle-Sud in Straßburg zur Aufführung brachte. Tatsächlich ist es ein Stück über zwei Menschen und tatsächlich scheinen die beiden anfänglich von soviel Romantik umgeben, dass sie die Welt um sich nicht mehr wahrnehmen. Die Tänzerin und Choreografin und ihr Tanzpartner Martin Grandperret rollen zu Beginn des Stückes in einer nicht endlos wollenden Choreografie minutenlang eng umschlungen quer über den Bühnenboden, heben sich gegenseitig ab und zu ein wenig hoch, gerade soviel, dass sie nie ihren engen Körperkontakt verlieren, verändern permanent ihre Positionen, so als wollten sie jeden einzelnen Zentimeter des anderen genießen, um schließlich wie benommen auf zwei Fauteuils zu landen und langsam aus ihrer Verliebtheitstrance aufzuwachen. „Verweile doch, du bist so schön“ wäre das passende Faust´sche Zitat zu diesem Geschehen, das auf eindringliche und zugleich höchst kunstvolle Art die innige Liebe zweier Menschen visualisiert. Doch, wie schon bei Goethe festgestellt werden musste, ist nichts von ewiger Dauer. Auch nicht die schönste Romanze. Was so kuschelweich begann, ändert sich in wenigen Minuten und artet zum konfliktreichen Paargeschehen aus.

Der Plot der tänzerischen Erzählung ist mit wenigen Worten rasch beschrieben. Mann und Frau lieben sich inniglich, Mann verlässt Frau, Frau trauert, Mann kehrt zurück, Frau will sich rächen, frei sein, Mann möchte jedoch wieder eine funktionierende Beziehung. Mann und Frau beginnen, um ihre Vormacht in der Beziehung zu kämpfen,  Mann und Frau geht es schlecht dabei, Mann und Frau besinnen sich, finden einen Konsens und gehen ihren weiteren Lebensweg wieder gemeinsam. So richtig schwarz und weiß eben, wie auch das Leben – zumindest von einem gewissen Blickwinkel aus  –  schwarz und weiß ist. Zwar findet das Paar wieder zusammen, agiert aber nun nicht mehr innig umschlungen. Was von der körperlichen Nähe bleibt, sind gerade mal zwei aufeinander ruhende Unterarme, die auf den Armlehnen der nebeneinander geschobenen Lehnsesseln in amikalem Einverständnis plakativ zueinandergefunden haben.

Was auf der Bühne tänzerisch so locker erzählt wird, ist nichts anderes, als die tatsächlich gelebte Geschichte von Millionen und Abermillionen Liebespaaren nur: Das Ende sieht in der Realität außerhalb des Theaters oft anders aus. Virginia Heinen verpasst ihrem Stück bewusst ein Happy End. Die Zerwürfnisse, die des Langen und Breiten bei ihr körperlich dekliniert werden, reichen ihr scheinbar vollkommen. Kein Happy End zu zeigen wäre zu viel des Guten, bzw. des Schlechten. Und in gewisser Weise ist das auch verständlich, denn wer lässt sich schon gerne so zusammenbrüllen, dass jedes einzelne Wort wie ein Peitschenschlag wirkt, ohne dass danach eine Versöhnung in Aussicht stünde? In ihrem Stück erlebt sie das Ausrasten ihres Tanzpartners auf diese Art und Weise. Während er, auf einer Wand sitzend, von oben auf sie einbrüllt, treffen seine Worte ihren zarten Körper, der von jedem einzelnen aufs Neue wie durchgepeitscht wirkt. Er verlässt sie, bedroht und demütigt sie und missbraucht sie zugleich als Halt in seiner eigenen Not. Sie verlässt ihn, demütigt ihn und klammert sich an ihn, dass ihm die Luft zum Atmen fehlt. Es scheint so, als ginge es weder mit ihm noch ohne ihn. Nec tecum, nec sine te, wie es schon im alten Rom trefflich erkannt wurde. Aber – und hier trifft sich Heinens Idee wieder mit jener von Abermillionen – alles scheint besser zu sein als die Einsamkeit und die endlose Trauer um eine vergangene Liebe.

Diese wohl ewige Geschichte von Liebe und Zerwürfnis wird unter dem Label von Cie Blicke, unter welchem die Tänzer agieren, nicht über- aber auch nicht unterinterpretiert. Und gerade darin liegt die Stärke, aber zugleich auch die Irritation dieser Aufführung. Da glättet auch das schönste Happy End nichts mehr. Aber ist es überhaupt ein schönes Happy End, wenn das Paar zwar nebeneinander sitzt, aber jeder von ihnen in die entgegengesetzte Richtung des anderen blickt? Die Wahrheit scheint bei Heinen hinter dem zu liegen, was offenkundig erscheint. So wie man in der Kommunikation zwischen Oberflächen- und Tiefenstruktur unterscheidet, so unterscheidet die Künstlerin zwischen dem Sichtbaren, dem Getanzten und dem Unsichtbaren, dem Nicht-Getanzten, dem Unausgesprochenen. Allein die Reaktionen der beiden Liebenden machen deutlich, dass sich das Unausgesprochene immer Bahn bricht. Was gesagt werden müsste, aber nicht gesagt werden kann, muss sich letztendlich körperlich ausdrücken, um zu seinem Recht zu gelangen. Nur in jenen Passagen, in welchen die beiden verlassen und alleine auf sich gestellt sind und jeder für sich seiner eigenen Trauer und Wut nachgehen kann, gibt es diese Unausgesprochenheit nicht. Hier liegt alles offen, scheint alles klar.

Spannend, wie sich Heinen und Grandperret gerade in diesen Passagen in ihrem ganz persönlichen Stil ausdrücken, der ihre eigene tänzerische Handschrift offenlegt. Meisterlich, wie das Paar in seinem Kampf um die Vormachtstellung in der Beziehung wie zwei wild gewordene Stiere Stirn an Stirn gegenseitig versucht, sich wegzudrücken. Berührend, wie es sich gegenseitig bespringt, um sich am anderen mit aller Macht festzuhalten, festzuklammern, um dennoch brutal abgeschüttelt und weggestoßen zu werden. Mit hohem Identifikationspotential führen sie einen Stellvertreterkrieg um häusliche Objekte, der dermaßen eskaliert, dass körperliche Gewalt  nicht mehr zu umgehen ist. Lange hält die Frau dagegen, irgendwann jedoch kommt der Punkt, an dem sie physisch aber sichtbar auch psychisch am Ende ihrer Kräfte angelangt ist. Doch erst dieser scheinbar alles zerstörende Kampf bildet den Ausgangspunkt, um ein neues Kapitel in der Beziehung aufschlagen zu können.

Das sparsame Bühnenbild, das mit zwei verschiebbaren Zimmerwänden, einer Leiter und zwei altmodischen, grün bezogenen Armlehnstühlen auskommt, lenkt niemals vom Geschehen ab, wird aber geschickt in die Choreografie eingebaut. Als Martin Grandperret seine Geliebte verlässt, benutzt er die beiden von ihm parallel gestellten Wände um zwischen ihnen, hoch in der Luft, auf einem imaginären Rad in die vermeintliche Freiheit zu fahren. Als sie beide des Kämpfens überdrüssig sind, geschieht das Wunder. In einem banalen Gesellschaftstanz, der beiden die Regeln ihrer Schritte vorgibt, finden sie wieder zueinander. Regeln – das scheint es zu sein, was es braucht, um im richtigen Leben glücklich zu werden – scheint uns das Stück unterschwellig mitteilen zu wollen. Langsam schieben die zur Besinnung Gekommenen danach ihre gepolsterten Sessel, die links und rechts auf der Bühne standen, wieder Zug um Zug zueinander – um sie – wie bereits beschrieben, schließlich nebeneinander zu platzieren.

Für die Musik zeichnet Filippo Zapponi verantwortlich, der nicht zum ersten Mal mit Cie Blicke zusammenarbeitet. Quer durch die Jahrhunderte sampelt er Barockes, aber auch Zeitgenössisches bis hin zu elektronischen Sounds. Zumindest am Ende lässt er das Paar, durch seine musikalischen Erinnerungen unterstützt, an die schöneren Anfangszeiten wieder anknüpfen. Wie aus ferner Zeit ertönen Klangfetzen jener Barockarie, die die beiden am Beginn des Stückes im siebenten Himmel schweben ließ.

Als „Romanze“ kann diese Beziehung am Ende nicht mehr bezeichnet werden. Die rosa Wölkchen sind dahin und Angst- und Kampfschweiß hat den Veilchenduft ersetzt. Was bleibt, ist eine vordergründige Versöhnung, bei welcher der Arm der Frau über jenem des Mannes zu liegen kommt. Gewiss keine unbedachte Geste, sondern voll von Unausgesprochenem.

Ein tänzerisch extrem fordernder und gelungener Abend, an welchem die beiden Protagonisten kaum mehrere Minuten Zeit zum Atem holen haben. Ein nur auf den ersten Blick flacher Inhalt, der seine schwarz-weiße Maserung erst dann verliert, wenn man sich gerade auf diese intensiv einlässt. Das Leben ist doch nicht schwarz und weiß?

Romanze de Cie Blicke (c) Raoul Gilibert

La définition «romance» suggère en général quelque chose de romantique. Et ce quelque chose, s’il s’agit de sentiments qu’éprouvent deux êtres l’un envers l’autre, évolue généralement vers l’amour. Ce quelque chose qui sent la violette et a le goût d’une barbe à papa…..en général !

« Romanze », ainsi s’intitule la nouvelle chorégraphie de Virginia Heinen pour deux danseurs. Au mois de janvier on a pu assister à la représentation de cette œuvre au Pôle-Sud à Strasbourg.

Effectivement, il s’agit d’une création qui raconte la relation entre deux personnes et effectivement, le nuage romantique qui les enveloppe semble les empêcher d’apercevoir le monde qui les entoure.

Au début, pendant de longues minutes qui paraissent interminables, même la danseuse et chorégraphe et son partenaire Martin Grandperret roulent étroitement enlacés sur la scène. Ils se soulèvent mutuellement très légèrement, mais jamais leur corps ne perd totalement le contact. Ils changent en permanence de position, comme s’ils cherchaient à profiter de chaque centimètre carré de l’autre et finissent par atterrir dans un état second sur deux fauteuils où ils émergent doucement de leur état amoureux. „Verweile doch, du bist so schön“ (arrête-toi, tu es si beau) serait la citation de Faust qui s’impose en observant cette action qui exprime artistiquement l’amour fou entre deux êtres. Mais déjà Goethe avait fait le constat que rien ne dure éternellement, pas même la plus jolie romance.

Et ce qui a commencé de façon si douce se transforme en quelques minutes en une relation de couple pour le moins conflictuelle.

L’histoire est simple : une femme et un homme s’aiment tendrement. L’homme quitte la femme qui est inconsolable. L’homme revient vers la femme. Elle cherche à se venger et veut rester libre. L’homme en revanche veut vivre à nouveau une relation qui fonctionne, comme avant. Commence une lutte impitoyable entre l’homme et la femme qui essaient tous deux d’obtenir la position dominante. Cette lutte fait souffrir les deux, ils réfléchissent et finissent par trouver un consensus qui leur permet de continuer leur chemin de vie ensemble.

Noir ou blanc. C’est comme cela que la vie se présente quelques fois, du moins, si on la regarde d’un certain angle de vue. Le couple se retrouve, mais il ne s’enlace plus. Plus rien ne reste de leur proximité physique. Rien, à l’exception de leurs avant-bras qui se touchent : ils sont posés gentiment sur les accoudoirs des deux fauteuils.

L’histoire que racontent les deux danseurs sur la scène correspond à une réalité que vivent des millions de couples amoureux au quotidien. Seulement, en dehors du théâtre, la fin est souvent différente. L’issue de la création de Virginia Heinen est consciemment heureuse. Les conflits, longuement déclinés à travers le langage des corps des danseurs, se suffisent à eux-mêmes. Une fin malheureuse aurait été de trop. D’une certaine façon, c’est compréhensible : qui aime se faire torturer par des paroles qui sont de véritables coups de fouet sans qu’il n’y ait ne serait-ce que la perspective d’une réconciliation à l’horizon ? Voici exactement comment Heinen ressent la scène que lui fait vivre son partenaire: assis tout en haut d’un mur, il hurle des mots à son adresse, qui font l’effet de coups de fouets sur son corps fragile qui les encaisse un à un. Il la quitte, la menace, l’humilie et abuse d’elle pour trouver un soutien dans sa propre souffrance. Elle le quitte, l’humilie et s’accroche tellement à lui qu’il manque d’étouffer. Rien ne semble être possible, ni sans lui, ni avec lui, «nec tecum, nec sine te» un constat que l’on faisait déjà dans le Rome antique. Mais dans la version de Heinen, comme dans la vie de millions de gens, tout semble plus acceptable que la solitude et le deuil infini d’un amour perdu.

La troupe nommée «Cie Blicke» n’exagère rien mais ne laisse rien de coté non plus. Et c’est précisément le point fort du spectacle, le point qui dérange. Le plus joli de tous les «happy-ends» n’y change rien. Mais est-ce une belle fin que celle où l’on voit ce couple assis côte à côte, le regard porté au loin dans des directions opposé ? Chez Heinen la vérité se trouve derrière ce qui semble si évident. Un peu comme la distinction que l’on fait dans le domaine de la communication entre la structure « superficielle » et la structure « profonde », l’artiste fait la différence entre ce qui est visible, ce qui est exprimé par la danse et ce qui est invisible, ce qui n’est pas dansé et le non-dit. Les réactions du couple mettent une chose en évidence: ce qui n’est pas dit, ce qui devrait l’être, finit toujours par revenir à la surface et c’est finalement le corps qui se charge de l’exprimer. Seulement pendant les passages où les deux amoureux sont seuls, et que chacun peut s’adonner à son chagrin et sa colère, ces non-dits n’existent pas. Tout semble clair, tout est dit. Justement pendant ces passages il est passionnant d’observer la façon de laquelle les danseurs s’expriment, chacun dans son style propre et très personnel.

Un des passages est particulièrement beau : celui où les deux danseurs luttent pour le pouvoir dans le couple. Front contre front, tels deux taureaux enragés ils cherchent à se repousser mutuellement. Celui où ils sautent l’un sur l’autre pour essayer par tous les moyens de se retenir est très émouvant. Pourtant ils finissent par être rejetés brutalement. Leur dispute au sujet des objets du ménage a pour beaucoup un air de «déjà vu». Elle s’intensifie à un point tel que la violence physique semble incontournable. La femme résiste pendant longtemps, jusqu’à ce qu’elle atteigne ses limites physiques et psychiques. Et malgré tout cette lutte qui semble tout détruire permet de commencer un nouveau chapitre dans cette relation.

Le décor minimaliste consistant en deux murs lambrissés mobiles, un escabeau et deux fauteuils vieillots tapissés de vert, n’attire jamais l’attention. Il est plutôt astucieusement intégré dans l’action qui se déroule sur la scène : quand Martin Grandperret quitte son amoureuse, il grimpe tout en haut des deux murs parallèles, pour atteindre sa prétendue liberté. Quand les deux n’en peuvent plus de leur lutte incessante, un miracle se produit. Au cours d’une danse de salon dont les règles dictent les pas que les danseurs doivent exécuter, le couple se retrouve. Des règles, c’est ce qu’il faut pour être heureux dans la vraie vie semble vouloir nous dire la chorégraphie. Doucement, les deux danseurs rapprochent les fauteuils se trouvant de chaque coté de la scène pour les ramener côte à côte comme décrit ci-dessus.

La musique est signée Filippo Zapponi, qui a déjà travaillé avec «Cie Blicke» à plusieurs reprises. Il rassemble les échantillons sonores en traversant les siècles, en commençant par le baroque, puis en passant par la musique contemporaine et pour finir avec des sons électroniques. A la fin, il permet au couple de se retrouver : la musique leur permet de se rappeler les meilleurs moments. Comme émanant d’un passé lointain, on entend les baroqueries qui ont permis au début de la pièce au couple d’atteindre le septième ciel.

A la fin, il ne peut plus être question de romance dans cette relation. Les nuages roses se sont évaporés, la sueur de la peur et de la lutte a remplacé le parfum de violettes. Ce qui reste est une réconciliation superficielle, l’avant bras de la femme qui vient se poser sur celui de l’homme. Ce n’est certainement pas un geste innocent, au contraire, il veut tout dire.

Une soirée de danse exigeante et réussie, au cours de laquelle les deux protagonistes peuvent à peine reprendre leur souffle. Au premier regard, le contenu peut paraître plat et convenu. Il ne perd son coté noir et blanc qu’à partir du moment où on est disposé à se pencher intensément sur le problème. La vie, ce n’est ni tout blanc ni tout noir, n’est-ce pas ?

Texte traduit de l’allemand par Andrea Isker

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