Das Tanzquartier meldet sich zurück

Von Michaela Preiner

Doris Uhlich: „Every Body Electric“ (Foto: Ulrich A. Reiterer)
29.
Jänner

Mit einem dreitägigen Eröffnungsfestival meldete sich das Tanzquartier in Wien unter der neuen Leitung von Bettina Kogler zurück.

Die vergangenen Monate wurden im Tanzquartier nicht nur dazu genützt, ein dichtes Programm auf die Beine zu stellen. Es wurden im Haus selbst, nach Publikumsbefragungen, auch einige Umbauten vorgenommen. Nicht nur die „Schaubibliothek“ gleich im Eingangsbereich gibt einen Hinweis auf die große Sammlung an Fachliteratur, die das Tanzquartier sein Eigen nennt. Der Empfangsdesk ist neu, unübersehbar genau gegenüber dem Eingang platziert und auch die Garderobe im ersten Stock wurde großzügiger gestaltet.

Mit dem Erföffnungsprogramm – gezählten 18 Veranstaltungen – wurde auch eine Taktung vorgelegt, die in der Fülle beeindruckte. Dabei wurde bewusst auf eine Mischung von heimischen und internationalen Tanz- und Performanceschaffenden Wert gelegt.

Doris Uhlichs „Everybody electric“ – die eine Fortführung ihrer bereits gezeigten Arbeiten mit bewegungseingeschränkten Menschen darstellt, machte den Auftakt. Dabei griff sie auf bisher bewährte Elemente ihrer Choreografien zurück und ermutigte einige Ensemblemitglieder auch, nackt aufzutreten. In einer Mischung aus Soli – bei welchen auch der jeweils benutzte Rollstuhl einen zentralen Part zugewiesen bekam – Paar- aber auch Gruppenauftritten wurde das Publikum mit den körperlichen Beeinträchtigungen der Menschen auf der Bühne genauso konfrontiert wie mit der Überwindung ihrer eingeübten Bewegungsmuster. Die Produktion stellt einen wichtigen Beitrag zur Inklusion von Menschen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes dar und spiegelt damit auch den Wunsch der neuen Intendantin, das Tanzquartier in diese Richtung stärker zu öffnen.

Doris Uhlich: „Every Body Electric“ (Foto: Ulrich A. Reiterer)
Franko B: „I’m Thinking of You“ (Foto: Hugo Glendinning)

Julius Deutschbauer stärkte im Anschluss in einer nährenden Performance die Tanzquartier-Gemeinde mit Würsteln und selbst geriebenem Kren. Andrea Maurer nahm sich das Stiegenhaus als Kreativraum vor und bestückte es mit bewegten und unbewegten Objekten und Franko B. ließ das Publikum am Eröffnungsabend mit der Performance „I´m thinking of you“ nicht nur seine Ganzkörpertätowierung bestaunen.

Nackt auf einer Schaukel wippend, unterstützt von Helen Ottaways romantischen Klängen am Klavier, betrachtete er die Menschen im Raum aufmerksam, aber wortlos. Assoziationsketten jeglicher Art konnten dadurch hervorgerufen werden, aber zwei junge Frauen fühlten sich auch aufgerufen, durch ihr paarweises Umkreisen von Franko Bs Schaukel aktiv am Geschehen teilzunehmen. Die Performances aber auch die Stiegenhaus-Installation können auch als Hinweise darauf verstanden werden, dass sich das Tanzquartier, wie schon bisher, dem erweiterten Begriff des zeitgenössischen Tanzes mit seinen genreübergreifenden Arbeiten nicht verschließt.

Dies wird auch in einem einzigartigen Mammutprojekt sichtbar. Der schwedische Choreograf Alexander Gottfarb hat dafür ein ganzes Jahr lang ein angemietetes Lokal in der Neustiftgasse 31 in Beschlag genommen. Dort wird täglich getanzt und das interessierte Publikum, aber auch Passanten, sind eingeladen, täglich zwischen 10 und 18 Uhr die „Negotiations“ zu besuchen. Der Eintritt ist frei und ermöglicht somit auch ein mehrmaliges Begleiten des spannenden Langzeit-Projektes, das jedoch von den Besuchenden nur ausschnitthaft wahrgenommen werden kann. Zugleich bietet diese Arbeit auch eine wunderbare Gelegenheit zeitgenössischen Tanz auch einmal außerhalb der geschützten Museumsquartier-Mauern kennenzulernen. 

 

 

 

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