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Der Rattenfänger Emmanuel Pahud L’enjôleur Emmanuel Pahud

Emmanuel Pahud (Foto: Thomas Rabsch)
Emmanuel Pahud (Foto: Thomas Rabsch)

Der Flötist Emmanuel Pahud, der finnische Dirigent John Storgårds und das OPS erhellten eine dunkle Herbstnacht in Straßburg.

Straßburg erlebte anlässlich des Konzertes des OPS, des Philharmonischen Orchester Strasbourg, einen Musikabend, der die schöne, herbstliche Stimmung, die derzeit in dieser Stadt herrscht, in den Konzertsaal holte. Eine ungewöhnliche Konzertauswahl, gemeinsam getroffen vom finnischen Gastdirigenten John Storgårds und dem Veranstalter, ließ das Publikum in Stimmungen eintauchen, welche die Natur zu dieser Zeit treffend wiederspiegeln. Gleich im ersten, selten gespielten Stück von Alfred Alessandrescu „Spätherbst“ aus dem Jahre 1910, das nur für Streicher komponiert ist, schritt man durch nebelig verhangene Landschaften, ließ das Wasser eines ruhigen Flusses vorbeigleiten und freute sich über das einsame Aufblitzen eines Sonnenstrahles, dem es gelungen war, die Nebelschwaden kurzfristig zu durchbrechen. Stimmungsmusik im besten Sinne war zu hören, ein kleiner Vorgeschmack auf das, was im letzten Teil des Abends mit der 6. Symphonie von Bruckner zu erwarten war. John Storgårds dirigierte diese kleine Elegie einfühlsam und ermöglichte gerade dadurch, Bilder von Herbsttagen im Kopf entstehen zu lassen, die filmische Qualität hatten.

Als Kontrast trat Emmanuel Pahud danach mit seiner Querflöte auf – zumindest was den ersten Satz von Jacques Iberts Konzert für Flöte und Orchester, entstanden zwischen 1932 und 1933, betraf. Von den ersten Augenblicken an verfiel er mit seinem Instrument in ein hüpfendes, tanzendes und ausgelassenes Geplapper, welches so virtuos und voller Spielfreude dargeboten wurde, dass man sofort in seinen Bann gezogen war. Die brillanten Läufe gleich zu Beginn des Stückes fanden einen schönen Widerpart im tiefen Fagott, das der Flöte, die sich auf den Weg machte, förmlich davonzufliegen, eine augenzwinkernde Erdung gab. Der ruhige, zweite Satz erinnerte sofort an die bereits bei Alessandrescu aufgekommenen Herbstimpressionen, wenngleich es auch dunklere und leicht unheimliche Klänge aufkommen ließ, die sich nach einem kurzen, dramatischen Höhepunkt jedoch wieder besänftigten und in eine helle Stimmung umschlugen. Emmanuel Pahuds Atemtechnik lässt auch dem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes – die Luft anhalten. Der samtige und weiche Ton seiner Flöte ist noch in den allerleistesten Partien hörbar, dann, wenn er z.B. endlos lange den letzten Ton verklingen lässt, bis in die letzte Zehntelsekunde sauber und zart, scheinbar ohne jegliche Anstrengung und noch lange nicht irgendeine Luftreserve angreifend. Pahud spielt Flöte, aber eigentlich ist spielen kein adäquater Ausdruck. Er ist ein Flöten-Erzähler, ein Flöten-Virtuose, der sein Instrument so beherrscht, als wäre es eine außergewöhnliche Stimme. Es scheint, als würde er die Flöte auf magische Weise zum Leben erwecken, denn in seinen Händen und vor allem unter seinen Lippen ist sie weit mehr als ein kostbar geformtes Stück Metall. Sein müheloser Wechsel zwischen lauten, wilden Äußerungen, die in der nächsten Sekunde zwei Oktaven höher ihr Echo in zarten, gehauchten Melodien erklingen lassen sind genauso beeindruckend, wie seine Finger- und Zungenfertigkeit, die einfach überwältigend und grandios sind. Besonders im 3. Satz brillierte er damit und machte deutlich, dass er – knapp 40jährig – wohl auf dem absoluten Zenit seiner Kunst steht. Seine Performance gerät, trotz großem Orchester hinter ihm, zu einem Soloauftritt. Er steht so weit vor dem Dirigenten, dass er diesen optisch nicht wahrnehmen kann und verlässt sich ausschließlich auf sein eigenes Gehör. Und – das kann er getrost machen. Der Schlusssatz des Konzertes erweckt in einigen Passagen den Eindruck, als würde Strawinsky Ibert beim Komponieren auf die Finger gesehen haben, was zu spannenden Klangerlebnissen führte. Die beiden Zugaben, die Pahud dem enthusiasmierten Publikum schenkte, zeigten noch einmal auf, welch großer Flötist an diesem Abend in Straßburg zu hören war. Es gelang ihm das, was man im Märchen bei den Gebrüdern Grimm nachlesen kann: alle, die ihm zuhörten, wären ihm auf der Stelle gefolgt, so wie einst die kleinen Kinder dem Rattenfänger von Hameln.

Mit der 6. Symphonie von Anton Bruckner – einer guten Wahl für den Ausklang eines zuvor erlebten Ausnahmemomentes – gelang John Storgårds eine stimmige und in sich konsistente Interpretation des Werkes, das eher selten gespielt wird. Er versteht die meist unterschätzte Symphonie in einer Reihe stehend mit jenen, die Bruckners Ruhm ausmachen, und legte in seine Auslegung dosierte Lyrik und viel Dramatik. Schon den ersten Satz, den er eigentlich wie einen Finalsatz anlegte, ließ er sehr rasch und dynamisch beginnen, und strich, was sich bis in den letzten Satz durchzog, die Schärfen in der Partitur stark heraus. In den sich rhythmisch überschneidenden Passagen, in welchen sich 2er und 3er akzentuierte Takte ineinander verzahnen, hörte man gut das Stolpern, Holpern und Poltern der einzelnen Instrumente, das neben dem sehr plakativen Einsatz der Bläser zum Charakteristikum dieses Satzes gehören. Im Adagio war es augenscheinlich, warum Storgårds gerade dieses Stück gewählt hatte. Keines hätte sich besser an die beiden zuvor erklungenen angelehnt, als gerade dieser langsame Satz, der die Streicher in allen Lagen singen lässt. In jenem Part, der sich in eine Trauermarschsequenz verwandelt, konnte das OPS eine seiner ganz großen Stärken ausspielen. Die Kontrabässe zeigten sich als ein homogener, wie von einer Hand geführter Klangkörper, der speziell vom Salle Erasme immer wieder durch eine ideale Akustik unterstützt wird. Trotz des übermächtig notierten Bläserklanges in den beiden letzten Sätzen gelang es dem Dirigenten, die Streicher völlig ebenbürtig dagegen zu halten. Vielleicht ist es gerade Storgårds eigene Affinität zur Violine, welche sein Ohr und sein Herz mit dieser Orchestergruppe am stärksten verbindet. Der Schlusssatz beeindruckte durch spannende Tempodifferenzierung, die Storgårds innerhalb weniger Takte aufzubauen wusste – die verlangsamte Zurücknahme und rasch danach folgende Wiederaufnahme entsprach auch den kurz darauf erklingenden raschen Wechseln zwischen Forte- und Pianostellen, die durch ein besonders feinfühliges Auf- und Abschwellen des gesamten Orchesters gekennzeichnet waren. Die Interpretation dieser Passagen, wie es auch schon im zweiten Satz deutlich zu erkennen war, zeigten, dass der Dirigent Bruckner sehr differenziert liest und dadurch im Stande ist, auf die Vielschichtigkeit des Werkes hinzuweisen.

Neben Emmanuel Pahud waren die Streicher, angeführt vom ihrem Konzertmeister Vladen Chernomor, jene Ausführenden, die diesen Abend zu einem klanglichen Ereignis der Sonderklasse werden ließen. Nicht nur, weil ihnen Stücke in die Hand gelegt wurden, die den Klang dieser Instrumente besonders herausstreichen, sondern weil sie die Möglichkeit aufnahmen und zeigten, welche Qualität offenkundig in jedem und jeder einzelnen von ihnen steckt.

Hier eine Kostprobe von Emmanuel Pahud

Emmanuel Pahud (Foto: Thomas Rabsch)
Emmanuel Pahud (photo: Thomas Rabsch)

Le flûtiste Emmanuel Pahud, le chef d’orchestre finlandais John Storgårds et l’OPS éclairaient une sombre nuit d’automne à Strasbourg.

A l’occasion du concert de l’orchestre philharmonique de Strasbourg, la ville de Strasbourg vivait un soir de musique qui faisait rentrer la belle ambiance automnale, qui règne actuellement en ville, dans la salle de concert. Un choix peu banal, fait d’un commun accord entre l’invité, le chef d’orchestre finlandais John Storgårds et les organisateurs, faisait plonger le public dans une ambiance qui reflétait à merveille le caractère de la nature en automne. Dès le premier morceau d’Alfred Alessandrescu „un automne tardif“ composé pour instruments à cordes en 1910 et très rarement joué, faisait déambuler l’auditoire dans des paysages disparaissant derrière d’épais brouillards. L’imaginaire sentait glisser l’eau d’une rivière paisible et se réjouissait de voir étinceler un rayon de soleil solitaire qui avait réussi à percer les nappes de brouillard pour un court instant. Cette musique faisant appel aux sens, n’était qu’un faible avant-goût comparé à ce qu’attendait le publique en dernière partie de soirée avec la sixième symphonie de Bruckner. John Storgards dirigeait cette petite élégie avec une sensibilité telle que les images invoquées étaient pour ainsi dire de qualité cinématographique.

Dans le premier mouvement du concerto pour flûte et orchestre de Jacques Ibert (composé entre 1932 et 1933), Emmanuel Pahud et sa flûte traversière misaient sur le contraste. Dès le début Pahud proposait un babillage dansant, gai et sautillant, interprété avec une telle joie et virtuosité que le public était immédiatement captivé. Les passages brillants du début trouvaient une belle réponse dans le basson profond qui avec des clins d’œil réussissait à ancrer la flûte qui elle était tout à fait prête à s’envoler. Le deuxième mouvement, très calme, rappelait les impressions automnales évoquées par Alessandrescu. Les accords plus sombres, quelque peu inquiétants, trouvaient après être montés dramatiquement leur apaisement dans des harmonies douces et claires. La technique respiratoire d’Emmanuel Pahud fait retenir au sens propre du terme le souffle à son public. Le son velouté et caressant de sa flûte reste perceptible, même dans des passages quasi inaudibles, quand le flûtiste durer ce son qui reste doux et net, presque indéfiniment, jusqu’à la dernière fraction de seconde. Et ceci sans effort apparent, sans puiser dans ses réserves. Pahud joue de la flûte. Mais jouer de la flûte n’est aucunement l’expression qui convient quand il s’agit de parler de son art : Emmanuel Prahud est un « conteur de flûte ». Un virtuose qui pousse la maîtrise jusqu’à faire croire qu’il ne s’agit pas d’un instrument qu’il tient entre ses mains, mais d’une sorte de voix extraordinaire. Il semble donner vie à son instrument, ses lèvres font de cette pièce en métal précieusement formée bien plus. Il jongle avec une facilité déconcertante entre des expressions fortes, sauvages et leur écho, les mélodies tendres et douces, deux octaves au dessus. On a du mal à savoir si c’est cette facilité de changement de registre ou si c’est l’agilité sans égal de ses doigts et de sa langue qui impressionnent. Cette virtuosité sans pareil trouvait son expression particulièrement dans le 3e mouvement. Une véritable illustration du fait qu’à 40 ans à peine Emmanuel Pahud est sans aucun doute au somment de son art. Sa performance se mue en prestation « solo » malgré le grand orchestre derrière lui. Il se trouve si loin devant le chef d’orchestre qu’il doit se fier exclusivement à son ouïe. Et cela, il peut le faire sans aucun souci. Dans la dernière partie du concerto on a par moment l’impression que Strawinsky aurait tenu la main d’Ibert – ce qui crée des sensations inhabituelles et passionnantes. Les deux suppléments, que Pahud offrait à son public enthousiaste prouvaient encore, si besoin était, quel flûtiste exceptionnel s’était produit ce soir-là à Strasbourg. Il avait réussi ce que l’on peut lire dans l’un des contes des frères Grimm : tous ceux qui l’écoutaient l’auraient suivi sur-le-champ, comme autrefois les petits enfants suivaient l’enjôleur de Hamelin.

Avec la 6ème symphonie d’Anton Bruckner – un bon choix pour finir après un moment aussi exceptionnel – John Storårds réussît une harmonieuse et très consistante interprétation en soi de cette œuvre que l’on entend plutôt rarement. Il met cette symphonie souvent sous-estimée au même niveau que tous ceux qui font la gloire de Bruckner. Sa version était lyrique avec de la mesure et très dramatique. Il commençait le premier mouvement telle une finale, vite et dynamique, tout en soulignant – et cela jusqu’à la fin de l’œuvre – l’acuité de la partition. Dans les passages se chevauchant d’un point de vue rythmique, dans lesquelles s’imbriquent les mesures accentuées au 2e ou 3e temps, on pouvait distinctement entendre les instruments trébucher, cahoter et se heurter ce qui fait avec l’utilisation ostentatoire des cuivres l’une des caractéristiques de cette œuvre. L’ Adagio était l’illustration de la raison pour laquelle Storgårds avait choisi justement ce morceau-là : Aucun autre que ce mouvement lent qui fait chanter les instruments à cordes dans toutes leurs gammes aurait pu s’appuyer de la sorte sur les deux précédents. Dans la partie qui se transforme en séquence de marche funeste, l’OPS pouvait montrer toute sa force : Les contrebasses ne faisaient qu’un pour n’être qu’un seul corps de résonnance, mené par une seule main, idéalement servi par l’acoustique de la salle Erasme. Malgré la surpuissance des cuivres dans les deux derniers mouvements, le chef d’orchestre réussît à leur opposer les instruments à cordes à un niveau d’égalité. C’est peut-être son amour du violon qui lie l’oreille et le cœur de Storgårds spécialement à ce groupe de l’orchestre. Le mouvement final, était impressionnant de par la différenciation captivante du tempo que Storgårds a su faire naître en quelques mesures. Diminution ralentie et reprise rapide étaient les pendants des changements fréquents entre des passages « piano » et « forte », ponctué par le renflement et la retenue de l’orchestre tout entier. L’interprétation de ces passages ainsi que celle du deuxième mouvement montrait très clairement que le chef d’orchestre lisait Bruckner de façon très différenciée ce qui lui permet de mettre en exergue la complexité de cette œuvre.
En plus d’Emmanuel Pahud c’étaient les instruments à cordes, menés par Vladen Chernomor, qui faisaient de cette soirée un évènement musical absolument exceptionnel. Non seulement parce que l’on leur donnait la possibilité de travailler des compositions spécialement dédiées à leurs instruments, mais parce qu’ils savaient saisir l’occasion et montrer de façon magistrale que chacun d’eux est un musicien accompli.

Traduit de l’allemand par Andrea Isker

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