Ein Ohr für Männer

Wissen, was Männer fühlen, denken, tun? Katharina Tiwalds „Mann Ohr Mann! Ein Geschlecht wird belauscht“, gibt im Theater Drachengasse Auskunft.

Sich auf die Suche nach Männergeschichten machen. „Mann“ erforschen wollen. Befindlichkeiten oder Geschichten aus Männern herauskitzeln und das alles für ein Theaterstück? Was kann dabei schon herauskommen?

Das Ergebnis ist: „Mann Ohr Mann! Ein Geschlecht wird belauscht.“, – eine Collage, eine Drei-Männer-Performance, geimpft mit viel Testosteron aber auch einer großen Portion Poesie. Wenn man sich darauf einlässt.

Katharina Tiwald hat sich dafür in der Recherche mit vielen Männern unterhalten, in einem Blog zur Kommunikation aufgerufen, Gesprächsfetzen aufgeschnappt. Alles in allem dürfte dies zeitweise ganz schön anstrengend gewesen sein. Das hört man zumindest zwischen den Zeilen heraus. Der Ausgangspunkt für Tiwald, ist ein gänzlich anderer als einer, den frau für eine soziologische Untersuchung heranziehen würde. Braucht das Theater lebendige Bilder, sammeln Soziologinnen und Soziologen zuallererst Fakten. Lebendige Bilder bedeuten aber zugleich gut zuhören können und Empathie zeigen, sonst kommt nix. Und das kostet Kraft.

Das „Ohr“ an vielen Männern zu haben bedeutet auch, viele Informationen abzuspeichern, die dann in ein bestimmtes Gefäß gegossen werden müssen, um das Publikum zu unterhalten. Die Autorin fand dafür gemeinsam mit Julia Nina Kneussel, die für die Regie verantwortlich ist und Bernhard Eder, der die Musik beisteuerte, eine sehr spezielle und höchst kunstvolle Form. Ihre drei Protagonisten – Alexander Fennon, Nikolaus Firmkranz und Albert Friedl – schlüpfen dabei in viele unterschiedliche Rollen, aber jeweils nur für wenige Augenblicke. Keine Geschichte wird von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende komplett durchgehend auserzählt. Vielmehr bestimmen Fragmente und Überlagerungen der Texte das Geschehen. Dadurch entsteht ein rhythmisiertes Ganzes, das nahe an einer musikalischen Komposition liegt. E-Gitarre, Schlagzeug, Klavier und Akkorden, diese Instrumente ergänzen und verstärken diesen Eindruck noch.

Neben der Präsentation von all dem Gesammelten und Erlauschten nimmt Tiwald aber gleich auch jene Kritik vorweg, die automatisch aufkommt, wenn frau ein Männerthema in den Vordergrund stellt. Und sie gibt mit kurzen Einspielungen auch Einblick in Interviewsituationen.

So unterschiedlich die Geschichten der Männer auch waren, mit einer Thematik „könnte man den gesamten Donauwalzer füllen“, erfährt man an einer Stelle. Gemeint ist damit die Scheidung, das Davor und das Danach. Das von Männern empfundene Unrecht, pro Kind 20% an Unterhalt zahlen zu müssen. Trennung, so stellt sich im Laufe der Show heraus, ist überhaupt ein wichtiges Kapitel. Nicht nur die Trennung von der Frau. Getrennt wird man als Kind auch von der Mutter oder dem Vater und leidet vielleicht ein Leben lang darunter.

In einer rasanten Abfolge werden Themen wie Krieg, Vaterschaft, Beruf und Sexualität angerissen. Dabei erfüllen die drei Männer auf der Bühne alle Erwartungshaltungen, die man einer Gruppe Männern gegenüber haben kann. Sie spielen sich als Alphatiere auf, brüllen sich gegenseitig nieder, aber klopfen sich auch kumpelhaft auf die Schulter. Sie unterbrechen sich rüde, lassen aber die anderen auch einmal ausreden und zu Wort kommen. Den Text in dieser Kritik zu zerpflücken, wäre strafbar. Würde bedeuten, dem Abend seine Spannung, seine Attraktivität, seinen Zauber und seine Poesie zu nehmen.

Den einzigen Ratschlag, den man für künftiges Publikum geben kann ist: Zurücklehnen, Augen und Ohren aufmachen, nicht krampfhaft den Denkapparat bemühen wollen, sondern den Strom an Worten, Melodien, an Ideen und Gedanken einfach fließen lassen.

Weitere Informationen auf der Seite des Theater Drachengasse.

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