Festliche Tage alter Musik

Hinter dem in die Irre führenden Titel „Festliche Tage alter Musik“ verbirgt sich ein kleines, aber hochkarätiges Festival. Auf die Beine gestellt wurde es vom Klangforum Wien mit finanzieller Unterstützung der Alban Berg Stiftung. Insgesamt fünf Konzerte werden bis 2. Februar an unterschiedlichen Orten dabei zu hören sein.

Mit „alter Musik“ assoziiert man gemeinhin jene, die im Mittelalter, in der Renaissance und im Barock komponiert wurde. Nicht aber Musik, die ihre Ursprünge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat. Aber es kommt auf die Betrachtungsweise an, denn: Vom Standpunkt der damaligen Musikavantgarde handelt es sich bei allen früheren Kompositionen, die sich noch der Tonalität verpflichtet fühlten, oder sich erst zaghaft von ihr lösten, um „alte“ Musik.

Skrjabin und Berg reloaded

Genau jene nimmt das Festival unter die Lupe. Und was man vom Auftaktkonzert her beurteilen kann, darf man auf die kommenden vier Konzerte nicht nur gespannt sein, sondern sich richtiggehend darauf freuen. Das Klangforum lieferte in unterschiedlichen Zusammensetzungen im Mozart-Saal des Konzerthauses einen überzeugenden, ersten Eindruck dieser Idee ab. Nicht nur, dass zum Großteil Werke des 20. Jahrhunderts gespielt wurden, die selten in Konzertsälen zu hören sind. Es gab auch zwei Kompositionsinterpretationen von Zeitgenossen. Andreas Lindenbaum (1965), Ensemblemitglied des Klangforum, wagte sich an Alexander Skrjabins „Vers la flamme. Poème op. 72 von 1914 und schaffte das Kunststück, das Werk auch in der Ensemblegröße des Klangforums füllig und rauschhaft klingen zu lassen. Richard Dünser (1959) komponierte eine Neufassung von Alban Bergs Sonate op. 1 von 1907-08 und verschob kurzerhand dessen Klavierklänge beeindruckend  in eine mittelgroße, symphonisch aufgestellte Orchesterbesetzung.

Zubel singt Szymanowski


Die Sopranistin Agata Zubel führte unter dem unprätentiösen, beinahe bescheiden wirkenden Dirigat von Stefan Asbury vor, wie sehr Karol Szymanowski (1882-1937) seine Komposition „Slopiewnie. Fünf Gesänge für Sopran und Orchester“ op. 46b von 1921 im Schlingerkurs links und rechts entlang des Tonalitätslimes anlegte. Zubels Stimme hielt sowohl den trocken ausgeführten als auch den weichen, von ihr mit einem feinen Tremolo versehenen Passagen stand. Sosehr auch die Expressivität in den Liedern Oberhand gewinnt, sind es doch tonale Einsprengsel oder auch Schluss-Sequenzen, die kurzfristig kleine Hörfenster zurück ins 19. Jahrhundert öffnen.

Sibelius und Schreker waren Ohrenschmeichler

Die kleine, aber feine Canzonetta von Sibelius für sieben Streicher, aber auch die Kammersymphonie Franz Schrekers aus dem Jahr 1916 waren nur insofern überraschend, als man Wohlklänge, wie sie von diesen Kompositionen ausgingen, im Klangforum-Kontext üblicherweise nicht zu hören bekommt. Der Applaus des enthusiastischen Publikums machte klar, dass sich auch in den nächsten vier Konzerten bei diesem Festival die Fans dieser Musik treffen werden.

Schönberg-Center und Wien-Museum kooperieren

In Zusammenarbeit mit dem Schönberg-Center und dem Wien-Museum werden zwei Konzerte aus dem Konzerthaus ausgelagert. Diese Kooperationen machen auch insofern Sinn, als in beiden Häusern Ausstellungen zu sehen sind, welche das beginnende 20. Jahrhunderts in Fotografien wiedergeben.

Alle, die glauben, Musik des 20. Jahrhunderts wäre für ihre Ohren eine Zumutung, mögen über ihren eigenen Schatten springen und sich eines Besseren belehren lassen. Oder sich die Empfehlung des Klangforums zu Herzen nehmen, welches das Festival als idealen Einstieg für Musikfreunde ansieht, die sich im Zeitgenössischen noch nicht ganz zuhause fühlen. Neben anderen werden noch Kompositionen von Janacek, Krenek, Webern oder Messiaen zur Aufführung kommen, sowie eine ganze Reihe von Raritäten weniger bekannter Komponisten.

Weitere Infos zum Festival auf der Homepage des Klangforum oder des Konzerthauses.

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