Das kaputte Leben der Schauspieler – La vie foutue des acteurs

Ich hasse das Theater, ich hasse den Beruf des Schauspielers, ich hasse das Leid, das er hervorbringt. Ich lebe von Hoffnungen, die sich nicht erfüllen, von kleinen Rollen, die mir wie Brosamen zugeworfen werden und wenn ich einen großen Auftritt habe, dann gebe ich alles. Ich verleugne mich und spiele Theater, bis zum Umfallen. Ich singe oder tanze und zeige der Welt alles, nur nicht, wer ich wirklich bin.

Sylvia Cmarda photo: Phile Deprez

Sylvia Camarda Foto: Phile Deprez

Zusammengefasst liest sich die inhaltliche Ebene des Stückes Venizke dramatisch und eher abschreckend für ein Publikum, das einen unterhaltsamen Theaterabend genießen möchte. Dass dies dennoch möglich wird, ist zum großen Teil dem Tanz sowie einer schauspielerischen Leistung geschuldet, die zeigen, warum in diesem speziellen Fall auch heute noch Theater gemacht werden kann und soll.

Furios redet sich gleich zu Beginn des Stückes Benny Claessens nach und nach in Rage und kotzt sprecherisch all seine Wut über nicht gehaltene Produzentenversprechen, großtuerisches Theatergetue und verlogene Schauspieler über den Bühnengraben. Seine voluminöse Erscheinung steckt in einem zu kleinen T-Shirt und einer zerrissenen Jogginghose und bietet den allerschärfsten Kontrast zur zarten Gestalt Ans Van den Eedes, die sich, nur mit leichter Unterwäsche bekleidet, in devoten Haltungen einem imaginären Fotoshooting stellt. Alle Fragen, um die dieses Stück kreisen, wirft er schon in diesem ersten, brillant gespielten Monolog auf. Pendelnd zwischen Tragik und Komik in all den tiefsten und höchsten Ausformungen, zeigt der junge Mann den Wahnsinn und die Tragik auf, die durch das Theater hervorgerufen werden. Claessens stellt in diesem Stück das Gegengewicht – im wahrsten Sinn des Wortes, bei einiges über hundert Kilogramm Körpermasse – zu den artifiziell agierenden Tänzerinnen und Francois Brice, dem einzigen männlichen Tänzer dar. Er bringt in die Scheinwelt der Bühne ein Stück Realität; einen Menschen, der uns tag-täglich auf der Straße begegnet, ob im Bus, vor der Supermarktkasse oder an der Frittenbude. Und er stellt auch, als sich schließlich alle Protagonisten auf der Bühne befinden, diese mit ihren wirklichen Namen und familiären Hintergründen vor. Das irritiert und klärt zugleich. Es zeigt, dass hier gespielt werden soll, was auch gelebt wird, und, dieses Konzept geht glaubhaft auf.

Wie ein Handlungsstrang ohne Handlung setzen sich in Folge Chansons oder auch Pophits zwischen die kurzen Texte, untermalt von Choreographien, die jeweils aus der Entstehungszeit der Musik stammen könnten. Es beginnt mit „Paris s´eveille“ von Jacques Dutronc, einem Klassiker des französischen Chansons, fährt fort mit Dalidas „mourir sur scene“, energisch getanzt von Sylvia Camarda – die an diesem Abend noch mehrere Proben ihres herausragenden Tanzkönnens zeigte – und endet, nach einigen anderen, mit der traurigen Gestalt von Amy Winehouse. Ihr werden plötzlich jeweils einige Takte der zuvor gespielten Lieder auf ihre brav, den fremden Texten folgenden Lippen gelegt, allein ihr verzweifelter Gesichtsausdruck zeigt, dass ihre Darbietung nur die Vorführung eines Dressuraktes ist, dem sie sich unterworfen hat.

Lara Barsacq photo: Phile Deprez

Lara Barsacq Foto: Phile Deprez

Alles ist Dressur, alles ist Gewalt, alles ist Drama, alles ist ganz, ganz schrecklich, was sich am Theater abspielt, glaubt man den Aussagen der Schauspieler/Tänzer, die von ihren schlimmen Erfahrungen und ihrer immensen Einsamkeit nacheinander erzählen. Und man beginnt selbst, sie langsam zu verdammen, diese Guckkastenbühne, die plötzlich als nichts anderes erscheint, als der verlängerte Arm von Produzenten und Direktoren, von Regisseuren und Intendanten, die den Akteuren bis in das kleinste Wimpernzucken vorschreiben, was auf der Bühne zu geschehen hat. Lara Barsacq zeigt dies überdeutlich in einer Szene, in der Benny Claessens ihr im Sekundentakt neue darstellerische Aufgaben diktiert, die sie willenlos, wie hunderte Male zuvor schon geprobt, ausführt. Sie ist fröhlich, verfällt in tiefe Trauer, fährt lustig mit ihrem Auto und kommt bei einem entsetzlichen Verkehrsunfall ums Leben. Alles tut sie, nur um auf der Bühne ihren Erfolg zu feiern, bis zur absoluten Selbstaufgabe.

Die ekstatische Tanzszene von Francois Brice, die untermalt ist von Anschuldigungen, die man über ihn von Erzählungen einer Party gehört hat, machen klar, mit welchem Etikett junge, attraktive Schauspieler versehen werden. Das angeblich ungezügelte, alles, was sich ihm in den Weg stellt fickende Sexmonster zerbricht, getroffen von den spitzen Pfeilen der Vorwürfe, ohne sich wehren zu können in einer zuckenden, fallenden und sich stets wieder aufrichtenden Tanzperformance. Unbeeindruckt sehen ihm die anderen Protagonistinnen dabei zu, ja ziehen offenbar selbst größten Lustgewinn aus ihren zerstörerischen Verleumdungstiraden.

Ilse de Koe, der die Rolle der depressivsten aller depressiven Schauspielerinnen zufällt, lamentiert lange über ihr Schicksal und heult mehr als einmal ins Mikrophon, dass es ihr selbst nicht gelingt, ihrem Leben ein Ende zu setzen, sodass man schon sagen möchte: ist gut, Mädchen – hol dir einen Psychologen, aber es kommt anders. Zwar kommt der Psychologe tatsächlich, wiederum in Form des Schwabbelmonsters Claessen, der mit ruhiger Stimme und Körperkontakt versucht, die Krise seiner Kollegin zu stoppen, was ihm auch tatsächlich gelingt. Um dann jedoch, in der nächsten Sekunde, völlig unerwartet und von peitschenden, musikalischen Rhythmen unterlegt, de Koe zu ersticken. Ein dramatischer Augenblick, dessen hervorgerufene Betroffenheit jedoch nicht lange währt, denn Claessen gelingt es in einer sofortigen Verteidigungsrede sich nicht nur von Schuld freizusprechen, sondern zum Schluss auch noch als das Opfer selbst hinzustellen.

Seinem Zusammenbruch, bei dem er bauchlings auf der Bühne liegen bleibt, folgt eine der schönsten Tanzszenen des Abends. Wiederum ist es die athletische Sylvia Camarda, die tanzt, als würde es keine natürlichen, physischen Barrieren für ihren Körper geben. In klassischen Posen und schwarzem Tutu agiert sie sitzend, stehend und liegend auf dem massigen Leib von Claessen, der wie ein Fels in der Bühnenbrandung erratisch am Boden liegen bleibt. Hier, in diesem Moment wird deutlich, dass es nicht stimmt, dass Theater etwas ist, was sich überlebt hat. Hier sieht man glasklar, dass es Momente wie diese sind, voll Lyrik und Zartheit, voll unübertroffener, nie zuvor gesehener Bilder, die Theater und den Tanz nach wie vor rechtfertigen.

Pole sud – ein Veranstaltungszentrum, wie der Name schon sagt, im Süden von Straßburg – hat sich mit dem Stück Venizke der Produktion Campo / ExVictoria unter der Leitung von Ben Benaouisse und Lies Pauwels ein zeitgenössisches Stück auf die Bühne geholt, das aufgrund der schauspielerischen Leistung Benny Claessens sowie der tänzerischen der gesamten Truppe deutlich macht, dass Theater und Tanz auch heute noch fesseln können. Eine einfühlsame Choreographie, eine stimmige Regie und – nicht zuletzt – ein gescheiter und streckenweise auch witziger Text tragen dazu bei, dass das Stück ein Erfolg ist. Wenngleich es auch einige ratlose Gesichter im Publikum gab

Hier ein Eindruck des Stückes auf Youtube:

Je hais le théâtre, je hais le métier d’acteur, je hais la souffrance qu’il peut occasionner. Je vis d’espérances qui ne se réaliseront jamais, de petits rôles que l’on me lance comme l’aumône et le jour où j’ai un grand rendez-vous sur scène je donne tout. Je me nie et je joue jusqu’à l’évanouissement. Je chante ou je danse et je montre tout. Au monde entier. Sauf qui je suis vraiment !

Sylvia Cmarda photo: Phile Deprez

Sylvia Camarda Foto: Phile Deprez

La pièce Venizke, si on cherche simplement à en résumer le contenu, se présente comme une œuvre dramatique et plutôt repoussante pour un spectateur potentiel qui aurait envie de passer une soirée divertissante au théâtre. Mais grâce à la danse et aux prestations des acteurs les apparences s’avèrent trompeuses. On nous montre comment on peut et on devrait faire du théâtre de nos jours.

Au début de la pièce Benny Claessens, furieux, se met progressivement dans une rage telle qu’il vomit littéralement le flot de paroles de sa colère sur le public de l’autre coté du fossé de la scène: Tout y passe : Les promesses non tenues des producteurs, les comportements théâtraux pompeux et les acteurs menteurs nés.

Cette apparition « volumineuse » en pantalon de jogging déchiré, engoncée dans un tee-shirt bien trop étroit offre un contraste saisissant avec un autre personnage d’une grande fragilité, An Van den Eede, qui mime des poses pieuses en lingerie fine pour une séance de photos imaginaire.

Tout le questionnement de la pièce est posé d’emblé dans ce monologue brillant. Oscillant entre drame et comique dans leurs extrêmes, le jeune homme montre la folie dramatique que peut provoquer le théâtre.

Dans cette pièce, Claessens avec ses cent kilos et des poussières symbolise le contrepoids – au sens propre du terme – face aux danseuses, leurs agissements superficiels et François Brice, le seul danseur de la troupe. Il met dans le monde artificiel du spectacle un morceau de réalité : Un homme que l’on peut croiser tous les jours dans la rue, dans un bus, à la caisse du supermarché du coin ou devant la baraque à frittes. Et quand finalement tous les protagonistes sont réunis sur la scène, il les présente sous leur vraie identité et dans leur contexte familial. Cela dérange, mais ça clarifie en même temps la situation : Ici on joue ce que l’on vit et le concept fonctionne.

Comme un fil conducteur de l’action, sans action, des chansons ou alors pophits s’intercalent entre les textes, illustrés par des chorégraphies qui pourraient être de la même époque que la musique, qui les accompagne. Ҫa commence avec « Paris s’éveille » de Jacques Dutronc, un grand classique de la chanson française. Vient ensuite « Mourir sur scène » de Dalida, dansé avec beaucoup d’énergie par Sylvia Camarda, qui devait montrer à plusieurs reprises sa maîtrise de la danse au cours de la soirée. Après plusieurs autres morceaux, le triste personnage d’Amy Winhouse met fin au spectacle: On lui met subitement quelques mesures des chansons que l’on avait pu entendre précédemment sur les lèvres, qui articulent les textes étrangers sagement. Seule l’expression désespérée de son visage montre que sa prestation n’est rien d’autre que le résultat d’un acte de dressage auquel elle s’est soumise sans opposer de résistance.

Lara Barsacq photo: Phile Deprez

Lara Barsacq photo: Phile Deprez

Tout n’est que dressage, tout est violence, tout est drame. Si l’on croit les acteurs/danseurs qui racontent les uns après les autres leurs mauvaises expériences et leur immense solitude : Tout, absolument tout sur une scène de théâtre serait l’horreur absolue. Et à force, on commence à la détester, cette « scène pour voyeurs » car on finit par avoir l’impression que tout n’est que l’expression de la volonté des producteurs et directeurs, des régisseurs et intendants qui dictent tout ce qui se passe sur une scène de théâtre – jusqu’au plus petit battement de cils.

Lara Barsacq en fait la démonstration dans le passage où Benny Claessens lui impose en cadence infernale les instructions pour son jeu d’actrice qu’elle exécute sans protester comme elle l’a déjà fait des centaines de fois auparavant. Son humeur gaie se transforme brutalement en tristesse infinie, toute enjouée elle est au volant de sa voiture où elle se tue au cours d’un horrible accident. Elle fait tout, jusqu’à s’abandonner elle-même pour récolter le succès escompté sur scène.

La scène de danse extatique de François Brice, ponctuée par les accusations portées contre lui qui mettent en cause son comportement lors d’une fête, montre clairement quel genre d’étiquette on « colle » sur un acteur jeune et beau. Le monstre obsédé sexuel qui « saute sur tout ce qui porte une jupe » s’effondre en soubresauts et convulsions sous les flèches pointues des reproches sans avoir la possibilité de se défendre. Dès qu’il se remet sur ses jambes, il s’écroule à nouveau. Les autres actrices l’observent sans émotion, sans compassion et sans regret. Bien au contraire : elles semblent se délecter du pouvoir destructeur de leurs diffamations.

Ilse de Koe a hérité du rôle de l’actrice de la plus dépressive. Elle se lamente de son sort et pleure plus d’une fois dans le micro, comme quoi elle est incapable de mettre un terme à sa vie, tant et si bien que l’on a envie de lui dire : « Ҫa va aller, ma fille, cherche-toi un psy ! » Mais – tout arrive autrement que prévu : Le psychiatre arrive bel et bien, à nouveau en la personne de l’énorme monstre Claessen, qui essaie de calmer la crise de sa collègue actrice en lui parlant calmement et en maintenant un contact corporel. Et en effet, il réussit, mais pour ensuite, accompagné par des rythmes musicaux qui tels des fouets « l’aident » à la tuer en l’étouffant. C’est un moment d’une intensité dramatique majeure, mais l’émotion qu’il provoque n’est que de courte durée, car Claessen réussit un tour de force : Il enchaîne immédiatement avec un discours de défense qui non seulement cherche à le disculper, mais qui finit par le faire passer pour la victime lui-même!

Son effondrement – il finit à plat ventre sur la scène – est suivi de la plus belle prestation de danse de la soirée. A nouveau c’est l’athlétique Sylvia Camarda qui danse comme si elle était en état d’apesanteur, comme si son corps n’avait pas de compte à rendre aux lois de la nature ou aux contraintes physiques. En tutu noir, adoptant des poses de danse classique, elle agit assise, debout, sur la masse corporelle de Claessen, qui reste égaré, impassible, tel un rocher d’une falaise au bord du précipice de la scène. Et c’est à ce moment précis que l’on comprend que le théâtre n’est pas quelque chose de suranné, de dépassé. C’est l’évidence même que ces moments emplis de poésie et tendresse sont des images jusqu’ici inégalées et jamais vues qui à elles seules justifient le théâtre et la danse.

Pole sud – un centre culturel au sud de Strasbourg, comme son nom l’indique, est allé chercher avec « Venizke », une production Campo/Victoria, dirigée par Ben Benaouisse et Lies Pauwels une œuvre contemporaine, qui prouve par « a plus b » que la danse et le théâtre peuvent être des spectacles captivants, même aujourd’hui. Une chorégraphie et une mise en scène sensibles, ainsi, bien sur, qu’un texte intelligent et par endroit très drôle, contribuent au succès de la pièce. Même si, par-ci, par-là, on pouvait apercevoir des visages dans le public, comment dire, quelque peu désemparés.

Traduit de l´allemand par Andrea Isker

Voilà le « reflet » de la pièce sur Youtube

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