Kaffeehäuser in Budapest – ein Wintermärchen

Von Michaela Preiner

New York Cafe (c) European Cultural News

10.

Januar 2016

In unserer 3-teiligen Serie, die kulinarische Tipps für einen Kurzurlaub in Budapest anbieten, beginnen wir mit einem kleinen Überblick über die traditionsreichsten Kaffees der Stadt.

Wer sich auf den Weg nach Budapest macht, der kann sein Auto getrost zuhause lassen, denn das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ist dicht und die Intervalle sind kurz. Dabei spart man Nerven bei der Parkplatzsuche in der Innenstadt, denn die ist völlig verparkt. Budapest bietet vom Luxushotel bis zum sehr günstigen Appartment mitten in der Stadt die ganze Palette an Unterkunftsmöglichkeiten.

Zu sehen gibt es viel und vor allem im Winter, wenn man nicht draußen sitzen kann, unterbricht man die Stadterkundungen gerne mit einem heißen Getränk und einer Mehlspeise in einem der zahlreichen Kaffeehäuser. Wer in Budapest zu Starbucks geht, ist aber selbst schuld. Denn, vergleichbar mit Wien, gibt es eine große Auswahl an richtig schönen Locations mit einem faszinierenden Patisserie-Angebot. Und das in Räumlichkeiten, die zum Teil richtig atemberaubend sind.

Unsere Top-Empfehlung: Das Kaffee Müvész

Unweit von der Oper – ca. zwei Gehminuten entfernt – ist unser absoluter Favorit. Das Café Müvész in der Andrássy ut 29. Gegründet 1898, bietet es in zwei hintereinander liegenden Räumen den Gästen eine richtig schöne und gemütliche Kaffeehaus-Atmosphäre. Im kleinen Windfang köchelte in den kalten Jännertagen ein Glühweintopf vor sich hin. Im ersten Raum beeindruckt die große, verspiegelte Bar, aber noch viel mehr die beiden Vitrinen mit dem Torten- und Kuchenangebot. Die sich drehenden Kuchen-Etageren zeigen Konditorkunst vom Feinsten. Mohntorte, gefüllt mit säuerlicher Marmelade, Karamellcremetorte in zweierlei Varianten, Sachertorte nach Art von Alain Ducasse – gefüllt mit Schokocreme, Esterhazyschnitten, Dobostorten, Marzipantorten und und und. Weil wir so beeindruckt waren, gibt´s hier einen Videozusammenschnitt, in dem nur ein kleiner Teil der süßen Köstlichkeiten zu sehen ist.

Bedient wird rasch, überaus freundlich und nobel gestylt; ganz im Müvész-Look in Schwarz, mit goldenen Krawatten, sowohl für die Damen als auch für die Herren. Die Backstube grenzt an den zweiten Gastraum und öffnete sich während der beiden Stunden, die wir dort verbrachten häufig, da Personal beständig frischen Torten-Nachschub zum Auffüllen der Vitrinen brachte. Anders als im wesentlich berühmteren Kaffeehaus Gerbeaud, ist im Müvész, das sich in seiner Karte auch „Das kleine Gerbeaud“ betitelt, vorwiegend heimisches Publikum anzutreffen.

Die freundliche Bedienung im Kaffee Müvész (c) European Cultural News

Eins gleich vorweg. Das Müvész ist zwar wesentlich kleiner als das Gerbeaud am Vörösmarty tér. Die Auswahl an Torten, aber auch an Snacks – begonnen vom Frühstück bis hin zu warmen Speisen und Salaten, ist jedoch im Müvész wesentlich größer. Das historische Ambiente und das gedämpfte Licht erwecken den Eindruck, als ob an diesem Ort die Zeit stehen geblieben sei. Das Angebot an traditioneller und zeitgemäßer Patisserie zeigt aber, dass hier mit Herz und Verstand gleichzeitig gearbeitet wird, um die Gäste rundum zufriedenzustellen. Es gibt in Budapest zwar noch wesentlich beeindruckendere Kaffeehäuser, was das Ambiente betrifft. Nirgends jedoch fühlten wir uns so wohl und waren von der Auswahl so überzeugt.

Die Mohntorte war saftig, mit wunderbaren feinen Schichten von säuerlicher Marmelade und die Karamelltorte aufgrund der lockeren Karamellcreme überhaupt nicht mächtig. Hätten wir nicht auch noch ein Abendessen geplant gehabt, wir hätten uns jeder noch eine weitere Torte gegönnt.

Und auch die Preise sind wesentlich moderater als in jenen Kaffees, die wir noch besuchten. Erstaunlich, denn die Qualität war wesentlich überzeugender als sonst wo. Ganz dem Trend der Zeit folgend, gibt es seit Kurzem noch einen zweiten Ableger. Ebenfalls in der Andrássy ut, einige hundert Meter weiter Richtung stadtauswärts auf der gegenüberliegenden Straßenseite, bietet Müvész auch eine Location ganz im Lounge-Stil an. Verglast an den beiden Außenseiten, ist das Lokal hell und freundlich und ganz im Geschmack für ein junges, urbanes Publikum eingerichtet.

Das „Book Café“ – ein „Must see“ in Budapest

Nur wenige Schritte weiter, in der Andrássy ut 39, befindet sich im ehemals ältesten Kaufhaus von Budapest das „Book Café“. Seinen Namen trägt es, weil es über dem zweiten Stockwerk eines Buchgeschäftes untergebracht ist. Von außen ist davon aber gar nichts zu sehen.

Der Bookstore „Alexandra“, den es in Budapest mehrfach gibt, profitiert sicherlich von diesem Kaffee, denn jeder, der dort hin möchte, muss zwangsläufig an den vielen Buchregalen vorbei. Ich persönlich kann mir keine schönere Kombination vorstellen, wenngleich das Angebot an fremdsprachigen Büchern eher klein ist. Im Kaffee selbst wird man mittels einer Hinweistafel am Eingang gebeten, auf das Personal zu warten, das einen zu einem freien Tisch bringt. Das macht Sinn vor allem zu Stoßzeiten, wenn viele Gäste das Kaffee besuchen möchten. Wenn es keine Plätze mehr gibt, dann heißt es warten, aber es ist nicht möglich, sich im großzügigen historistisch eingerichteten Saal umzusehen. Wenn der Andrang jedoch vorbei ist, dann wird das Schild entfernt und man darf sich selbst einen Tisch aussuchen. Eine große Auswahl an frei aufliegenden Zeitungen und ein Pianist bieten neben den lukullischen Genüssen weitere Möglichkeiten der Zerstreuung. Aber eigentlich reicht es, wenn man sich ganz dem Ambiente selbst widmet.

Die Decke ist mit zahlreichen Gemälden von Károly Lotz ausstaffiert und man wird nicht müde, sich diese anzusehen. Ursprünglich wurde der atemberaubende Saal als Ballsaal benutzt, was man sich auch heute noch sehr gut vorstellen kann. Lotz wurde zu seiner Zeit als „Fürst unter den ungarischen Künstlern“ bezeichnet und seine Bilder befinden sich im Szépművészeti Múzeum, das jedoch noch bis 2018 wegen Umbau geschlossen ist. Kleine Ankedote am Rande: Lotz wurde 1885 Dekan der neu gegründeten Abteilung „Malen für Frauen“ an der Kunstakademie in Budapest. Ein ehemals revolutionärer Schritt in Richtung Gleichberechtigung.
Neben dem traditionellen Tortenangebot lockt auch eine Vitrine mit Snacks. Sowohl die konsumierte Dobos- als auch die Esterhazytorte waren gut, ihnen fehlte aber dennoch das klitzekleine Etwas, das diese Torten so unwiderstehlich macht. Mit den heißen Getränken – wie zum Beispiel einer ganzen Reihe von aromatisierten Kaffees – holte sich das Kaffee jedoch wieder Pluspunkte bei uns. Aber ehrlich gestanden: Wir würden alleine wegen des wunderbaren Saales wieder hingehen. Das Personal – jung und dynamisch – war zuvorkommend, rasch und aufmerksam. Im Sommer ist auch die Dachterrasse geöffnet. Sicherlich eine tolle Alternative, denn von dort soll man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt haben. Die in großer Zahl gezückten Handys, mit Fotofunktion in jede erdenkliche Richtung gehalten, machten klar, dass zumindest die Hälfte der Gäste aus Touristen bestand.

Das Kaffee „New York“ – mehr Prunk im Kaffeehaus geht nicht

Im Erdgeschoss des Boscolo Hotels, an der Erzsébet körút 9–11, befindet sich das Restaurant und das Café „New York“. Was die Architektur betrifft, so darf es in einen Wettstreit mit dem „Book Café“ treten. Der Unterschied: Das New York ist auf mehrere Räumlichkeiten und mehrere Ebenen aufgeteilt. Der Prunk ist noch größer – mehr Gold und mehr Marmor, mehr Stuck und mehr Säulen. Das Hotel, das Restaurant und das Kaffeehaus wurden erst vor einigen Jahren nach langer Umbauzeit neu eröffnet.

Das kulinarische Angebot unterscheidet sich erheblich von dem eines alteingesessenen Budapester Hauses. Hier bietet man Patisserie an, die man genauso gut in Strasbourg oder Paris finden könnte. Kleine, süße Kreationen, elegant angerichtet, mit einem dementsprechenden Preis. Einziger Wermutstropfen: Hier gibt es nichts Süßes unter 8 Euro. Alles, was wir jedoch konsumierten, war zu empfehlen. Eine mit Pistazienpuder bestäubte Creme in Halbkugelform, gefüllt mit knusprigem Innenleben, hatte an ihrer Seite grünes, süßes, essbares Moos und gewürzte Weichseln. Nicht nur für den Gaumen toll. Der Topfenkuchen nach „Rákóczi” – Art wird von Aprikoseneis begleitet und der ungarische Haselnusskuchen machte geschmacklich seiner Hauptzutat alle Ehre.

Wie im „Book Café“ bietet auch hier ein Pianist eine musikalische Untermalung an. Immer jedoch so, dass man sich ohne Mühe nebenher gut unterhalten kann. Bei unserem späten Besuch – es war schon nach 22 Uhr – hörten wir die Ober ausschließlich in Englisch bedienen. Ein Hinweis auf rein internationale Gäste, die dieses Surrounding nicht verpassen wollten. Nicht ganz zu Unrecht findet sich auf der Internetseite des Cafe New York die Bezeichnung „Das schönste Café der Welt“. Und was man nicht vergessen darf: Es ist wohl das einzige Kaffee in Budapest, das tagtäglich bis 24 Uhr geöffnet hat. Also wunderbar geeignet, nach einem Opern- oder Konzertbesuch den Abend ausklingen zu lassen.

Der Klassiker in Budapest: Das Gerbeaud

Bislang gab es keinen Budapest-Besuch, bei dem wir nicht einen kleinen Abstecher ins Gerbeaud machten. Das große Haus am Vörösmarty tér, lockte immer mit seinen fantastischen Torten. Dieses Mal waren wir aber etwas enttäuscht. Vielleicht lag es daran, dass wir einem sehr zugigen Tisch in der Nähe des Eingangs zugeteilt wurden. Vielleicht, weil der Kaffee alles andere als gut schmeckte. Vielleicht auch, weil das Tortenangebot, als wir das Kaffeehaus freitags um 17.30 Uhr besuchten, sehr überschaubar war. Da nützten auch die kleinen Kunstwerke in der Vitrine, die man komplett als Take-away für zuhause kaufen konnte, nichts.

Die zu einem Kegel aufgetürmten Macarons waren wunderbar anzusehen, kann man aber mittlerweile rund um den Globus kaufen. Das Angebot an Pralinen und anderen schokoladigen Erzeugnissen ist ein schönes und exklusives Mitbringsel aus Budapest. Für die Verkostung vor Ort aber eher ungeeignet. Vielleicht hatten wir an diesem Tag einfach Pech, was die Auswahl betrifft. Die Karte mit insgesamt 12 Torten, die im Internet abrufbar ist, wurde uns leider nicht angeboten, die Vitrine wirkte beinahe ausgeräumt. Wir entschieden uns dann für eine Gerbeaud-Schnitte mit Walnüssen und Aprikosenmarmelade, die schön saftig und schokoladig war und eine Dobos-Torte mit einem herrlich knusprigen und dennoch leichten Karamelldeckelchen. So wie sie sein soll.

Die köstliche, heiße Schokolade mit Kokos war mit Kokosspänen aufgepeppt. Einheimische holten sich Patisserie zum Mitnachhausenehmen von der Theke, in den Räumen selbst hörten wir jedoch an keinem Tisch ein ungarisches Wort. Die Bedienung war sehr zuvorkommend und höflich und sprach fließend Englisch. Fazit: Das, was wir konsumierten, war – bis auf den Kaffee, der ohne Milch säuerlich schmeckte – sehr gut. Allerdings hätten wir uns eine größere Auswahl gewünscht.

Die Kaffeehäuser in Budapest, zumindest die hier beschriebenen, sind alleine schon eine Reise in diese schöne Stadt wert. Was wir dort gastronomisch sonst noch entdeckten, davon berichten wir in Kürze!

Der Artikel über die Markthalle in Budapest: Alles was das Herz begehrt.

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