Künstlerische Verwandtschaften

Manche Begegnungen ergeben sich zufällig, andere wiederum plant man lange im Voraus und wieder andere werden geplant, ohne eigenes Zutun. Eine solche geplante Begegnung ohne das Zutun der beiden Beteiligten wird derzeit noch in der sommergalerieZöbing künstlerisch nachvollziehbar. Dort haben nämlich die Galeristin und der Galerist Franz S. und Eva Mrkvicka so etwas wie eine kleine „Familienzusammenführung“ erreicht. Auch wenn man den Begriff „Familie“ in diesem Fall nicht auf blutsverwandte Bande beziehen sollte. Vielmehr treffen in dem besonderen Raum der Galerie – einem umgebauten Stadel – 2 Künstlerinnen aufeinander, die mehrere Gemeinsamkeiten in ihren Arbeiten aufweisen. „Farbe, Form und Raum“ – das ist es, was beide interessiert. Ein gemeinsamer Nenner, der sehr allumfassend gesteckt ist. Und doch vereint Annegret Hoch und Elke Zauner noch eine andere Leidenschaft. Jene nämlich, auf Wänden zu arbeiten. Die eine – Elke Zauner – hat den Umgang mit der Wand sogar von der Pike auf gelernt. Als ausgebildete Kirchenmalerin kennt sie sich nicht nur mit dem Material bestens aus, sondern sie weiß auch, dass man mit malerischem Illusionismus so allerhand zeigen kann, was eigentlich nicht wirklich da ist. Zu sehen sind diese illusionistischen Räume in Zöbing nicht, dafür jedoch eine ganze Reihe von bunten Malerei-Zeichnungen, die ich so benenne, weil sie einerseits grafisch mit Stiften auf Papier gefertigt werden, andererseits aber eine so starke – auch flächige – Farbkomponente aufweisen, dass der malerische Umgang mit dem Sujet gut nachvollziehbar wird.


Zauner komponiert Farbräume, die „je abstrakter, umso spannender für die Betrachterinnen werden“. Dort, wo Wände von Türen und Fenstern und ein Außen von einem Innen unterscheidbar bleibt, wähnt man sich in warmen Gefilden. Wo sonst, kommen Farben wie ein sattes Rot oder Violett so richtig zum Leuchten? Tatsächlich hat Elke Zauner als Villa Massimo-Stipendiatin eine Zeit lang in Rom verbracht, was sowohl die Formgebung ihrer imaginären Räume als auch die Farbgestaltung selbst beeinflusst haben dürfte. Beinahe halluzinogen muten ihre farbintensiven Verortungen an, vor allem dann, wenn man an ihnen, wie in der Ausstellung möglich, entlang flanieren kann. Positive Lebensräume, Wärme, Licht und die Lust an der Farbe an sich vermitteln diese Blätter, von denen man am besten mehrere neben- oder untereinander hängen sollte.

Der Raum spielt auch bei Annegret Hoch eine herausragende Rolle in ihrem Schaffen. In der sommergalerieZöbing sind zwei Werkgruppen zu sehen, wobei sich vor allem in jenen Collagen, die sich an den Wänden tummeln, die Beziehung zur Räumlichkeit gut ablesen lässt. Einige von ihnen sind auf tiefem Schwarz aufgebaut, vor welchem all die bunten, grellen Einzelteilchen beinahe plastische Abhebeversuche starten. Lichter einer Großstadt – im konkreten Fall war es New York – in welches die junge Künstlerin ebenfalls als Stipendiatin geführt hatte – waren das ausschlaggebende Motiv zu den kleinen Arbeiten. Auffallend dabei ist, dass Hoch nicht mit Lineal und Zirkel arbeitet und somit ihre geometrischen Figuren von menschlichen Bewegungsabläufen gekennzeichnet sind. Eine Hand ohne Linealführung zeichnet und schneidet anders, als auf vorgezeichneten Linien. Gerade diese kleinen Imperfektionen sind es, die Hochs Arbeiten spannend machen. Und auch polarisieren: Bei einer ihrer letzten Auftragsarbeiten, einer künstlerischen Ausgestaltung von Innen- und Außenwänden eines Kindergarten und Jugendtreffs in München wurde ihr laut über die Straße zugerufen, ob sie denn nicht die Linien exakter ziehen könne. Dass es schwierig ist, mit einem 7 Meter langen Stab, auf dem der Pinsel sitzt, zu hantieren, leuchtet ein. Hinzugefügt muss aber auch werden, nicht nur schwierig, sondern gewollt. Auch auf den Buchhaltungsbögen, auf welchen Hoch ihre Eindrücke des „Between Song“ von Meredith Monk festgehalten hat, wird jener Geist spürbar, dem eine Ordnung innewohnt, die von einem menschlichen Ausdruck abseits des technisch Perfekten geprägt ist. Mensch vor Technik könnte man als ein Motto über ihre Kunst setzen, wenngleich die technische Notwendigkeit unseres Seins bei ihr nicht geleugnet, sondern einfach ein wenig menschlicher gemacht wird.

Die große Entdeckung dieser Ausstellung ist, dass diese beiden künstlerischen Welten, die auf engem Raum aufeinanderprallen, sich nicht nur gut vertragen, sondern teilweise auch sehr gut ergänzen. Farben und Formen treten in eine fröhliche Zwiesprache, die man förmlich zu hören imstande ist, lässt man sich auf die vielfältigen Eindrücke richtig ein.

Links:

Webseite von Annegret Hoch
Webseite von Elke Zauner

Hier der Video von Meredith Monk

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