Kunst aus China ist en vogue

mit 20 neuen Tuschearbeiten. Im Gegensatz zu früheren Werken, veröffentlicht in einigen schönen Katalogen, widmet sich Wu Yi hier einem eher traditionell angelegten Zyklus. „Plainness“ – zu Deutsch Einfachheit, Schlichtheit aber auch Offenheit – ist als Titel, gut ausgesucht und verweist auf das gewählte Bildprogramm. Wu Yi zeigt in dieser Serie Bilder von drei alten Männern, gewandet in traditionelle chinesische Tracht, die sich verschiedenen Freuden des Lebens hingeben. Dazu gehört neben dem Betrachten von Felsen auch das Staunen über eine fauchende Eisenbahn oder die Lust am Schaukelpferdschaukeln. Zu dritt, in Formation, schaukeln die alten Herren ruhig vor sich hin und haben offenbar großen Spaß daran. Auf die Frage, was denn damit gemeint sei, antwortete der Künstler mit dem breitesten asiatischen Lächeln, das man sich vorstellen kann – „als Kind sitzt man gern auf dem Schaukelpferd, und wenn man alt ist, mach man wieder das, was man als Kind gern gemacht hat“. Die Antwort sitzt – und lehnt sich an den Ausstellungstitel nahtlos an. Die Einfachheit, mit der Wu Yi hier aber Geschichten erzählt, drängt auch unweigerlich zur Frage: Ist diese Art von künstlerischer Deskription eigentlich in der zeitgenössischen Kunst noch zulässig? Ein alter Chinese auf einem bunten Fallschirm schwebend, die Arme ausgebreitet und in den Händen je einen Strauß roter Blumen, ein anderer in einem einfachen Boot auf dem Wasser – wie er einen Luftballon wy_ex03sm.jpgbetrachtet, den er an einer Schnur hält, ein Greis dem ein schwarzer Vogel ruhig auf seinem Kopf sitzt – tituliert als Akrobatik. Den Kopf voll zeitgenössischer, problemaufgreifender Kunst, ist man fassungslos ob dieser Darbietung. Hier erzählt einer doch tatsächlich Geschichten vom erfüllten Altern. Geschichten von Freundschaft, kindlichem Staunen, das wiedererlebt werden darf in fortgeschrittenen Dezennien, Geschichten von erfülltem Lebensgefühl abseits von Konsum und Schnelllebigkeit. Keine Spur von Hiobsbotschaften rund um Rentenunerfüllbarkeit, geriatrischen Abschiebestationen und depressivem Alzheimerverlöschen. Die sparsam eingesetzten graphischen und malerischen Gesten spiegeln sich ebenfalls wieder in der Titelgebung und bezeugen, dass Wu Yi das Handwerk der chinesischen Tuschemalerei beherrscht. Manches Mal tut es einfach gut, positive Geschichten erzählt zu bekommen. Das weiß auch Wu Yi.

Hier finden Sie näheres über die Ausstellung und die Galerie: Galerie 99

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