Lauwarme Mönchssuppe mit Ballaststoff-Croutons

Von Michaela Preiner

„Die interaktiv-performative Kochshow 2017“ (Foto: ECN)

28.

November 2017

Wien Modern ist nicht nur für dafür bekannt, zeitgenössischer Musik eine Plattform zu bieten. Immer wieder tauchen während des Festivals auch Formate auf, die ganz aus der Reihe tanzen.

Ein solches war „Die interaktiv-performative Kochshow 2017“ mit Götz Bury im Kuppelsaal der TU Wien. Kochshows sind seit Jahren ein sicherer Quotenbringer für diverse Fernsehsender. Dass dabei Köstliches kredenzt wird, ist selbstverständlich.

Der Künstler Götz Bury bedient sich dieser ständig ansteigenden Welle und kredenzt in seiner bewusstseinserweiternden Performance mit dem Titel „Gut leben ohne nix“, die Zubereitung einer „Lauwarmen Mönchssuppe mit Ballaststoff-Croutons“. Der Anspruch, etwas Köstliches zu essen zu bekommen, wird dabei nicht erhoben. Vielmehr achtet Bury darauf, möglichst ökonomisch nicht nur seine Performance zu gestalten, sondern auch sein Publikum zu verköstigen.

In der augenzwinkernden Contradictio in adiecto „ohne nix“ seines Performance-Titels wird schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Zutaten zur Suppe nicht opulent ausfallen werden. Die Überraschung ist dann jedoch dennoch groß, als der Preis pro Suppenteller kommuniziert wird: 20 Cent. Wien Modern unterstützte den Performer klanglich durch „Klangminiaturen“ als Vor- Zwischen- und Nachmusiken aus der Vorlesung Elektroakustische Musik I & II am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien.

„Die interaktiv-performative Kochshow 2017“ (Foto: ECN)

Ganz der Maxime von Paul Bocuse verpflichtet, je höher die Mütze, umso wichtiger der Koch, tritt Bury dabei mit einer riesigen Papiertaschen-Kochmütze auf. Die Schultern Löffel-dekoriert, an der Brust unzählige selbst gebastelte Orden, verschafft er sich von vornherein eine Aura, die ihn als hochgelobten Experten auf seinem Gebiet ausweist. Bügeleisen werden bei ihm zu Kochplatten, die tunlichst nur unter der „Leinen-Einstellung“ betrieben werden sollen, ein alter Kleiderbügel fungiert, umgebaut, als Säge. Alte Trenchcoats werden zu blütenweißen Kochjacken und hochwertige Kleideraufhänger von ihm zu Kochlöffeln umfunktioniert. Das Geräusch des kochenden Wassers wird verstärkt in eine Komposition eingebunden, genauso wie der Säge-Rhythmus, als Bury beginnt, sein aus Sägespänen gefertigtes Brot zu schneiden.

Die Klanginstallation, die zu Beginn der Performance den Raum erfüllte, vereinte Geräusche wie ein Klopfen, Piepsen, Scharren, Rauschen, Klingeln, Dröhnen genauso wie ein Teekesselpfeifen oder eine lautes Krachen beim Knäckebrotessen und diente mit seinem finalen eingespielten Stimmen-Hinweis „delicious“ als auditive Vorfreude auf Kommendes. Der „verschärfte Kabelsalat“ unter Burys „new stone age – Küche“ war zwar nicht genießbar, seine Molkesuppe, kredenzt in Schallplatten-Tellern mit Nägel-Löffeln, „im Wert von 30 Euro!“, letztlich doch.

„Die interaktiv-performative Kochshow 2017“ (Fotos: ECN)

Das Klangspektrum, das während der Show mitgeliefert wurde, war riesig: Es reichte von wabernden Elektronikklängen, eingespielten Muezzin-Rufen und verschiedenen Stimmen über eine kleine Melodie, die an die Verwendung einer Maultrommel erinnerte, bis hin zu an- und abschwellendem Elektroschnattern, Quietschflattern oder einem tropfenden Zirpeln.

Eine rein männliche Phalanx war für die Kompositionen zuständig: Alexander Farkas, Simon Maximilian Fraiss, Christoph Derwart, Thomas Bernhard Koch, Martin Tiegelnegg, Marco Cavasino und Luka Tengg.

“Gut leben ganz ohne nix”-Sackerl, prall gefüllt mit einem Schallplattenteller und einem Nagel-Löffel wanderten anschließend mit dem Publikum nach Hause. Dort bilden sie nun Erinnerungs-Relikte an eine schräg-witzige-interessante-sonntagsmittägliche-Show von Wien Modern. 

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