Liebe macht krankL’amour rend malade

Glaubt man August Strindberg, so lässt man lieber die Finger von der Liebe. Ist sie doch nur eine Idee, die nicht lebbar ist und im Chaos endet.

Das TNS in Straßburg bringt im März eine Strindbergtrilogie mit drei bulgarischen Inszenierungen in der Originalsprache, französisch übertitelt. Julie, Jean und Kristine sowie der Totentanz stammen aus der Regie von Margarita Mladenova und zeigen beide den selben  Inszenierungsansatz. Strindberg, der ohnehin schwer verdauliche Kost schrieb, gerät bei Mladenova zum ultraharten, messerscharf analysierenden Vorzeiger seelischer Nöte. Die Regisseurin lässt ihren Figuren allesamt nicht in die tiefsten Abgründe blicken, sondern versieht sie vielmehr mit einem Schutzpanzer. Den haben sie sich im Laufe der Zeit aufgebaut, um das Elend, das sie heimgesucht hat, irgendwie ertragen zu können.

JULIE, JEAN ET KRISTINE - photo: (c)Simon Varsano

In der Adaptierung Julie, Jean und Kristine nach dem Stück „Fräulein Julie“ ist es einzig die adelige Gutsherrentochter Julie, die verzweifelt versucht, den gesellschaftlichen Konventionen, in denen sie gefangen ist, zu entkommen und dabei ihren Emotionen freien Lauf lässt. Ihre Gegenspielerin, die Köchin Kristine, arbeitet dagegen verbittert in ihrer modernen, großen Edelstahlküche  und verpflegt, zumindest was die Größe der Töpfe anlangt, ganze Kompanien. Mit weißer Plastikhaube und roten Gummihandschuhen scheint ihre Arbeit neben ihrer Religion die einzige Sinnerfüllung zu sein. Dass ihr Verlobter Jean mit Julie ein Verhältnis begonnen hat, verbittert sie zwar, aber dennoch versucht sie, diese Geschichte, die auch sie betrifft, so gut es geht nicht an sich heranzulassen. Ihre Vorwürfe speisen sich aus der Nichterfüllung der Konventionen und nicht aus der eigenen, gekränkten Seele. Julie und Jean hingegen ziehen sich permanent an, um sich sofort wieder abzustoßen. Zu groß sind auch bei ihnen ihre erlernten sozialen Rollen, aus denen sie nicht entfliehen können. Wunsch, Angst, Verzweiflung und Hoffnung wechseln bei ihnen im Minutentakt.

Die bulgarische Sprache unterstützt das forsche Auftreten der Schauspielerinnen und des Schauspielers, die nicht nur ihre Monologe, sondern auch fast alle Dialoge frontal ins Publikum schleudern. Es scheint, als sprächen sie nicht miteinander, sondern als sei alles, was sie sagten eine einzige Selbstbestätigung, fernab von Empathie für den anderen. Wie einzelne Wortbrocken häufen sich die Sätze einer nach dem anderen zu einer immer höher werdenden Wand auf, die schließlich so angewachsen ist, dass es für Julie und Jean kein Durchdringen mehr gibt. Kristine, die sich im zugeknöpften Sonntagsstaat mit ihrer Bibel unter dem Arm aus dem Staub macht, ist die Rückkehr in ihre Küche gewiss. Was aus Julie, die sich ihrem von ihrem Stand aus vorbestimmten Leben widersetzten wollte wird, bleibt offen. Dem Wahnsinn und mit einem Messer in der Hand verschwindet sie hinter dem Vorhang, die Worte Jeans im Ohr, dass es besser sei , sich vom Leben zu verabschieden. Albena Georgieva, Miroslava Gogovska und Hristo Petkov bewegen sich nicht nur sprachlich in Osteuropa. Die Hinweise, die das Bühnenbild und die Kostüme geben, setzen das Geschehen in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, ein weiterer harter Brocken, den Strindberg von Mladenova zugeteilt wird. Ihre Interpretation ist nicht weit von Strindbergs Intention um die Aufarbeitung von Macht, Verlangen und gesellschaftlichen Normen entfernt. Einzig der Bezug zu einem zeit- und ortsversetzten Umfeld geben dem Drama einen neuen Anstrich.

Vergiss Deine Träume, denn du entkommst deinem Schicksal ohnehin nicht, steht als Schlussfolgerung aber nicht nur für diese Arbeit. Am selben Abend war eine halbe Stunde später im gleichen Haus, jedoch auf einer anderen Bühne Strindbergs „Totentanz“ zu sehen. Ein Stück, das die Nöte eines alten Ehepaares wiedergibt, deren Liebe sich in abgrundtiefen Hass verwandelt hat. Auch hier bleibt, bis auf eine kleine Ausnahme, das Bühnenbild über die ganze Aufführungszeit hin statisch. Ein großes, altes Doppelbett, ein Tisch mit drei Sesseln und ein kleiner Schrank. Mehr braucht es nicht um sich unwohl zu fühlen.  Tzetan Alexiev, Vladimir Penev und Svetlana Yancheva mutieren von Tätern zu Opfern und wieder zurück und müssen erkennen, dass ihr Leben völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Edgar und Alice, der alte Artilleriekommandant und die ehemalige Schauspielerin überlegen, wie sie ihren 25jährigen Hochzeitstag feiern könnten und lassen im Laufe ihrer Konversation nichts an Gemeinheiten aus, die man sich an den Kopf werfen kann. Auch bei ihnen klingt alles was sie sagen, wie schon im Stück zuvor, entpersonifiziert. Stünden nicht sie an dieser Stelle, so könnte es auch jemand anderer sein.

LA DANSE DE MORT - photo: (c)Simon Varsano

Die Worte werden zu Metaphern, die Sätze zu Formeln, die sie in einem einmal gefundenen Tonfall aneinanderreihen, ohne ihre emotionalen Schwankungen auch stimmlich auszudrücken. Sie fühlen sich gegenseitig missverstanden, und wissen um die Zeit, die sie vergeudet haben, ohne jedoch einen Schritt in eine andere Richtung machen zu können. Edgar, der Choleriker, der immer darauf pocht, dass er, wenn er denn stürbe, sofort umfiele aber nie krank würde erleidet einen Schlaganfall, der ihn beim Sprechen und in seiner Mobilität einschränkt. Wie Vladimir Penev die Mundwinkel hängen lässt und dennoch klar und deutlich artikuliert ist sehenswert, ebenso sein hinterlistiges Spiel mit den Gefühlen von seiner Frau und Kurt, einem Jugendfreund, der die beiden besuchen kommt. Mit letzter Kraft und der Hilfe von Kurt versucht Alice, aus ihrem Hassgefängnis auszubrechen. Doch der Mann, der in jungen Jahren in sie verliebt war, lässt sich nicht als Rettungsanker benutzen und sucht das Weite. Auch in diesem Stück bleibt Margarita Mladenova ganz nahe an Strindberg. Sie hebt besonders die Entwicklung der beiden Alten hervor, die zum Schluss zumindest einsehen, dass es das Beste sein wird, so weiter zu machen wie bisher. Sie lässt Edgar und Alice sich in ihrem Ehebett sitzend vor Lachen nur so schütteln – über das verrückte Leben, das doch nur eine Komödie ist. Tzetan Alexiev, Vladimir Penev und Svetlana Yancheva lieferten eine großartige, schauspielerische Leistung ab und die stringent durchgezogene Regie ohne jegliche Schnörksel, reduziert auf ein Minimum, mit enorm viel Power dahinter, bereiteten mit den beiden Aufführungen hintereinander einen doppelten Theatergenuss an einem Abend. Danke, für diese tolle Idee!

D’après August Strindberg, il vaudrait mieux ne pas s’approcher de l’amour, car il ne s’agirait  que d’une idée irréalisable qui, par conséquent, finirait par un désastre, quoi qu’il arrive !

Au mois de mars, le TNS à Strasbourg présente une trilogie de Strindberg : trois créations bulgares en version originale, sous-titrées en français. «  Julie, Jean et Kristine » et « La Danse de Mort » sont deux œuvres de Margarita Mladenova. L’approche de la mise en scène est identique pour les deux productions: Strindberg, un auteur déjà assez difficile à «digérer » devient sous le regard de Mladenova celui qui montre la souffrance de l’âme humaine sans concession, et sans pitié, doublé d’une faculté d’analyse aiguisée comme un couteau de boucher. La metteuse en scène ne permet pas au public de regarder dans l’âme de ses personnages. Elle les équipe plutôt d’une sorte d’armure. Cette armure, acquise au fil des années, leur permet de supporter l’insupportable, de supporter leur vie.

JULIE, JEAN ET KRISTINE - photo: (c)Simon Varsano

Dans l’adaptation « Julie, Jean et Kristine » d’après la pièce « Mademoiselle Julie », seule la fille du noble propriétaire terrien laisse libre cours à ses émotions et cherche par tous les moyens à échapper aux conventions dans lesquelles elle est empêtrée. Son pendant, la cuisinière Kristine, est une femme aigrie qui passe sa vie dans sa cuisine ultramoderne en  inox pour confectionner des repas pour – en considérant la taille des marmites – des compagnies entières. Un bonnet blanc en plastique sur la tête, les mains gantées  de caoutchouc rouge, ce travail, mis à part la religion, semble être sa seule source de satisfaction. Que son fiancé Jean entretienne depuis peu une liaison avec Julie la rend amer, mais elle cherche à garder ses distances avec cette histoire qui la concerne pourtant de très près. Ses reproches se nourrissent du non-accomplissement des conventions plutôt que de son propre chagrin. Julie et Jean passent leur temps à s’attirer mutuellement pour se repousser aussitôt. Leurs propres rôles sociaux endossés depuis si longtemps sont trop bien appris pour qu’ils puissent réussir à s’en échapper. Désir, peur, désespoir et espoir se succèdent chez ces deux personnages à une cadence infernale.

La langue bulgare souligne le jeu franc des actrices et acteurs qui jettent tous leurs monologues mais aussi presque tous leurs dialogues à la figure du public. Il semble qu’ils ne se parlent pas entre eux, mais que tout ce qu’ils disent soit une approbation de leur propre point de vue, loin, très loin d’une quelconque empathie pour les autres. Comme des bribes de mots, les phases se superposent pour former un mur de plus en plus haut. Ce mur atteint des proportions telles, que pour Julie et Jean aucune échappatoire n’est plus possible. Kristine, qui quitte les lieux, endimanchée et la bible sous le bras, pourra réintégrer sa cuisine un jour, c’est une certitude.  Ce que deviendra Julie, qui a cherché à s’opposer au destin que son statut social et son rang voulaient lui imposer. Personne ne le sait ! Proche de la folie, un couteau à la main et les mots de Jean, qu’il serait préférable de dire adieu à la vie  gravés dans l’esprit, elle disparaît derrière le rideau. Albena Georgieva, Miroslava Gogovska et Hristo Petkov ne se situent pas uniquement d’un point de vue linguistique en Europe de l’est.
Le décor et les costumes indiquent que l’histoire se passe dans la première moitié du 20e siècle. Un autre coup dur asséné par Mladenova à Strindberg. L’interprétation de  celle-ci n’est pas très éloignée des intentions initiales de Strindberg : Il s’agit de décortiquer les mécanismes du pouvoir, du désir et des normes sociétales. Seul le rapprochement de l’action avec contexte contemporain et sa transposition  géographique à un lieu différent donnent à ce drame des couleurs différentes. Conclusion: Oublie tes rêves, car tu n’échapperas pas à ta destinée !

LA DANSE DE MORT - photo: (c)Simon Varsano

Mais la conclusion en question ne vaut pas que pour cette œuvre. Le même soir, 30 minutes plus tard, au même endroit, mais sur une autre scène on pouvait voir la « Danse de Mort », une autre œuvre de Strindberg. Cette pièce parle de la souffrance d’un couple âgé dont l’amour s’est transformé en une haine sans bornes.

Le décor, à une exception près, reste statique là aussi : Un grand lit double, trois chaises autour d’une table et une petite armoire – c’est tout ce qu’il faut pour se sentir mal à l’aise.
Tzetan Alexiev, Vladimir Penev et Svetlana Yancheva sont à tour de rôle bourreaux et victimes et doivent reconnaître qu’ils n’ont plus aucun contrôle sur leurs vies respectives. Edgar, un commandant d’artillerie à la retraite et Alice, une ex-actrice réfléchissent comment ils pourraient bien fêter leur 25e anniversaire de mariage. Au cours de leur conversation ils n’omettent aucun reproche, aucune bassesse qu’ils lancent aussitôt à la figure de l’autre.
De même que dans la pièce précédente, tout ce qu’ils disent semble déshumanisé. Si ce n’étaient pas eux qui se trouvaient à cet endroit à ce moment précis, cela pourrait être quelqu’un d’autre – peu importe ! Les mots deviennent métaphores, les phrases muent en formules qu’ils juxtaposent sur un ton monotone, sans exprimer leurs émotions par la voix. Ils se sentent mutuellement incompris et sont conscients d’avoir gaspillé leur temps tout en étant incapable d’esquisser ne serait-ce qu’un seul pas dans la direction opposée. Le coléreux Edgar qui affirme en permanence que, s’il devait mourir, il tomberait raide-mort, mais jamais, au grand jamais il ne tomberait malade, subit, ironie du sort, une attaque cérébrale. Il ne parlera plus qu’avec difficulté et reste handicapé moteur. La prestation de Vladimir Penev qui, la bouche tordue, continue pourtant à articuler distinctement, vaut le  coup d’œil. Pervers, il joue avec les sentiments de sa femme et ceux de Kurt, un ami de jeunesse. A bout de force, Alice tente une évasion de sa prison de haine. Mais l’homme qui à l’époque était amoureux d’elle refuse d’être sa bouée de sauvetage ……. et se sauve!

Margarita Mladenova reste encore une fois tout proche de Strindberg. Elle souligne en particulier l’évolution des deux vieux qui finissent par s’avouer que le mieux pour eux  serait de continuer comme avant. Edgar et Alice se tordent de rire dans leur lit conjugal – tellement la comédie de leur vie leur paraît dingue. Las prestations des acteurs Tzetan Alexiev et Vladimir Penev, ainsi que de l’actrice Svetlana Yancheva sont remarquables. La mise en scène, réduite au strict minimum, sobre et sans fioritures mais habitée par une grande énergie a offert au public deux soirées de théâtre réussies en une. Merci pour cette superbe idée.

Texte traduit de l’Allemand par Andrea Isker

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