Mit den Augen hören und mit den Ohren sehenÈcouter avec les yeux et se regarder avec les oreilles

Jean-Dominique Marco (c) Philippe Stirnweiss

Interview mit dem Direktor des Festival Musica Jean-Dominique Marco

Das Festival Musica ist mit seinem Gründungsjahr 1983 eines der traditionsreichen Festivals in Europa für zeitgenössische Musik, das sich großer Beliebtheit beim Straßburger Publikum erfreut. Zum Interview lud Jean-Dominique Marco, der derzeitige Leiter, der seit dem Jahre 1990 dieser Institution vorsteht. Das Gespräch fand in seinem Büro, einem hellen, sonnendurchfluteten Zimmer im Erdgeschoss der „Cité de la danse et de la musique“ statt, das erst 2006 eröffnet wurde. Im selben Gebäude befindet sich auch das Konservatorium, sowie viele kleinere und ein großer Konzertsaal, in dem einige der Konzerte des Festivals gespielt werden.

Jean-Dominique Marco bietet mit seinem Team dem Publikum zeitgenössische Musik vom Feinsten. „Unser Konzertangebot basiert einerseits auf den großen Werken des 20. Jahrhunderts, die den aktuellen Werken von Heute gegenübergestellt werden“ umreißt Marco kurz und bündig das Programm des Festivals Musica. Wobei er im Laufe des Gespräches mehrmals darauf verweist, dass jede Musik ihre Berechtigung hat, egal ob nun populäre zeitgenössische oder eben solche, wie es das Festival Musica anbietet, und sich die Musikstile gegenseitig auch ergänzen und befruchten. Als den großen „Big-Bang“ in der Musikgeschichte bezeichnet er die Neue Wiener Schule mit Schönberg, Webern und Berg, die er als Sockel oder Basis der neuen Musik ansieht. „Wir spielen deswegen immer noch die großen Werke des 20. Jahrhunderts, da wir ja auch immer neues Publikum dazugewinnen, das diese Musik noch nicht kennt.“ Eine Publikumsbefragung im letzten Jahr ergab, dass ca. 30% der Zuhörerinnen und Zuhörer in den letzten drei Jahren neu zum Festival gekommen sind. Ein Zeichen auch dafür, wie lebendig das Festival ist und wie niedrig die Hemmschwelle gerade bei den jungen Menschen mit 22, 23 Jahren angesehen wird. „Es war von Beginn an vom Ministerium erwünscht, so viele Menschen wie nur möglich zu erreichen. Unser Festival ist sowohl ein Festival für Spezialisten als auch eines für Laien. Wir möchten vor allem auch Menschen in den Konzerten sehen, die das erste Mal zeitgenössische Musik hören. Jack Lang, der sozialistische Kulturminister der 80er Jahre prägte gemeinsam mit Maurice Fleuret die Ausrichtung, die sich bis heute nicht verändert hat.“

Die Frage, warum Straßburg als Austragungsort des Festivals ausgesucht wurde erklärt Marco schlüssig: „Straßburg wurde deswegen als Spielstätte gewählt, weil es eine lange musikalische Tradition, sozusagen die rheinische Musiktradition, mit einem großen Reichtum, aufweist. Im Elsass gibt es allein 42.000 Chorsänger, das zeigt, wie sehr die Menschen hier mit der Musik verbunden sind. Nach dem Krieg bildeten sich jenseits des Rheins Zentren für zeitgenössische Musik. Donaueschingen oder Darmstadt gehörten dazu. Alle großen Namen waren dort tätig wie z.B. Riehm, Stockhausen oder Kagel. Viele große Orchester, Ensembles, Radioorchester, das Ensemble Modern aus Frankfurt, die musikFabrik aus Köln, das Ensemble Recherche aus Freiburg, der SWR aber auch das Konzerthaus in Baden-Baden waren vorne dabei. Dagegen wollte man in Straßburg einen Gegenpart setzen. „Les Percussions Strasbourg“, 1962 gegründet, wurde zum Beispiel stark von Boulez beeinflusst, der ja in Baden-Baden lebte und noch lebt.“

„Zu Beginn hatte man eine Kooperation mit Rom, die allerdings aufgrund schwieriger organisatorischer Herausforderungen nicht weiter geführt wurde. Danach gab es eine intensive Zusammenarbeit auch mit deutschen Veranstaltern. So wurde das Publikum zum Beispiel – Franzosen und Deutsche – auf Schiffen dem Rhein entlang zum Loreleyfelsen gebracht und erlebten bei dieser Reise Aufführungen zeitgenössischer Musik.“

„Haben Sie heute auch einen großen Anteil an Publikum aus Deutschland?“ „Leider haben wir zu wenig Menschen aus Deutschland, das liegt aber daran, dass das Publikum für zeitgenössische Musik stets ein großstädtisches Publikum ist. Und im Einzugsgebiet für Straßburg sind die nächsten großen Städte in Deutschland zu weit entfernt. Aber wir würden gerne die Zusammenarbeit wieder stärker intensivieren.“

„Wie hat sich die zeitgenössische Musik Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren verändert?“

„Heute erleben wir schon die dritte und vierte Generation von Komponisten und unsere Konzerte weisen eine enorme Bandbreite auf. Nach dem Krieg gab es erbitterte Kämpfe und beinahe schon gewalttätige Debatten um die Erneuerung der Musik. Die Komponisten versuchten eine neue Ordnung nach dem Krieg aufzustellen. Es war eine Reaktion auf die damalige Zeit. Heute ist die Originalität der Komponisten besonders wichtig. Der Ton, der Rhythmus, die Klangfarbe all das verwenden sie als Material für ihre Musik. Was heute zählt, ist die Originalität. Heute gibt es eine Mischung aus Vielem und eine globale Vereinheitlichung zur gleichen Zeit. Das ist zugleich auch schwer. Die Musik erfordert Konzentration, sie ist experimentell. Die Komponisten befinden sich immer am Rande der Gesellschaft. Ihre Position ist nach wie vor schwierig, es gibt aber auch gut Situierte, die populär arbeiten und wieder andere, die es sehr schwer haben. Aber man muss sie unterstützen, ihnen einen Raum, ein Laboratorium geben, in dem sie arbeiten können. Die Gesellschaft muss diesen Raum für alle – in jedem Bereich – zur Verfügung stellen. Europa ist ein Ort, der die Künstler unterstützt. Wir agieren heute ja eigentlich in der Nachfolge des Adels. Auch sie unterstützten die Künstler und ließen sie arbeiten. Jedes Land, jede Region usw. muss unterstützen und helfen, das ist enorm wichtig. In Paris arbeiteten Künstler in der IRCAM, einem „Versuchsort“ oder Laboratorium, in welchem neueste Entwicklungen entstehen. Dies kostet viel Geld, aber diese Entwicklungen haben wieder Auswirkung auf eine viel größere Gesellschaft, in der sie dann auch kommerzialisiert werden.“

„Worin besteht denn eigentlich der Unterschied zwischen dem Festival Musica in Strasbourg und den anderen Festivals für zeitgenössische Musik?“

„Vor 10 Jahren habe ich das Reseau Varese gegründet, eine Vereinigung mit derzeit 23 europäischen Partnern. Das sind europäische Veranstalter zeitgenössischer Musikfestivals, mit denen wir auch zusammenarbeiten. Ich glaube, dass das Festival in Straßburg deswegen so gut funktioniert, weil es sich nicht mit Konzerten über das ganze Jahr hin erstreckt, sondern weil wir es wirklich geballt im September und Anfang Oktober anbieten. Es gibt 2, manchmal 3 Konzerte an einem Tag und das Publikum ist damit richtig gefordert. Man sieht immer wieder kleine Gruppen, die sich hintereinander bei den Konzerten sehen und miteinander ins Gespräch kommen. Das ist wunderschön. Unser Publikum hat Lust auf Neues, es ist aufgeschlossen und gebildet und es folgt der globalen Idee des Festivals. Es hört Bekanntes, aber auch viel Unbekanntes, aber es hat Vertrauen. Das Festival steht bei uns bewusst am Saisonbeginn; man ist ausgehungert nach den Ferien, freut sich auf Musik. Die Leute freuen sich, in dieses Universum einzutauchen. Die Abfolge der Konzerte ist sehr schnell, ist lebendig, turbogeladen und dynamisch und reichhaltig. Wir haben ein wunderbares Publikum!“

Jean-Dominique Marco antwortet auf meine Fragen wie aus der Pistole geschossen; ein Vollprofi, der sein Geschäft nicht nur versteht, sondern mit Herz und Seele dabei ist. Mit meiner anschließenden Frage gelang es mir dennoch, ihn zumindest für einige Sekunden zum Nachdenken zu veranlassen. Dass die Antwort wiederum geschliffen wie ein Diamant kam, verwunderte mich aber nicht mehr.

„Was würden Sie machen, wenn Geld keine Rolle spielte?“

„Das ist ein Traum. Ich würde auf alle Fälle größere Orchester und Ensembles einladen, große Chöre und ich würde ein Haus für Künstler schaffen. Für Komponisten, die hier vor Ort eingeladen komponieren könnten. Eine Stadt benötigt kreative Schöpfer die in ihr leben, die ihr eine künstlerische Vibration verleihen. Die ihr Licht, aber auch ihren Schatten oder vielleicht auch Halbschatten auf sie abwerfen. Nicht nur Komponisten und Musiker sondern auch Bildhauer oder Literaten sollten kommen können. Dementsprechende Überlegungen gibt es schon von der Stadt. Künstler legen ja auch ein Zeugnis ab jener Gesellschaft in der sie leben. Man darf sich nicht mit der künstlerischen Vergangenheit zufrieden geben. Heute leben wir in einer Welt voll Lärm, in einer teilweise chaotischen Welt. Alle Kulturen vermischen sich und die Künstler legen davon Zeugnis ab. Man darf vor seinem eigenen Zeitalter keine Angst haben. Wenn man die zeitgenössische Kunst ausschließt, lebt man eigentlich in der Vergangenheit. Unsere Wurzeln und das Neue gehören untrennbar miteinander zusammen. Die Wurzeln müssen dem Zukunftsträchtigsten, der zeitgenössischen Musik gegenüber gestellt werden. Es gibt dabei kein Falsch und kein Richtig. Eine Gesellschaft, die das Neue nicht zulässt, stirbt.“

„Welche Konzerte zählen Ihrer Meinung nach in dieser Saison zu den Highlights?“

„Eigentlich alle! Aber wenn ich einschränken muss, dann weise ich auf das Konzert mit dem Orchestre Philharmonique von Radio France hin. Es spielt Werke von Oscar Bianchi, Johannes Maria Staud und Peter Eötvös. Dann natürlich der Tag der offenen Türe in der „Cité de la musique et de la danse“. Schon im Vorjahr war dies ein enormer Erfolg, es kamen über 2000 Menschen an diesem Nachmittag, um die kurzen Konzerte von ca. 30 Minuten zu hören. Dann die Konzerte des jungen Franzosen Mantovani oder auch das Vienna Vegetable Orchestra, dass das Publikum richtig öffnen kann. Weiters die großen Xenakis-Werke in vier Konzerten, in welchen die wichtigsten Werke dieses Komponisten gespielt werden. Das Stück „Der Vater“ nach Heiner Müller, von Michael Jarrell sowie das große Bernd Alois Zimmermann-Special, für das auch ein Kolloquium veranstaltet wird. Eine absolute Neuerung ist eine kleine Tournee des OPS, dessen Konzerte alle gratis sind und dem Publikum im Elsass außerhalb von Straßburg Lust auf Konzerte des Festivals machen soll. Und schließlich noch die Veranstaltung „Percussions dans la ville“ – am Samstag, dem 25., bei dem in der ganzen Stadt Schlagwerker unterwegs sind und denen Posaunisten vorangehen werden, also Musiker mit alten Instrumenten, die auf junge Schlagwerkinstrumente treffen. Wieder trifft sich hier Tradition und Moderne.“

„Wie könnten Sie das Publikum überreden zu einem Konzert zu kommen?“

„Haben Sie keine Angst vor Musica und kommen Sie in ein Konzert! Es wäre richtig schade, wenn Sie das nicht machen würden. Zeitgenössische Musik hat sich seit einem Jahrhundert entwickelt. Beim ersten Mal empfindet man es vielleicht als Skandal, aber je mehr man hört, umso stärker ändert sich der Zugang.

Zeitgenössische Musik hat noch eine weitere, nämlich eine visuelle Dimension. Sie ist schwer zuhause, in den eigenen vier Wänden zu hören. Zeitgenössische Musik muss mit den Augen gehört und mit den Ohren gesehen werden. Es ist nicht möglich, den visuellen Eindruck auf einer CD wiederzugeben.“

„Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die diesjährige Saison!“

Jean-Dominique Marco (c) Philippe Stirnweiss

Interview avec le directeur du festival « Musica » Jean-Dominique Marco

Le festival « Musica », fondé en 1983, est l’un des festivals d’Europe les plus riches en traditions. Il rencontre un succès incontestable auprès du Public strasbourgeois.

Jean-Dominique Marco, le directeur de cette institution depuis 1990 m’a accordé cette interview dans son bureau clair, inondé de soleil qui se trouve au rez-de-chaussée de la « Cité de la danse et de la musique ». Ce lieu, inauguré en 2006, abrite également le conservatoire et plusieurs salles de concert, dont l’une, la plus grande, accueillera quelques uns des concerts du festival.

Avec son équipe, Jean-Dominique Marco propose au public de la musique contemporaine d’une excellente qualité. «  Nous proposons un programme basé sur les grandes œuvres du 20e siècle tout en les opposant aux œuvres de nos jours ». Voilà en somme comment Marco résume la programmation du festival. Au cours de la conversation, Mr Marco a insisté à plusieurs reprises sur le fait que toutes les musiques ont leur justification. Qu’il s’agisse de musique contemporaine populaire ou alors d’un type de musique comme celle proposé par le festival Musica. Il souligne également que les différents styles de musique se fertilisent ou se complètent mutuellement.

D’après lui, le « Big Bang » de l’histoire de la musique est la nouvelle école de Vienne avec Schönberg, Webern et Berg, qu’il considère comme une sorte de socle, la base de la nouvelle musique. « C’est pour cette raison que nous continuons à jouer les grandes œuvres du 20e siècle et que nous continuons toujours à toucher un public pour qui cette musique reste inconnue. » Un sondage auprès du public l’année dernière montrait que pendant les 3 dernières années, 30 % des auditrices et auditeurs avait nouvellement rejoint le festival. C’est la preuve que le festival est vivant et que pour les 22/23 ans le pas n’est pas si difficile que cela à franchir. «Dès son début, le ministère voulait que l’on touchât un public aussi large que possible. Notre festival s’adresse aux spécialistes et aux amateurs. Nous aimerions beaucoup compter parmi nos auditeurs des personnes qui écoutent de la musique contemporaine pour la première fois. Jack Lang, ministre socialiste de la culture dans les années 80 et Maurice Fleuret ont donné l’impulsion dans ce sens et depuis, nous gardons le cap. À la question pour quelle raison précisément la ville de Strasbourg avait été pressentie pour organiser ce festival, Marco répond sans hésitation aucune : «Le choix s’est porté sur la ville de Strasbourg parce que cette ville a une longue tradition musicale, une sorte de «tradition musicale du Rhin» d’une grande richesse. Rien qu’en Alsace il y a 42000 choristes. Ceci montre à quel point les gens d’ici sont liés à la musique. Après la guerre, de l’autre coté du Rhin, des centres de musique contemporaine ont vu le jour, dont Donaueschingen ou alors Darmstadt. Tous les grands noms y ont officié, comme par exemple Riehm, Stockhausen ou Kagel. Beaucoup de grands orchestres, ensembles, orchestres radiophoniques, «l’Ensemble Modern» de Francfort, la «musikFabrik» de Cologne, l’ «Ensemble Recherche» de Fribourg, le SWR mais aussi la «Konzerthaus à Baden-Baden» ont été en première ligne. Et on voulait contrebalancer tout ceci à Strasbourg. « Les Percussions Strasbourg », fondées en 1962 ont par exemple été fortement influencées par Boulez qui vivait et vit toujours à Baden-Baden. Au départ il y a eu une collaboration avec Rome. Mais pour des raisons d’organisation, celle-ci n’a pas duré. Ensuite, on a collaboré étroitement avec des organisateurs allemands : Pour donner un exemple le public, français et allemand, a longé le Rhin au bord d’un bateau jusqu’au rocher de « Lorelei » tout en écoutant de la musique contemporaine pendant ce voyage.“

Votre public compte-t-il encore une part allemande importante ?

« Nous n’avons malheureusement que très peu d’auditeurs venant d’Allemagne, mais cela est dû au fait que le public de la musique contemporaine est traditionnellement un public citadin. Et les grandes villes allemandes sont trop éloignées de Strasbourg. Mais nous aimerions beaucoup intensifier notre collaboration. »

D’après vous, quels sont les changements que la musique contemporaine a subis au cours de ces dernières années ?

« Aujourd’hui, nous en sommes à la troisième, voir quatrième génération de compositeurs et nos concerts ont une grande largeur de bande. Après la guerre, la lutte autour pour le renouvellement de la musique a été impitoyable, les débats presque violents. Les compositeurs on essayé d’établir un nouvel ordre « après-guerre ». C’était une conséquence logique des évènements de cette époque. De nos jours, ce qui compte le plus pour les compositeurs, c’est l’originalité. Ils utilisent toutes sortes de matériels pour leur musique: Le son, le rythme, la couleur de la sonorité et ainsi de suite. Aujourd’hui, l’important c’est l’originalité. On est en présence d’un mélange de beaucoup de choses et d’une sorte d’uniformisation globale en même temps. C’est compliqué ! La musique demande de la concentration, elle est expérimentale. Les compositeurs sont toujours marginalisés, leur position est toujours aussi difficile. Il y a ceux qui font un travail populaire et qui réussissent, et les autres : ceux, dont la situation est très difficile. Pour ces derniers, il faut un soutien, leur donner un espace, un laboratoire où travailler. La société se doit de mettre ce genre d’espace à la disposition de tous et ce, dans tous les domaines. L’Europe soutient ses artistes. Nous avons pris la suite de la noblesse qui elle a bel et bien soutenu les artistes et leur a permis de travailler. Chaque pays, chaque religion etc.. doit soutenir et aider, c’est essentiel ! A Paris, des artistes travaillent à l’IRCAM, un endroit expérimental, une sorte de laboratoire dans lequel les dernières évolutions voient le jour. Cela est très onéreux, mais ces évolutions ont des répercussions sur une société beaucoup plus importante où elles peuvent être commercialisées par la suite. »

Quelle est la différence entre le festival « Musica » à Strasbourg et les autres festivals de music contemporaine ?

« Il y 10 ans, j’ai fondé le « Réseau Varèse », dont 23 pays européens font partie actuellement. Il s’agit d’organisateurs européens de festivals de musique contemporaine avec qui nous collaborons. Je pense que si le festival strasbourgeois fonctionne, c’est parce qu’il est conçu de façon particulière : Les concerts sont joués entre septembre et début octobre, de façon vraiment concentrée et non pas étalés sur toute une année. Parfois il y a 2 ou 3 concerts par jour, ce qui constitue un vrai défi pour le public. On peut souvent observer que de petits groupes de personnes se croisent lors des différentes manifestations et finissent par discuter entre eux. Ça, c’est merveilleux. Notre public a envie de nouveauté. Il est ouvert et cultivé et colle parfaitement à l’idée globale du festival. Il entend des morceaux connus, mais aussi beaucoup de choses inconnues, mais il est en confiance. Le festival est sciemment programmé en début de saison. Après les vacances, les gens sont affamés et ravis à l’idée d’écouter de la musique, de plonger dans cet univers. Le déroulement des concerts est rapide, vivant, comme chargé au turbo, dynamique et varié ! Nous avons un publique magnifique.“

Jean-Dominique Marco répond à mes question sans l’ombre d’une hésitation, un professionnel de haut vol qui ne fait pas que connaître son affaire sur le bout des doigts, mais qui se voue corps et âme à sa tâche. Avec ma dernière question j’ai tout de même réussi à le faire réfléchir quelques secondes. Que la réponse fût de la précision d’un laser, en revanche, ne m’a guère étonnée.

Que feriez-vous, si l’argent n’était pas un problème ?

« Ce serait un rêve! J’inviterais des orchestres et des ensembles plus grands, des chœurs importants et je créerais une maison pour artistes, pour les compositeurs qui seraient invités ici pour travailler sur place. Une ville a besoin d’être habitée par des créateurs, des artistes qui lui donnent une vibration artistique. Qui la marquent de leur lumière, de leur ombre ou mi-ombre. Mais non seulement des compositeurs, mais aussi des sculpteurs ou écrivains seraient les bienvenus.

La ville est déjà en train de réfléchir dans ce sens. Les artistes sont aussi les témoins de la société dont ils font partie. Il ne faut pas se contenter d’un passé artistique. Le monde dans lequel nous vivons aujourd’hui est bruyant et parfois chaotique. Toutes les cultures s’entremêlent et les artistes en témoignent. Il ne faut pas avoir peur de son époque. Si l’on exclut l’art contemporain, on vit dans le passé. Nos racines et tout ce qui est nouveau ne font indubitablement qu’un. Les racines doivent être opposées à ce qui est porteur d’avenir, à la musique contemporaine. D’ailleurs, la question de ce qui est juste ou faux ne se pose pas. Une société qui n’admet pas ce qui est nouveau, se meurt.“

D’après vous – quels concerts seront des « Highlights » ?

« Tous, au fond ! Mais si je devais faire une sélection, je désignerais le concert de l’Orchestre Philharmonique de Radio France. Il jouera des œuvres d’Oscar Bianchi, Johannes Maria Staud et Peter Eötvös. Puis, naturellement, les « Portes ouvertes » de la « Cité de la musique et de la danse ». Déjà l’année, les portes ouvertes ont remporté un immense succès. Plus de 2000 personnes sont venues au cours de cet après-midi là pour écouter les petits concerts d’une trentaine de minutes.

Ensuite, les concerts du jeune français Mantovani ou encore le Vienna Vegetable Orchestra qui «préparera» le public comme il se doit.

Ou encore les grandes œuvres de Xenakis en 4 concerts où on jouera les principales œuvres de ce compositeur.

Le morceau «Le père», une composition de Michael Jarrel d’après une œuvre de Heiner Müller ainsi que le grand «spécial» Bernd Alois Zimmermann qui sera suivi d’une conférence. Une nouveauté absolue est la petite tournée de l’OPS, dont les concerts sont tous gratuits et qui a comme mission de donner au public vivant en dehors de Strasbourg l’envie de venir aux concerts du festival. Et pour finir, la manifestation « Percussions dans la ville », samedi 25 septembre, où on verra marchant à travers la ville des percussionnistes précéder les joueurs de trombone. Ce sera donc un face à face entre « vieux » instruments et « jeunes » percussions, encore une fois une rencontre entre la tradition et la modernité. »

Comment pourriez-vous convaincre le public de venir à vos concerts ?

« N’ayez pas peur de ‘Musica’ et venez au concert ! Ce serait dommage de ne pas le faire. La musique contemporaine existe et évolue depuis un siècle ! La première fois, on a peut-être l’impression que c’est scandaleux mais plus on écoute, plus on accède à cet art. La musique contemporaine a une dimension supplémentaire : une dimension visuelle ! On peut difficilement l’écouter chez soi, entre quatre murs. La musique contemporaine s’écoute avec les yeux et se regarde avec les oreilles. Un CD ne peut en aucun cas restituer l’impression visuelle.“

Merci infiniment pour cet entretien et beaucoup de succès pour cette nouvelle édition de «Musica».

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