Mord rufen und des Krieges Hund‘ entfesseln

„War Game“ – ein „Spiel“ rund um den Krieg und seine medialen Mechanismen im Dschungel Wien.

„War Game“ ist eine von drei Shakespeare–Adaptionen für Kinder und Jugendliche die Ende März im Dschungel Wien uraufgeführt wurden. In dieser Produktion haben Studierende des Tanzpädagogikzweigs (Dorothea Altenburger, Monika Demmer, Clarissa Friedrichkeit, Lena Pirklhuber, Martin Wax) der Konservatorium Wien Privatuniversität unter der Leitung von Nikolaus Selimov gemeinsam die Choreografie erarbeitet.  „Mord rufen und des Krieges Hund‘ entfesseln.“ – dieses Zitat aus „Julius Cäsar“ schlägt gemeinsam mit anderen Zitaten von William Shakespeare eine Brücke zu Konflikten in der Vergangenheit.

Mit Computer-Spielen hat „War Game“ allerdings wenig zu tun. Vielmehr wird man wird mit Bildern geflutet. Die Konflikte, die die Medien bestimmen, werden auf eine Wand projiziert. Gemeinsam mit akustischen Einspielungen vermischt sich dabei alles zu einem überschwappenden Medienbrei.

Tische stellen eine undurchdringbare Festung dar. Dann wieder werden sie zu einer wackeligen Bühne, die immer kleiner und unsicherer wird. Eine Handkamera wird auf das Bühnengeschehen gerichtet, Naheinstellungen zeigen Gewaltszenen. Aus Bewegungen, die wirken, als wären die Tänzerinnen und der Tänzer selbst getroffen worden, entwickeln sich kurze Momente der Suche nach Nähe – in einer Welt, die unter Beschuss steht.

Als Publikum wird man allerdings nur selten gezwungen, die eigene Komfortzone zu verlassen. Nur manchmal nähert sich das Bühnengeschehen physisch und emotional. Dann, wenn die Tänzerinnen fallen, und noch am Boden weiter salutieren. Wenn sie, einen Marschrhythmus stampfend, auf das Publikum zukommen. Oder wenn der Arm des Verwundeten in den Medienberichten zum Arm einer Tänzerin wird. Insgesamt, obwohl das Potential vorhanden wäre, bleibt das Geschehen jedoch seltsam ungefährlich. Auch die Faszination, die Krieg und besonders Kriegsspiele auslösen können, bleibt auf der Strecke.

Dabei macht die Inszenierung einen weiten Zusammenhang der medialen Inszenierung von Krieg auf und reflektiert die Produktion von Grauens- oder Heldenbildern. Zugleich wird darauf angespielt, dass wir es in unserem Land so friedlich haben, dass wir Krieg virtuell simulieren müssen. Eingespielt werden auch Zitate von Schülerinnen, die im selben Alter wie das Zielpublikum sind. Aus ihnen lässt sich die große Entfernung, die wir zwischen uns und dem Kriegsgeschehen wahrnehmen, ablesen. Diese Entfernung bleibt unangetastet. Hängen bleibt die Quintessenz: „Ich will nicht, dass es anderen Menschen schlecht geht“. Ob das reicht?

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