Musik, Tanz und jede Menge Humor

Tanztheater für Jugendliche kann so spannend sein, dass man vergisst, dass eigentlich junges Publikum angesprochen werden soll, wenn man in einer solchen Aufführung sitzt. Wenn das gelingt, dann darf man den Hut ziehen – wie vor der Compagnie Arcosm. Sie zeigte im Rahmen des Festivals „Szene bunte Wähne“ im brut, wie man eine spannende Performance mit Live-Musik und zeitgenössischem Tanz vom Feinsten auf die Bühne bringt.


Dabei gab es eine massive Schwierigkeit zu überwinden: Einen großen, übermannshohen Holzquader, der mitten auf der Bühne schon kurz nach Beginn für Irritationen sorgte. „Bounce! Spring!“ waren bald jene Aufforderungen, mit denen die beiden Männer und Frauen aus Frankreich das Monstrum vergeblich zu überwinden versuchten.

Die Eingangssituation – eine Tanzprobe zu Livemusik – änderte sich bald drastisch. Aus den beiden Tanzenden und den beiden Musizierenden wurden rasch Rivalisierende, die alle ihre Kraft und Energie dazu verwendeten, um das hölzerne Monstrum zu erklimmen. In der Regie von Thomas Guerry und Camille Rocailleux durfte das Ensemble zeigen, dass man heute mehr braucht als nur eine gute Tanzausbildung, um das Publikum zu fesseln. Die Live-Musik, die mit einer Violine und einem Bass viel Lebendigkeit beisteuerte, war ein Zusatzplus. Die geschickte Lichtregie und das Einbauen einer Digitaluhr, die drei Mal während der Vorstellung eine Minute wie in einem Countdown rückwärtslaufen ließ, brachten Bewegung auch ins jugendliche Publikum, das jeweils laut mitzählend darauf wartete, was denn danach passieren würde.

 ARCOSM-Mitiki - Bounce @ Atelier de Paris Carolyn Carlson

ARCOSM-Mitiki – Bounce @ Atelier de Paris Carolyn Carlson

Ganz besonders fein, spannend und elegant ist die Choreografie, die ausdrucksstark das Geschehen unterstrich. Gruppenaktionen bei denen gerempelt wurde was das Zeug hielt wechselten mit akrobatischen Einlagen von nicht enden wollenden Purzelbaumkaskaden, Rädern und Rollen auf dem Boden ab. Innige Pas de deux, bei denen die Geigerin auch in den schwierigsten Hebefiguren nicht von ihrem Instrument abließ und humorige Einlagen, die Lachstürme bei den Kids im Publikum auslösten, gestalteten diese Performance so abwechslungsreich wie selten eine. Der schwierige Weg nach oben auf den Kubus gelingt dann doch einer der Frauen, um jedoch rasch in der Erkenntnis zu münden, dass die Luft oben besonders dünn ist und Einsamkeit sich rasch um jene verbreitet, welch die anderen unter sich lassen. Dass es zum Schluss dennoch ein Happy End gibt, ist fast selbstverständlich.

Eine herausragende Inszenierung, die leider nur zwei Mal im Rahmen des Festivals gezeigt werden konnte, die es aber verdient hätte, vor einem wesentlich zahlreicheren Publikum aufgeführt zu werden.

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