Neue, alte Herausforderungen

Die letzten Monate brachten große Umbrüche, weltweit, aber auch im Kleinen – wie in meinem eigenen Leben. Die Börse crashte und crasht ins Unferlose, der Kunstmarkt jedoch zeigt einen gegenläufigen Trend. Wie zum Hohn führte Damien Hirst genau an jenem Montag, an dem die Börse das erste Mal zum Tiefflug ansetzte, vor, dass seine Kunst neue Verkaufsrekorde brechen konnte. Bei Sotheby´s in London wurden an diesem Montag und am darauffolgenden Tag Werke von ihm in Höhe von 140 Millionen Euro versteigert. Offenbar gilt, was immer galt – nämlich eine relative Parallelität zwischen dem Kunst- und dem Aktienmarkt – zumindest im Moment gerade nicht mehr. Ein gutes Zeichen für all jene, die einen Teil ihres Vermögens in Bilder, Skulpturen, Fotografien, Installationen oder Antiquitäten gesteckt haben. Gewiß, eine Sicherheit kann zum heutigen Zeitpunkt niemand geben, dass ein etwaiger Verkauf dieser Werke kurz- und mittelfristig auch den erwünschten Erlös bringt. Aber etwas haben Antiquitäten und Kunst dem Börsenmarkt voraus. Man kann sie ständig sehen, befühlen, bewundern, sich an ihnen freuen, ganz unabhängig, wie hoch ihr aktueller Marktwert jeweils ist. Und dass gute Qualität keinem Preisverfall anheimfällt, hat sich schon überall herumgesprochen. Deswegen gelingt es auch guten Händlern oder einzelnen Künstlern, wie z.B. Hirst, der auf der Klaviatur der Kunstmarktes zu spielen weiß wie kaum ein anderer, hohe Preise für ihre Werke zu erzielen.

Besonders froh bin ich in Zeiten wie diesen über meinen Beruf, der zugleich meine Berufung ist. Kunst zu begutachten und zu kommentieren – ob öffenlich in Form von Artikeln, oder ganz privat in Form von Begutachtungs- und Inventarisierungsaufträgen – scheint zeitlos zu sein. Kunst ist einfach da und bedarf der Vermittlung und Pflege. Egal, was die Weltwirtschaft treibt, ob Existenzen vernichtet werden oder auf der anderen Seite enormes Kapital angehäuft wird. Kunst ist präsent, wechselt allenfalls seinen Besitzer oder seine Besitzerin.

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