Klavierspielen bedeutet viel mehr, als nur die Tasten zu drücken

Von Michaela Preiner

Peter Bence
01.
November 2019
Peter Bence füllt derzeit rund um den Globus die Konzerthallen. Wie kaum ein zweiter Pianist hat er innerhalb kurzer Zeit einen kometenhaften Aufstieg erlebt. Nach der Veröffentlichung einer Interpretation von Michael Jacksons „Bad“ ging sein Video auf den Social Meda-Kanälen ab wie die Post und erreichte innerhalb kurzer Zeit Millionen Likes. Gerechnet hat der sympathische junge Pianist aus Ungarn nicht wirklich damit. Obwohl seine Karriere zumindest zum Teil geschickt geplant war. Als „schnellster Klavierspieler der Welt“ brach er 2012 den vorigen Rekord und spielte 765 Anschläge in einer Minute. Was nicht künstlerisch, sondern rein technisch angelegt war, wurde jedoch von Millionen Menschen wahrgenommen und damit war die erste Stufe auf dem Weg zur internationalen Bekanntheit erklommen.
In den letzten Jahren hat er eine ganze Anzahl von Videos online gestellt, in denen er mit den selbst arrangierten Songs zu sehen ist. Er benützt dabei immer neue Locations, mit unterschiedlichen Klavieren. Die Leidenschaft, mit der er spielt, ist zu seinem Markenzeichen geworden. Und die Verwendung einer Loop-Maschine, die er während seines Spiels zusätzlich bedient. Selten sieht man Pianisten, mit so einem intensiven Körpereinsatz und selten springt der Funke der Freude, die er beim Spielen hat, so schnell aufs Publikum über wie bei Peter Bence.

Heute trainiert er nicht mehr die Geschwindigkeit seiner Finger, um sich mit anderen für das Guinness Buch der Rekorde zu messen. Vielmehr verwöhnt er sein Publikum nicht nur mit den bekannten Hits, sondern auch mit eigenen Kompositionen. Demnächst soll eine CD mit diesen Songs erscheinen, was Bence als weiteren, wichtigen Schritt seiner Karriere ansieht.

Das folgende Gespräch führten wir im Oktober 2019, wenige Tage vor seinem Auftritt in Graz.

Peter, Sie kommen gerade aus den USA zurück, leben Sie dort noch?

Nein, ich lebte dort 3 Jahre lang, während meiner Studienzeit. Meine aktuelle Tour nach Amerika dauerte 1 Woche und ich gab dort 4 Konzerte in Boston, New York, Philadelphia und Washington. Nächstes Jahr werden es noch mehr werden.

Ihre Karriere ist sehr interessant, weil sie ja ursprünglich klassischen Klavierunterricht hatten.

Ja, das stimmt. Ich begann sehr früh, schon mit 5 Klavier, zu lernen und hörte damit auf, als ich mit der Highschool fertig war, mit 18/19. Das bedeutet, dass ich während meines Lebens bisher hauptsächlich Klassik gelernt und gespielt habe.

Gibt es Musiker in Ihrer Familie?

Ja, meine Eltern studierten Musik und spielen es als Hobby. Mein Ururgroßvater war ein Geiger und der Gründer der hiesigen Musikschule. Ein Onkel ist ein Percussion-Lehrer. Der Cousin meines Vaters ist Klavierlehrer. Musik war bei mir zuhause immer überall.

Ich höre oft, dass die Musik, die man als Kind gehört hat, einen großen Einfluss auf die spätere Karriere hatte.

Ja, das kann ich sehr unterstreichen. Auch was den Geschmack und die Bildung des Gehirns anlangt, um für Musik offen zu sein, ist es sehr wichtig, was und welche Art von Musik man in seinen frühen Jahren hört. Da sind es die Eltern, die einen mit ihrem Musikgeschmack bilden. Das hat einen großen Einfluss auf die eigene Entwicklung.

Wie kam die Wende hin zur Popmusik?

Als ich noch Teenager war, begann ich Filmmusik, vor allem jene von John Williams, zu hören. Ich war ein großer Fan von Star Wars und hörte viel Musik von dem Komponisten. Filmmusik eröffnete mit eine andere Sicht auf viele Dinge. Zu der Zeit begann ich auch Michael Jackson zu hören. Er hat so viele Menschen inspiriert und hatte so einen großen Einfluss, dass ich mir dachte: Vielleicht kann ich die großartige Grundlage der klassischen Musik nützen. Aber ich wollte ein wenig experimentieren und auch versuchen, meine eigene Stimme zu finden – als Komponist, als Performer. Ich wusste, dass es so viele klassische Pianisten gibt, die außerordentlich talentiert sind und der Wettbewerb enorm ist. Da gibt es nur ganz wenig Platz, um da herausragend zu sein, denn meistens spielt man dieselben Stücke immer und immer wieder, vielleicht noch mit einer anderen Interpretation. Ich wollte aber komplett anders sein.

Ihre Karriere scheint sehr gut geplant zu sein.

Auf der einen Seite ist sie natürlich geplant. Ich wusste schon früh, was ich tun wollte und ich hielt daran fest, es zu tun.

Was heißt in diesem Zusammenhang früh?

ich Filmkomponist werden, weil ich so inspiriert war. Deswegen begann ich auch Filmmusik zu studieren in Berkley, Boston und hatte eine Karriere in dieser Richtung im Sinn. Aber es geschah etwas, als ich 22, 23 Jahre alt war. Ich musste ich zurück nach Ungarn. Ich hatte zwar ein Stipendium, aber es war extrem teuer, in Boston zu leben. Aus dem Grund brauchte ich eine kleine Pause. Das war die Zeit, als ich begann, an einigen Videos hier zu arbeiten. Außerdem lernte ich meinen Manager kennen. Ich befand mich damals in einer Art Krise. Ich wusste nicht genau, was ich tun sollte. Es schien mir unmöglich, eine Karriere nur mit Musik zu machen, davon leben zu können. Ich hatte Berkley noch nicht beendet, deswegen arbeitete ich an diesen Videos. Nach ungefähr 2 Jahren – es war 2015, als das Arrangement von Michael Jacksons „Bad“ viral ging, ging es mit der Bekanntheit in der Öffentlichkeit richtig los.

Wie viele Follower hatten Sie damals schon?

Nicht viele, ein paar Tausend auf FB, das war es und vielleicht 1000 Subscriber auf Youtube. Der Zuwachs geschah ganz schnell, über Nacht und er vergrößerte sich exponentiell. Ich hatte 100.000 Ende November damals und jetzt haben wir 7,6 Millionen.

Hatten Sie da nicht einen „wow!“-Effekt?

Ja klar! Ich habe das nie erwartet. Natürlich habe ich die Videos gemacht, um mehr Publikum zu erreichen, aber es war wirklich ein „Wow-Faktor“. Aber man gewöhnt sich an Dinge und mein Mindset ist so, dass ich immer an das nächste Projekt denke. Woran werden wir in den nächsten Wochen und Monaten arbeiten? Und deswegen ist mein Fokus immer auf das Kommende gerichtet.

Wie viele Leute arbeiten denn an Ihren Videos mit?

Sie werden es nicht glauben! Es steht keine große Crew dahinter. Die meisten Videos haben nur wir beide produziert, Sebastian (der Manager von Peter Bence) und ich. Natürlich brauchen wir Stunden, um das Licht richtig zu positionieren und herauszufinden, wie das Video dann aussehen wird usw. Aber wir wollten die meisten Videos bewusst sehr einfach halten. Allerdings wir haben noch einige Projekte vor und experimentieren viel. Vielleicht haben Sie auch das Beatles-Cover auf dem Boot gesehen, das war aufwendiger.

Sie benutzen verschiedene Klaviere bei den Aufnahmen. Warum eigentlich?

Wir suchen immer neue Locations fürs Aufnehmen. Ich möchte nicht immer dasselbe machen, das wird schnell langweilig. Für „Thunderstruck“ haben wir diese nette, blaue Wand gefunden. Da hatte ich sofort das Gefühl, das braucht ein schönes, weißes Klavier. Dann hatten wir die Herausforderung, eines zu finden. Meistens mieten wir die Klaviere für den Dreh.

Das heißt, Sie suchen die Klaviere aus ästhetischen Gründen aus.

Ja, obwohl wir die Videos einfach halten und sie oft aus einem einzigen Take bestehen, möchten wir sie doch ansprechend gestalten.

Welche Songs suchen Sie sich für Ihre Coverversionen aus?

Das Wichtigste für mich ist, dass ich den jeweiligen Song wirklich liebe, ja richtiggehend verliebt in ihn bin. Das muss sein. Dann muss es ein Song sein, der zu transformieren ist. Das Arrangement kann eine Herausforderung sein, aber zumindest sollte der Song in die Sprache des Klaviers übersetzbar sein. Es gibt so viele Songs – zum Beispiel von Bruno Mars – von denen man sagt, ich liebe diesen Song sehr, aber es wäre unmöglich, so einen für Klavier zu adaptieren. Die Struktur der Melodie und des Rhythmus und das Arrangement selbst macht es unmöglich, so etwas auf Klavier zu spielen. Es ist normalerweise ein Prozess, bei dem ich frage: Hört sich das am Klavier gut an? Das ist mein Hauptziel. Es muss am Klavier einfach genial klingen.

Sie haben einen sehr speziellen Sound, denn es hört sich so an, als wären Sie ein ganzes Orchester.

Ich wollte mich nicht limitieren und es ist eine interessante Herausforderung als Arrangeur und Komponist für mich. Deswegen kam ich auf die Idee des „The awesome piano“ – das Album, das herauskommen wird. Was man dort hört, sind 100% Pioano-Sounds. Natürlich ist Technik dabei, weil man Sounds mixen muss, damit es richtig gut klingt. Dann benütze ich auch eine Loop-Station, um den Sound aufzubauen. Aber die Idee ist: Klavierspielen bedeutet viel mehr als nur die Tasten zu drücken und ich wollte zeigen, dass das Klavier ein total cooles Instrument ist. Das ist so etwas wie eine Mission für mich. Es sollte populärer sein und nicht langweilig. Es macht mich sehr glücklich, wenn mir Leute eine Message schreiben, dass Kinder Klavier lernen, weil sie das so cool finden.

Mit dem Klavier Percussion-Sounds zu machen oder Loops zu integrieren, haben Sie aber nicht im Studium gelernt.

Nein, überhaupt nicht, in keiner einzigen Stunde! Als ich klein war, wollte ich Schlagzeug lernen, aber ich hatte nicht die Zeit dazu. Jetzt setze ich das Percussion-Element aber auch ein.

Haben Sie schon Filmmusik geschrieben?

Nein, nur während des Studiums etwas sehr Kleines, aber ich bin ehrlich gesagt noch nicht zu mehr gekommen. Wenn sich vielleicht einmal die Gelegenheit in Zukunft ergibt, um Musik für einen Film zu machen, klar, würde ich das gerne machen. Meine Philosophie ist aber: Ich tue das, was ich liebe jeden Tag und schaue, wo es mich hinführt. Ich habe keine großen Pläne mehr, wie ich sie vielleicht noch vor 2 Jahren hatte. Ich mache einfach die Dinge, von denen ich denke, dass sie richtig sind.

Gibt es Herausforderungen oder Ziele bei bestimmten Songs, die Sie covern möchten, aber auch bestimmten Gründen noch nicht gemacht haben?

Viele Menschen möchten die „Bohemian Rhapsody“, aber ich kann das nicht. Sollte ich das tatsächlich machen, könnte ich nichts Neues hinzufügen. Sie ist ja schon perfekt. Ich würde sie mit dem Klavier nur ruinieren.

Was üben Sie denn jetzt gerade?

Meistens übe ich neue Songs und arbeite am Finish für mein eigenes Album. Es wird viele Songs von mir beinhalten und das ist für mich sehr aufregend. Ich habe noch nichts von meiner eigenen Musik veröffentlicht – na vielleicht 1 oder 2. Ich hoffe, dass ich den Wechsel schaffe und meine Follower und jene, die gerne haben, was ich mache, meine eigenen Songs auch lieben werden. Ich werde einige von diesen Songs in den Konzerten spielen. Leute, die dort hinkommen, hören diese Songs vor allen anderen.

Wie viele Songs haben die schon?

Zu viele, vielleicht 100! Aber ich werde nur 10 nehmen, die ich Wert, aufgenommen zu werden.

Fallen Ihnen die Kompositionen leicht ein?

Ja, schon. Aber normalerweise muss ich an diesen Ideen noch viel arbeiten. Einige klingen fast klassisch, einige in einer Mischung aus Klassik mit ein wenig Jazz, andere mit Loopings und Percussion.

Spielen Sie auch Jazz?

Ich studierte ein wenig Jazz. Aber das ist nicht meine Sprache. Ich halte mich da eher fern.

Spielen Sie selbst eigentlich noch Klassik?

Ja, für mich selbst schon. Ich spiele hauptsächlich Bach, um mein Gehirn frisch und fit zu halten. Ich höre auch viel Klassik und lasse mich gerne davon inspirieren.

Die Tourdaten von Peter Bence finden Sie hier:
http://peterbence.com/#concerts

Sie machen uns eine Freude, wenn Sie den Artikel mit Ihren Bekannten, Freundinnen und Freunden teilen.

Previous

Next

Pin It on Pinterest