Das Basler Kunstmuseum zeigt bis zum 24.5. in einer Sonderschau rund 100 graphische Blätter von Pablo Picasso. Die Ausstellung ist keinem speziellen Thema innerhalb des breiten druckgraphischen Oeuvres gewidmet, sondern demonstriert vielmehr die Entwicklung Picassos von seinen ersten, druckgraphischen Blättern bis hin in die 70er Jahre.
Dabei wird deutlich, dass sich Picasso nicht nur stilistisch ständig weiter entwickelte, sondern dass er auch seine handwerklichen Ausdrucksmethoden in diesem Genre ununterbrochen erweiterte. Besonders gut zu sehen ist dies an Blättern aus dem Zyklus „347 gravures“, in welchen der damals 87jährige Picasso gerne und extensiv verschiedene graphische Verfahren an ein und demselben Blatt anwandte. Sie zählen zu Meisterwerken der Druckgraphik überhaupt und bilden auch eine gewisse Art von Vermächtnis des Künstlers in welchen er seine beliebtesten Motive noch einmal aufnimmt und neu verarbeitet. Interessant erscheint, dass Picasso er auch geschafft hat, in seinen Linolschnitten und Aquatintaradierungen als Maler stärker zu spüren ist, denn als Graphiker. Dies liegt jedoch nicht nur in der Natur der unterschiedlichen Verfahren. Picasso stellte in diesen Fällen die Mehrfarbigkeit in einzelnen Blättern ganz bewusst in den Vordergrund und verwandelte dabei auch die graphische Linie in ein malerisches Ausdrucksmittel.Picasso, L'Homme à la fraise, 1963_online

Picasso, Le Repas frugal, 1904_online

Stellt man z.B. das Blatt „L´homme à la fraise“ (eine freie Interpretation eines Bildes von El Greco) von 1962 seiner ersten Druckgraphik „Le repas frugal“ von 1904 gegenüber, wird deutlich, wie sehr der Künstler in diesem Fall die malerische Komponente zugunsten der graphischen herausarbeitete. Doch über diese Vergleiche hinaus, sind an der Schau aber auch Picassos einzelne Werkphasen nachvollziehbar, ist sie doch chronologisch angeordnet und bietet so eine gute Möglichkeit, seine Themen, die er in den einzelnen Phasen jeweils verstärkt bearbeitete, überblickmäßig zu erfassen. So beginnt auch das druckgraphische Werk mit den Bildern von armen Menschen und Gauklern, wie auch seine bekannten Ölbilder aus dieser Zeit, und führt weiter in die kubistische Phase, die Picasso mit George Braque erarbeitete. In vielen Blättern kommt, phasenübergreifend, eines von Picassos Hauptthemen vor – Maler und Modell, und es ist interessant, wie viele verschiedene Möglichkeiten er fand, sich damit immer wieder auseinanderzusetzen.
Alles in allem kann die kleine, aber feine Ausstellung als kammermusikalische Interpretation des wahrlich symphonischen Werkes von Picasso überschrieben werden, in welcher nicht die lauten Töne, vielmehr aber leise Raffinessen vorherrschen. Ein Tipp sowohl für Graphikliebhaber als auch für all jene, die in das Werk Picassos erst einmal einsteigen möchten.
Die Ausstellung durch von einem kleinen, aber sehr aussagekräftigen und interessanten Folder ergänzt
Noch ein Hinweis: Wer sich im Basler Kunstmuseum auch die Räume mit den Arbeiten von Alberto Giacometti ansehen möchte, sollte dies rasch tun. Diese sonst permanente Schau wird vorübergehend mit Ende Februar geschlossen.
Informationen: www.kunstmuseumbasel.ch

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