Amöb ist ihr Name. Nicht Amöbe, worunter sich viele von uns ein einzelliges Tierchen vorstellen, sondern Amöb. Das ist die Abkürzung für „Arbeitsgemeinschaft Musikvermittlung der Österreichischen Berufsorchester“.

Eben diese richtete am 15. Juni ihren ersten „Orchester für alle“- Tag aus. Quer durch die Bundesländer präsentierten sich dabei zehn Orchester und gaben einen kleinen Einblick in ihre Vermittlungsprogramme. In Wien lockte eine Auskoppelung des RSO unter der Leitung von Gottfried Rabl in das Radiokulturhaus. Dort wurde das Orchester von zwei Ensembles begleitet, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern stammen und sich nur für diese Veranstaltung zusammenfanden.

„raum macht musik – bewegliche zugehörigkeiten“ lautete der Abend, für den Annemarie Mitterbäck das Konzept erarbeitete und die künstlerische Leitung innehatte. Mitterbäck, die über mehrere Jahre Projektleitern bei Zukunft@BPhil, dem Education-Programm der Berliner Philharmoniker, war, erhielt Unterstützung vom „Verein Wiener Jugendzentren“ und vom „Jugendtreff J.at“, aber auch direkt vom RSO. So arbeitete unter anderen Rainer Huss, Tuba, im Vorfeld mit einer Schulklasse zusammen, bis als Ergebnis ein Rap entstanden war, den die Jugendlichen vor einer Kamera selbst vortrugen.

Filmeinspielungen am Präsentationsabend zeigten Ausschnitte von der Arbeitsweise der unterschiedlichen Workshops, darunter mit den beiden Ensembles rmm*1 und rmm*2 aber auch einer Schulklasse.

Zwei Kompositionen von Gerald Resch legten so etwas wie einen Grundstein, der inspirierend wirkte, aber auf dem die Ensembles auch aufbauend arbeiten konnten. In „Bossa Nova Arabica“, nach einem Aufenthalt in Syrien und Jordanien von ihm als Hommage an diese Kulturen geschrieben, beeindruckte nach einer Percussion-Intro der Einsatz eines großen Streicherapparates. Den swingenden Tonfall, geprägt von den akzentuierenden Bossa-Nova Rhythmen, unterbrachen kleine, unüberhörbar arabisch inspirierte Einsprengsel, die immer wieder wie kleine Loops im weiteren musikalischen Verlauf auftauchten. Eine gute Wahl, für rmm*2, das sich gegen Ende des Stückes mit Violine und Bouzouk gekonnt einmischte.

Projektensemble rmm*2 mit Duos-Miniaturen (c) Igor Ripak

Das mittlerweile verbreitete „Konzept des Verlernens“, bei dem es im musikalischen Bereich auch um die Dekonstruktion der verschiedenen, instrumentalen Elemente geht, kam beim Ensemble rmm*1 zum Tragen. Im Stück „Duos-Miniaturen“ arbeiteten jeweils zwei unterschiedliche Instrumentalisten oder Instrumentalistinnen zusammen. Dabei entstanden kleinste Stücke, Miniaturen, die sich wunderbar aufeinander bezogen oder aber auch einen schönen Kontrast bildeten. Stimme und Klarinette, Geige und Gitarre oder Flöte und Oboe ergaben derartige Kombinationen, in welchen Elegien genauso hörbar wurden wie experimentale Klänge.

In weiteren Kompositionen wie zum Beispiel „Land der Berge“ – Makam vereinigten sich unterschiedliche Tonsysteme und Musiktraditionen. Jene aus dem mittleren Osten und jene aus der europäischen Musiktradition, um sich zu befruchten und zu ergänzen.

Auch die voluminöse Missstimmung von Gerhard Reschs „Ein Stück Land“, einer wunderbar ironischen Überschreibung der Österreichischen Bundeshymne, diente den Ensembles als Inspirationsquelle für weitere Arbeiten.

„One way ticket to Damaskus“ von Maias Alyamani, beendete das Konzert. Der Komponist und Violinist agierte dabei selbst am Podium, ließ in seinem Stück aber auch Kolleginnen und Kollegen solistischen Platz.  Gitarre, Bläser und Bouzouki kamen dabei zum Einsatz und entwickelten gemeinsam mit dem großen Orchesterapparat des RSO eine langsame, dunkel eingefärbte Nummer von beinahe epischer Breite.

Nora Jacobs, die Moderatorin des Abends, erfuhr von einer der Musikerinnen auf der Bühne bei einem kurzen Gespräch, dass der Austausch zwischen den Musizierenden bei den Workshops im Vordergrund stand. Der musikalische Austausch funktioniert, wie man weiß, egal in welchen Formationen, meist reibungslos. Dass er aber auch interkulturell derart gut klappt, wurde durch diese Veranstaltung mehr als deutlich.

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