Es gibt viele Kreative, die scheinen ein nicht enden wollendes Potential von Ideen in sich zu tragen. Und dann gibt es einige wenige, die diese Ideen auch umsetzen. Zu letzter Gruppe gehört Anna Maria Krassnigg, die sich mit ihrem Salon5 ein neues Format ausgedacht und auf Schiene gebracht hat.

„Reden“ ist der Titel einer fünfteiligen Serie, die jeden dritten Dienstag im Monat im Festsaal des Alten Rathauses in der Wipplinger Straße stattfindet. Wer mit dieser Datumsangabe ins Schwimmen kommt, dem seien die Termine auf der Homepage des Salon5 ans Herz gelegt. Das genaue Programm wird dort jeweils ca. 2 Wochen vor der Veranstaltung veröffentlicht. „Um auch die Möglichkeit zu haben, auf Aktuelles zu reagieren“, wie Anna Maria Krassnig auf Nachfrage erläuterte.

Die Location hätte nicht besser ausgesucht werden können. Denn bei „Reden“ geht es tatsächlich um nichts Anderes, als darum, historische, aber auch brandaktuelle Reden vorgetragen zu bekommen. Von Schauspielerinnen und Schauspielern, die diese Kunst auch beherrschen. Und wo könnte man dies besser tun als coram publico von einem tatsächlichen Rednerpult aus. Die „erlesene Rhetorik“, wie Krassnigg die ausgewählten Texte doppeldeutig benennt, folgen pro Abend einer bestimmten Thematik. „Reden gegen Brandstifter“ war der erste Generaltitel.

Zum Auftakt gab es Ciceros berühmte erste Rede gegen Catilina, Joschka Fischers aufsehenerregende Rede zum Nato-Einsatz im Kosovo, sowie Navid Kermanis berührende, aktuelle Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen.

„Reden“ Martin_Schwanda (c) Christian Mair

Martin Schwanda, mit weißem Sakko und goldglänzend bemustertem Hemd eröffnete mit Ciceros Aufruf an seinen Feind, Catilina, die Stadt zu verlassen. Wer immer auch beim Lateinunterricht Cicero übersetzen musste, außer er oder sie war eine Koryphäe in dieser Sprache, wird vielleicht zum ersten Mal die ausgeklügelten rhetorischen Finten verstanden haben, die Cicero hier anwandte.

Version 2

„Reden“ Jens Ole Schmieder (c) Christian Mair

Die Beschwörung des Gemeinwohls, wie er es tat, war auch in Joschka Fischers Rede ein Thema, die während ihres spannenden Vortrags durch Jens Ole Schmieder von Pfiffen und Zwischenrufen aus den Rängen begleitet wurden. Ganz wie an jenem Bundesparteitag der Grünen, an welchem Fischer dringend seine Parteifreundinnen und –freunde zur Einigkeit aufrief.

„Reden“ Horst_Schily (c) Christian Mair

Den berührenden Schluss gestaltete Horst Schily, der die Rede von Navid Kermanis wiedergab, die dieser anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels vortrug. Die Bedrohung der Christen und der Muslime durch die IS in Syrien stand im Mittelpunkt seiner Ausführungen und es ist Krassnigg zu danken, dass sie mit dieser Auswahl eine Rede an ihr Publikum weiterleitete, die von Hellsichtigkeit, Menschlichkeit und Hoffnung getragen und der tatsächlich eine größt mögliche Verbreitung zu wünschen ist.

Der international renommierte Literatur- und Kulturwissenschaftler Wolfgang Müller-Funk hat am Eröffnungsabend mit Anna Maria Krassnigg gemeinsam moderiert, seine Sicht auf die vorgetragene Rhetorik erläutert und auch aus seinem breiten Wissensspektrum zusätzlich Informationen ans Publikum weitergegeben.

„Reden“ erwies sich beim Auftakt als ein Format, das nicht nur mit einem theatralischen Element ausgestattet ist. Vielmehr ist es dazu prädestiniert, anhand von ausgewählter Rhetorik, sich mit Ideen zu beschäftigen, welche die soziale und politische Wirklichkeit vieler Menschen beeinflusst haben und vielleicht auch in Zukunft beeinflussen werden.

Wer mag, wandert im Anschluss der Vorstellungen jeweils mit ins Café Korb, dem „verlängerte Wohnzimmer“ des Salon5.  Um dort mit den Beteiligten im persönlichen Austausch  zu – wie sollte es auch anders sein –  reden.

Hier die Homepage des Salon5 mit den Terminen.

Pin It on Pinterest