Straßburgs Museum erhält großzügige Schenkung

Ann L. Oppenheimer  (1912-2008), vermachte der Stadt Straßburg insgesamt 11 wertvolle Gemälde, die ab 3. Oktober dem Publikum im Museum für bildende Kunst, im Palais Rohan, präsentiert werden. Die Tochter des aus Frankfurt stammenden Lederfabrikanten Julius Oppenheimer (1874-1939), der im Elsass mit seinem Cousin die Fabrik Adler & Oppenheimer AG gegründet hatte, tat das, weil sie die Stadt Straßburg in „liebevoller Erinnerung“ hatte. Und dies, obwohl die Familie 1920, nachdem das Elsass zu Frankreich gehörte, nach Deutschland ausgewiesen worden war. Dass vor allem Abgeordnete des Departements Bas-Rhin sich vehement, aber leider erfolglos gegen die Vertreibung eingesetzt hatten, dürfte Frau Oppenheimer nicht vergessen haben. Die Familie siedelte sich in Berlin an und musste dort erneut 1939 – dieses Mal vor den Nazis – flüchten. Während ihrer elsässischen Tätigkeit beschäftigte die Fabrik mehr als 2000 Personen und war maßgeblich am wirtschaftlichen Aufschwung Straßburgs beteiligt. Die Schenkung enthält zu einem großen Teil Werke nordeuropäischer Meister, darunter zwei Gemälde von Jacob Grimmer (Antwerpen um 1525-1590), je eines von Sano die Pietro (Siena 1406-1481) und Jacopo Robusti gen. Tintoretto (Venedig 1518-1594) sowie bislang zugeschriebene Werke, deren Urheberschaft in den nächsten Monaten wissenschaftlich bestätigt werden sollen.

Tintoretto, Brustbild eines Mannes © Musées de la Ville de Strasbourg. Photo Mathieu Bertola

Tintoretto, Brustbild eines Mannes © Musées de la Ville de Strasbourg. Photo Mathieu Bertola

Portrait eines Humanisten, zugeschrieben Quentin Metsys © Musées de la Ville de Strasbourg. Photo Mathieu Bertola

Portrait eines Humanisten, zugeschrieben Quentin Metsys © Musées de la Ville de Strasbourg. Photo Mathieu Bertola

Das Gemälde „Brustbild eines Mannes“ von Tintoretto, besticht vor allem durch seine wunderbare, zur Zeit seiner Entstehung hochmoderne Lichtführung. Nur das Inkarnat des Gesichtes und des linken Ohres wird von einem scharfen Licht angestrahlt, die Bekleidung sowie der Hintergrund tauchen in ein Dunkel, von welchem sich das Portrait selbst magisch abhebt. Ein weiteres Portrait, dem Maler Quentin Massys (Löwen 1466 –  Antwerpen 1530) zugeschrieben, kann als Highlicht der Schenkung angesehen werden. Es zeigt ein Humanistenbildnis und gibt Auskunft darüber, dass es zu jener Gattung von Portraits gehört, in welchen erstmals in der Kunstgeschichte die Dargestellten nicht in ihrer Funktion wiedergegeben wurden, sondern besonderes Gewicht auf die charakterliche Ausstrahlung gelegt wurde.

Als besonderer Glücksfall kann diese Schenkung auch deswegen gelten, da das Museum für bildende Kunst eine der größten Sammlungen flämischer und niederländischer Malerei in Frankreich besitzt, welche durch diese Schenkung noch aufgewertet wird. Am 3. und 4. Oktober können Sie sich die Schenkung im Museum bei freiem Eintritt ansehen.

Weitere Infos: https://www.musees-strasbourg.org/index.php?page=musees-de

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