Hautnah am Geschehen und mitten drin statt nur dabei

Auf dem Programm standen Performances von Noé Soulier, Liquid Loft/Chris Haring, Hiroaki Umeda sowie Jefta Van Dinther + Thiago Granato. Live Audio Visual-Beiträge lieferten Ryoji Ikeda, Planningtorock (Human Level) sowie Joja+ + Ferdindand Glück ab. Dabei wurde der große Raum, die Halle E, dramaturgisch geschickt nacheinander von unterschiedlichen Seiten her bespielt. Wir erlebten die Auftritte bis einschließlich jenem von Planningtorock, über die wir hier eine kurze Übersicht geben.

Noé Soulier und seine Truppe eröffneten den Abend mit einer hochkomplexen Choreografie, die ohne jeglichen Sound auskommt. Körper in höchster Anspannung hautnah zu erleben ist etwas Anderes, als bequem in einem Sessel zu sitzen und von erhabener Position auf die Bühne zu blicken. Die Anstrengungen, die gegenseitigen Beobachtungen, um möglichst synchron zu tanzen, das Rutschen auf dem harten Parkett, all das kommt ungefiltert und direkt. Nach und nach kommen die Tänzerinnen und Tänzer aufs Parkett und verschwinden ebenso wieder in der sie umgebenden Menschenmasse.

Test Pattern, © Ryoji Ikeda

Ryoji Ikeda, für den das Leben nur aus Schwarz und Weiß besteht, beeindruckte mit seiner komplexen Sound- und Visual-Performance. Seine grafischen Schwarz-Weiß-Muster hinterlegt er mit Geräuschen, die mit dem jeweiligen Design eng verknüpft sind. Es kommt auf die richtigen Kombinationen an, um aus dem Soundmaterial und den Bildern sowohl einen packenden Beat als auch dementsprechendes Augenfutter zu erzeugen.

Zum Teil wurden bis zu vier Großbildleinwände im Saal gleichzeitig bespielt, was das Feeling eines high-tech Clubbings unterstützte.

Chris Haring

Liquid Loft/Chris Haring (c) Chris Haring

Chris Haring ließ Stephanie Cumming, Katharina Meves und Karin Pauer auf die Bühne. Ihr Auftritt, wie immer bei Haring durch eine umwerfende Lichtregie ergänzt, oszillierte zwischen psychedelischen Imaginationen und realen, zum Teil satirisch gestalteten Eindrücken.

Planningtorock erinnerte bei ihrem Auftritt auf der Bühne in ihrem blauen Jeansoverall und mit ihren langen, offenen Haaren stark an die 70er-Jahre. Mit den blauen Visuals, die zu ihren live performten Liedern projiziert wurden, erhielt der Raum ein eigenes, nächtliches Flair, das dem Publikum sichtlich gefiel. In ihren Texten setzt sie sich kritisch mit den Geschlechterrollen auseinander, was ebenfalls an die Protestbewegung der 70er Jahre erinnert. Allein der Inhalt ist ein anderer und die Möglichkeiten, die Planningtorock nutzt, um sich selbst visuell zu unterstützen, sind heute andere.

Planningtorock (c) ECN

Planningtorock (c) ECN

Die Verbindung von Musik, Tanz und Audio-Visuellem Material zeigt einmal mehr, wie stark sich derzeit die Grenzen innerhalb der unterschiedlichen Kunstgattungen vermischen. Wer an diesem Abend alle Programmpunkte konsumieren konnte, bekam nicht nur einen guten Eindruck zeitgenössischer Kunstproduktion, sondern hatte auch eine gute Kondition. Fehlende Sitzgelegenheiten, außer jene im Foyerbereich, forderten eine stramme Beinmuskulatur oder – wie es viele taten – ein Sich-Setzen auf den Boden. Nach Mitternacht bestand die Möglichkeit, sich mit reduzierten Tickets noch DJ-VJ-Sets reinzuziehen.

„Synaesthesia3“ verstand sich zugleich auch als Ausblick auf das 10. Jubiläum des audiovisuellen Festivals. Man darf gespannt sein.

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