Getanzte Frauenleben

"Tiger Lilien" (Foto: Franzi Kreis)

Wie war das noch, als kleines Mädchen in vielen Verkleidungen durch die Wohnung zu stapfen? Wie fühlte es sich an, das Lebensjahrzehnt, in dem ´“frau“ in den 20ern, den 40ern oder 60ern steckte? Und wie ist es, wenn man 80 ist?

Gibt es etwas, das ein Leben lang gleich bleibt? Gibt es etwas, das vergeht und nicht wieder kommt?
Die Choreografin und Leiterin des Vrum Performing Arts Collective machte sich mit ihren Tänzerinnen – die jüngste ist 9 Jahre alt, die älteste 80 – auf eine Erkundungsreise. In ihr zeigt sich nicht nur, dass Emotionen, Wünsche, Hoffnungen und Erinnerungen so etwas wie ein roter Faden im Leben jeder Frau sind. Es wird auch klar, dass der Spaß am Leben, die Freude am Tanzen ein Leben lang bleiben können. Aber auch die Vergänglichkeit des Körpers ist eines von vielen Themen in diesem Stück.

Mit einer geschickten Choreografie dürfen alle Beteiligten ihr Können altersgemäß ausspielen. Dabei wird die Jüngste gekonnt mit einer langen, wunderbar fließenden Hebe-Nummer unterstützt und die Älteste so wohldosiert in die Gemeinschaftschoreografien eingebunden, dass ihr Auftritt beim Zusehen kein tänzerisches Manko hervorruft. Aber auch Einzelauftritte stellen die Frauen mit ihren individuellen Bewegungsbegabungen in den Mittelpunkt.

Jede Menge Spaß wird dabei auch transportiert, so bei einer Verfolgungsjagd oder einem Versteckspiel, in dem die Tänzerinnen zu Skulpturen erstarren. Und es gibt – man staune – auch eine Szene, in der handfest gerangelt werden darf. Dabei bricht Tropp Frühwald das Klischee vom braven Mädchen und Frauchen gehörig auf und zeigt, dass auch Wehrhaftigkeit im Verhaltensrepertoire von Frauen durchaus Sinn macht.

Ein wandelbares Bühnenbild entführt in eine Wohnung, deren Räume sich ständig verändern und in der es sich auch ausgezeichnet verstecken lässt. (Ausstattung Zdravka Ivandija Kirigin) Darin, dahinter, davor und drumherum tanzen und bewegen sich Adriana Cubides, Maria Farcher, Gat Goodovitch, Milena Leeb, Giordana Pascucci und Emma Wiederhold und machen dabei klar, dass die Bandbreite an unterschiedlichen Arten Frau zu sein nicht nur mit dem Alter, sondern auch mit der Persönlichkeit an sich zusammenhängt. Mit der Party, die am Schluss der Vorführung das Publikum von seinen Plätzen auf die Bühne zieht, gelingt letztlich auch eine individuelle Tanzerfahrung der Zusehenden, die richtig Spaß macht. .

Kurz vor der ersten Aufführungsserie im Dschungel Wien befasste sich auch die Gruppe tanz.coop mit dem Thema Frau und Tanz und brachte dabei ein gänzlich anderes, ästhetisches Produkt auf die Bühne. Ein weiterer Beweis, dass nicht nur Frausein an sich so viele unterschiedliche Möglichkeiten beinhaltet wie es Frauen auf dieser Welt gibt. Das zeigt auch, dass weibliche Kreativität so viele unterschiedliche Outputs hervorbringt, wie es kluge und begabte Frauenköpfe gibt, die dahinter stecken.

Informationen zu weiteren Aufführungen auf der Seite des Dschungel.

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