Dem Viktor tät´s gfalln!

Am 26. März 2015, dem 110. Geburtstag von Viktor Frankl, eröffnet in der Mariannengasse 1 das Viktor Frankl Museum. Ein Ort der Begegnung, aber auch der Kontemplation an dem es Antworten zu den großen Lebensfragen des Menschen gibt.

Die schöne, alte Jugendstiltüre schließt leise. Im kleinen, aber hellen Raum wird man vom Geruch frischer Farbe sofort überwältigt. An der Wand zwei Stellagen mit Büchern von und über Viktor Frankl, dem Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse. „Ich muss mir nicht alles von mir selber gefallen lassen“ ist auf einer Postkarte, die zum Verkauf aufliegt, abgedruckt. Einer von vielen Aussprüchen des Psychotherapeuten, der nach Freud und Adler, von dem er hochkant hinausgeworfen wurde, die sogenannte Dritte Wiener Schule der Psychotherapie begründete.

Ihm zu Ehren, aber noch viel mehr, um ein breites Publikum mit seinen Ideen bekannt zu machen, wurde nun in der Mariannengasse 1 ein kleines, aber feines Museum eröffnet. Im ersten Stock, direkt neben der Wohnung des weltberühmten Therapeuten, in dem heute noch seine 90jährige Witwe wohnt. Knappe 90 Quadratmeter misst das Museum in dem man zwar auch einige persönliche Gegenstände von Frankl, wie ein Brillenetui samt Brille und einige Autographen sehen kann. Aber die Präsentation seiner Geschichte steht dabei nicht im Vordergrund. Die beiden Schwestern, Heidemarie Zürner und Johanna Schechner, gründeten bereits 2004 im Rahmen einer gemeinnützigen Bildungseinrichtung mit Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit schon im selben Stockwerk das Viktor Frankl Zentrum. In diesem nehmen jährlich ungefähr 10.000 Interessierte an Workshops, Vorträgen und Seminaren teil – immerhin 4.000 davon Jugendliche. Angespornt von der Idee, Frankls Lebenswerk so vielen Menschen wie nur möglich nahe zu bringen, nutzten die beiden Damen vor einem knappen Jahr die Gunst der Stunde. Als die Wohnung leer wurde, beschlossen sie, diese für ein Museum zu adaptieren in dem vor allem eines im Vordergrund steht: Die persönliche Auseinandersetzung mit Frankls Leitsätzen und die Suche nach dem eigenen Lebenssinn. Sinn (er)leben ist das Motto des Zentrums, aber auch der neu eröffneten Location.

Helles Grün – die Farbe der Hoffnung und, ganz praktisch gedacht, auch die Farbe, die bisher für das Corporate Identity des Zentrums stand, aber auch warmes Orange, die Lieblingsfarbe von Frankl, sind in den Räumen vorherrschend. Ziehen sich als breite Streifen über die Wände oder akzentuieren Sitzgelegenheiten. Im zweiten Zimmer ist Frankls Life-Line hoch oben an den Wänden skizziert. Von seiner Geburt bis zu seinem Tod sind die wichtigsten Stationen aufgeführt. Darunter findet man schwenkbare Schautafeln, schick aus Glas und Metall. Auf deren Vorderseite sind Lebensfragen zu lesen und, schwenkt man auf die Rückseite – gibt es Antworten dazu.

Johanna Schechner, selbst Logotherapeutin, erklärt die Intention dieses neuen Ortes mit einer Einladung an alle Menschen, die sich nicht nur für Frankl selbst interessieren, sondern die sich in ihrem Leben Fragen stellen, zu deren Beantwortung man ihnen hier eine Hilfestellung anbieten kann. Viktor Frankl bezeichnete sein Werk im Gegensatz zu Siegmund Freuds Tiefenpsychologie als Höhenpsychologie. Als ein Hilfsmittel, mit dem der Mensch über sich hinauswachsen könne. Und tatsächlich muss man unweigerlich im nächsten kleinen Durchgangsraum den Kopf heben. Obwohl es am Boden so viel zu lesen gibt. Der „Boden des Schicksals“ versinnbildlicht das, was unsere Vergangenheit ausmacht. Das, woher wir kommen und was wir bisher geworden sind. Aber die Worte an der Wand zeigen, dass jeder Mensch unabhängig davon frei in seinem Sein und seinen Entscheidungen ist. Die architektonische und grafische Umsetzung oblag Clemens Dus und Kai Stania. Trotz eines sehr geringen Budgets gelang es den beiden mit viel Einfühlungsvermögen aber auch Intelligenz ein Konzept durchzuziehen, das die Neugier der Menschen erweckt und Möglichkeiten bietet, die Gedanken schweifen zu lassen.

Wie zum Beispiel auch im „Restaurant zum guten Geist“ – einem kleinen Bibliotheksraum, in dem Frankl-Ausgaben aus vieler Herren Länder zu finden sind, in die man sich vor Ort vertiefen kann. „Wir erlebten schon im Zentrum, wie sehr sich Menschen, die aus anderen Ländern kommen, über Bücher in ihrer eigenen Sprache freuen“ begründet Heidemarie Zürner das breitgefächerte sprachliche Angebot und man merkt während der Führung, die sie gemeinsam mit ihrer Schwester durchführte, wie viel Herzblut sie in diese Aufgabe stecken.

Im größte Raum darf man sich dann so richtig auf Entdeckungsreise begeben. Hinter verschlossenen, weißen Kästen, die in Brusthöhe an der Wand hängen und die unterschiedlich groß sind, verbirgt sich vieles, mit dem man in Interaktion treten kann. Wie zum Beispiel jene Anordnung von bunten Holzbausteinen, die einen einmal in Gang gesetzten Leidensweg simulieren. Da braucht es ein aktives Eingreifen, um diese fortlaufende Kette des Schmerzes zu unterbrechen. Mit so einfachen, aber sehr anschaulichen Mitteln erreicht man die sinnliche Erfahrung von psychologisch-theoretischem Gedankengut.

In einem weiteren kleinen Schrein ist die Projektion einer Holzskulptur zu sehen, die einen nackten Mann zeigt, an dessen Rücken eine große Feuerzunge lodert. Es ist jene Figur, die sich Viktor Frankl bei einem Antiquitätenhändler kaufte und die in seinem Schlafzimmer stand. „Jeden Morgen und jeden Abend fiel sein Blick darauf“, erzählte seine Frau Eleonore den Ausstellungsgestaltern bei ihrem ersten Rundganges durch das neue Museum. „Dem Viktor tät´s g´fallen!“, waren ihre anerkennenden Schlussworte.

Der gemeinnützige Verein, der sowohl das Zentrum als auch das Museum betreibt, hofft, dass es viele Menschen anspricht und als Auslöser dient, die Suche nach dem eigenen Sinn des Lebens entweder zu beginnen oder Fragen darauf sogar vor Ort direkt zu erhalten.

Link: Viktor Frankl Zentrum und Viktor Frankl Museum

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