Vom Mann, dem die Decke auf den Kopf fiel

Vom Mann, dem die Decke auf den Kopf fiel

Michaela Preiner

Foto: ( )

18.

März 2010

„Press“ von ´Cie Derniere Minute mit Pierre Rigal im Pôle-Sud Es gibt Theater, Tanz, Tanztheater und Pierre Rigal. Für ihn muss erst ein passender Begriff gefunden werden, denn was und wie er eine Stunde lang auf „seiner“ Bühne performt, lässt sich nicht mit den gängigen Schubladisierungen abstempeln. „Seine“ Bühne ist ein Guckkasten, eine Bühne, auf […]

Pierre Rigal in "press" (c) Frédéric Stoll

„Press“ von ´Cie Derniere Minute mit Pierre Rigal im Pôle-Sud

Es gibt Theater, Tanz, Tanztheater und Pierre Rigal. Für ihn muss erst ein passender Begriff gefunden werden, denn was und wie er eine Stunde lang auf „seiner“ Bühne performt, lässt sich nicht mit den gängigen Schubladisierungen abstempeln.

„Seine“ Bühne ist ein Guckkasten, eine Bühne, auf der Bühne. Ein schlichter, grauer Raum, von der eigentlichen Bühne abgehoben, zum Publikum hin geöffnet, mit einem Klappstuhl aus Plexiglas und im linken Bühneneck, einer modernen Gelenklampe, wie man sie zu Hunderttausenden in den Baumärkten dieser Erde kaufen kann, ausgestattet. Allerdings mit einem winzigen Unterschied. Rigals Lampe besitzt zusätzlich zu ihrem Strahler ein kleines rotes Lämpchen, das sich im Lauf der Vorstellung noch als fatale, treibende und destruktive Kraft herausstellen wird. Davon aber später. In schwarzem Businessanzug mit schwarzer Krawatte vermisst der französische Tänzer und Choreograf  leichten Schrittes sein kleines Reich. Er dreht sich um seine eigene Achse, nimmt artifizielle Posen ein und – so hat es den Anschein – beginnt sich in seiner Welt zu langweilen. Bis zu jenem Augenblick, in dem er sich der Bestrahlung des roten Lämpchens aussetzt. Wie ein künstliches, intelligentes Wesen beeinflusst es den jungen Mann, der sich nach einer kurzen Dosis Rotlicht nun verändert durch seine kleine Welt bewegt. Nichts läuft mehr „rund“ wie zuvor. Jede Bewegung scheint manipuliert. Die Arme gehorchen ihm nicht mehr, seine Beine geraten außer Rand und Band und was unten war,  ist plötzlich oben und umgekehrt. Rigal schlägt der Schwerkraft ein Schnippchen, wandert quer über die Wände, steht auf dem Kopf und tut so, als sei dies seine ganz normale Haltung. Durch elektronische Musik unterstützt, die seine Bewegungen wie aus Computerspielen bekannt, verstärken, vermittelt er den Eindruck, als seien die Wände magnetisch, teilweise sogar elektrisch und würden seine Gliedmaßen anziehen und abstoßen, ohne dass er sich dagegen aktiv zur Wehr setzen könnte. Wer meint, dass es für einen Menschen in einer kleinen, rechteckigen Box nur ein eingeschränktes Bewegungsrepertoire gibt, der irrt gewaltig. Jede neue Minute wird von einem neuen Körperbild geprägt. Absurdität, das Gefangensein in einem alles beherrschenden System, der Wille sich dagegen zur Wehr zu setzen und die Ohnmacht, doch nichts dagegen unternehmen zu können – all dies drückt der „Tänzer“ in seinem Formenrepertoire klar und deutlich aus.  Verschärft wird die Ausgangslage schließlich durch das Absenken der Decke, die dazu führt, dass sein Kopf plötzlich nicht mehr sichtbar ist. Im wahrsten Sinne des Wortes läuft er ab nun „kopflos“ zwischen den Wänden herum und lauscht der Stimme vom Band, die davon singt, was in ihrem Kopf denn so alles vorgehe. Eine starke, bildliche Metapher, wie überhaupt das ganze Stück als Metapher des unter dem  zivilisatorischen Druck stehenden Menschen,  steht. Wieder als ganzes Wesen sichtbar, wird nun von Minute zu Minute deutlicher, was der Titel „Press“ bedeutet. Press – der Druck oder drücken – erstens tatsächlich im physischen Sinne – den die Decke hört nicht auf,  sich zu senken. Bis nur mehr so ein kleiner Raum übrig bleibt, dass Rigal darin sich nur mehr liegend fortbewegen kann. Press aber auch im psychischen Sinne, denn die Umgebung und die Ausstrahlung lassen seinem Bild des Menschen bis zur letzten, bitteren Konsequenz hin keinen Raum – nicht zum Bewegen, nicht zum Atmen und nicht zum Leben. Pierre Rigals Bewegungen grenzen an Akrobatik und vermitteln streckenweise den Eindruck, dass er sich im schwerelosen Raum oder im Wasser befände. Wie er sich von einer Zimmerwand zur nächsten am Boden liegend abstößt um sich sofort zu wenden und wieder mit Wucht in seine Ausgangsposition zurückzugleiten –  das sind bisher noch nie gesehene Bewegungsmomente voll Poesie und Kraft zugleich. Sein „Haltung-bewahren“ in auch noch so aussichtslosen Situationen – und das wiederum im wahrsten Sinne des Wortes – geht zu Herzen und transportiert überdeutlich, dass die Konformität einerseits eines unserer gesellschaftlichen Grundübel darstellt, der Mensch aber andererseits auch in schlimmen Momenten bestrebt ist, seine Würde nicht zu verlieren.

Die Leistung Pierre Rigals besteht nicht nur aus einer Körperarbeit, die sich aus einem enorm analytischen Zugang zu dieser Performance speist. Jede Bewegung ist darauf ausgerichtet, beim Publikum den Eindruck zu erwecken, als wäre sie, so absurd und unmöglich sie auch ist, völlig selbstverständlich. Die Bilder, die er damit evoziert, sind scharf konturiert und mit Langzeitwirkung ausgestattet. Seine Leistung besteht aber auch darin, neben dieser Performance eine Ebene in das Stück einzuziehen, die weit über das Körperliche hinausgeht. Mit der Warnung und Mahnung, die er dem Publikum präsentiert, muss es schließlich selbst umgehen. Rigal bietet keine Lösung, hinterlässt aber durch seine Destruktion eine konstruktive Verstörung, der man nur entkommen kann, wenn man sich seinen eigenen „press-ures“ offensiv stellt.

Mélanie Chartreux stand Pierre Rigal bei der Ausarbeitung seines Stückes künstlerisch beratend zur Seite und mit Nihil Bordures, der für die Musik verantwortlich zeichnet und Frédéric Stoll, der die verrückte, lebende Box gestaltete, war ein Team am Werk, das sich in seiner Arbeit meisterhaft ergänzte. ´Cie dernier minute, wie der genaue Name der Compagnie lautet, adelte das Pôle-Sud in Straßburg mit seinem Halt und steuerte in dieser Saison einen weiteren Höhepunkt für dieses lebendige Veranstaltungszentrum bei.

Pierre Rigal avec "press" (c) Frédéric Stoll

« Press »
Cie ‚Dernière Minute‘ avec Pierre Rigal au Pôle Sud

Il y a le théâtre, il y a la danse, le théâtre de danse et il y a Pierre Rigal. Pour lui, il faudra encore inventer une définition qui convienne, car ce qu’il montre sur sa scène et comment il s’y prend ne peut être mis dans l’une des catégories artistiques connues par le commun des mortels.

Sa scène, c’est une boite. C’est une scène sur la scène. Il s’agit d’un espace simple, gris, qui se trouve un peu au dessus de la scène proprement dite. La partie de la boite tournée vers le public est ouverte. On peut y voir une chaise pliante en plexi. Dans le coin gauche est posée une lampe contemporaine orientable, semblable à toutes celles que l’on peut acheter un peu n’importe où dans le monde – à une toute petite différence près : la lampe de Rigal est équipée en plus d’une petite loupiote rouge, qui, au cours du spectacle, s’avérera être une force fatale, déterminante et destructive. Mais on verra plus tard !

En tenue noir de businessman, une cravate nouée autour du cou, le danseur et chorégraphe Pierre Rigal prend la mesure de son petit royaume, le pas léger. Il tourne autour de son propre axe, prend des poses artificielles et commence, du moins il en donne l’impression, à s’ennuyer dans son petit monde. Jusqu’au moment où il s’expose aux rayons de la petite lampe rouge. Telle une intelligence artificielle, cette petite lumière exerce une forte influence sur le jeune homme, qui, après une courte exposition aux rayons, bouge différemment dans son monde si particulier. Plus rien ne tourne rond comme avant. Chaque mouvement semble être manipulé : Ses bras ne lui obéissent plus, ses jambes échappent à tout contrôle, ce qui était en bas se trouve subitement en haut – et vice-versa !

Rigal fait un pied de nez à la force d’attraction terrestre et marche sur les murs. Il fait le poireau, comme si c’était une posture naturellement adoptée par tout le monde. Sa prestation est accompagnée par une musique électronique comme celle des jeux d’ordinateur. Cette musique accentue encore les mouvements du danseur et l’impression qu’il donne : que les murs de sa boite sont magnétiques, voir électriques pour ainsi attirer ou repousser ses membres, sans qu’il puisse s’en défendre.
Penser, qu’enfermé dans un petit box, le répertoire des mouvements possibles est forcément restreint, serait une grosse erreur. Chaque minute montre une image corporelle différente : L’absurdité, l’emprisonnement dans un système omnipuissant, l’envie de s’y opposer et finalement l’impuissance, l’impossibilité d’y arriver. Tout ceci, le « danseur » l’exprime clairement à travers son langage corporel.

Le fait que le plafond s’abaisse et que par la même occasion, la tête du danseur est invisible pour le public, renforce considérablement la situation de départ : Ayant perdu la tête, au sens propre du terme, Rigal erre à partir de là entre les murs, il écoute une voix enregistrée sur une bande énumérer en chantant tout ce qui se passe dans sa tête à elle. Une métaphore très marquante, comme toute la pièce d’ailleurs qui est une métaphore pour l’être humain exposé à l’énorme pression de la civilisation.
Quand Rigal est de nouveau entièrement visible pour le public, la signification du titre « press » prend – chaque minute davantage – toute son ampleur. Press – la pression ou presser, ces termes peuvent être compris au sens propre comme au sens figuré : Physiquement, le plafond s’abaisse de plus en plus, jusqu’à ce qu’il ne reste plus qu’un minuscule espace dans lequel Rigal bouge étant allongé. Au figuré, le titre fait allusion à l’environnement et au rayonnement qui, en dernière conséquence, prive l’être humain de tout espace pour bouger, pour respirer et finalement pour vivre !

Les mouvements de Pierre Rigal sont proches de l’acrobatie et parfois il donne l’impression d’être en apesanteur ou alors dans l’eau. La façon dont il se propulse – tout en étant allongé au sol – d’un mur à l’autre, se retournant immédiatement pour retrouver avec intensité sa position initiale, ce sont des enchaînements de mouvements pleins de poésie et de force, jamais vus jusqu’ici. Sa façon de maintenir sa position, dans toutes les situations, même désespérées, va droit au cœur et montre que le conformisme est d’un coté l’un des maux fondamentaux de notre société, mais que de l’autre coté, l’homme essaie toujours, même dans les pires moments, de garder sa dignité.

Le mérite de Pierre Rigal ne consiste pas seulement en ce formidable travail physique nourri par une approche très analytique. Chaque mouvement a pour but de donner l’impression d’être totalement anodin et naturel – même s’il est totalement absurde ou carrément impossible. L’effet aux contours incisifs qu’il obtient est de longue durée.
L’autre dimension de ce mérite est celle qui ajoute un deuxième niveau à cette performance physique qui dépasse celle-ci de très loin. En définitive, le danseur est obligé de gérer cet avertissement et cette interpellation qu’il adresse à son public, lui-même aussi !
Rigal ne propose pas de solution. Avec sa déconstruction il laisse derrière lui plutôt une confusion constructive à laquelle on ne peut échapper qu’en prenant le taureau par les cornes pour faire face à ses propres «press-ions ».

Mélanie Chartreux a épaulé Pierre Rigal par son conseil artistique. Nihil Bordures a composé la musique et Frédéric Stoll est le génial inventeur du box « vivant ». Une équipe au travail merveilleusement complémentaire.

Avec son arrèt à Strasbourg la ‘Compagnie Dernière Minute’a donné des lettres de noblesse au « Pôle Sud ». Ce spectacle fut un autre point culminant au programme de ce centre culturel vivant.

Texte traduit de l’allemand par Andrea Isker

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