Ein Dauerbrenner im Hamakom

„Warum denn grad Eisler?“ Unter diesem Motto war Anfang Februar im Nestroyhof Hamakom bereits die dritte Staffel einer Produktion zu sehen, die den sowohl politischen als auch musikalisch umstrittenen österreichischen Komponisten in den Mittelpunkt stellte. Eisler, geboren 1898, Schüler von Arnold Schönberg, kann musikalisch nicht in eine einzige Schublade gepresst werden. Zu groß ist die Bandbreite der Kompositionen, die aus seiner Feder stammt.

Das wurde gleich zu Beginn des Abends klar. Vier völlig unterschiedliche Lieder, in welchen die ganze Spannbreite zwischen Zwölftonmusik und lyrischer Harmonie ausgebreitet wurde, belegten den Einfallsreichtum des Wieners. Unter der überaus intelligenten Regie von Anna Hauer musizierte und performte ein perfekt aufeinander abgestimmtes Trio mit der Sopranistin Annette Fischer, Raphael von Bargen und Armin Fuchs, der die beiden am Klavier, aber auch stimmlich begleitete. Ergänzt wurde die Collage, in der anhand von ausgewählten Texten auch das Leben Hanns Eislers skizziert wurde, durch den Chor Kördölör. Einem Zusammenschluss von zumeist bildenden Künstlerinnen und Künstlern, die unter der Leitung von Guillaume Fouchère eine eindrucksvolle Performance ablieferten.

Eislers Leben im Stenogrammstil

Eislers kommunistische Einstellung, seine Zusammenarbeit mit Bert Brecht, sein Exil in den USA, die Ausweisung von dort sowie seine Depressionen nach dem Misserfolg seiner Faust-Oper waren kurz präsentierte Streiflichter, die auch den Menschen erklärbar machten. Das Stempellied oder die Ballade von den Säckeschmeißern beeindruckte durch ihre tagesaktuelle Thematik. Auszüge aus der Ballade vom Wasserrad, die gemeinsam mit Bert Brecht entstand, durchzogen den gesamten Abend. „Ideal und Wirklichkeit“ nach einem Text von Kurt Tucholsky wiederum brachte einen humoristischen Blick auf Erträumtes und der Realität, in der von Bargen mit seiner intensiv-extrovertierten Spielmanier brillierte.

Der lyrische und an Timbre so reiche Sopran Fischers und von Bargens klarer, kräftiger Stimmeinsatz spannten einen glaubhaften Bogen zwischen Eislers Liedern, die er auf der Straße singen lassen wollte und jenen kunstvollen Kompositionen, die im Konzert aufgeführt wurden und noch immer werden. Gelungen, wie durch den Einsatz des Chores die Bewegung der Arbeiterchöre in der Zwischenkriegszeit anschaulich beleuchtet wurde. Beeindruckend die originalen Tonaufnahmen mit der markanten Stimme Eislers, sowie das ebenfalls vom Band eingespielte Schlusslied, dieses Mal die Ballade vom Wasserrad in voller Länge, von ihm selbst gesungen und selbst am Klavier begleitet. Der Abend war eine würdige Referenz nicht nur an den kleinen Mann, wie im Programm angekündigt, sondern vor allem an Hanns Eisler selbst, einen außergewöhnlichen Menschen, der in der Geschichte nicht nur beeindruckende musikalische Spuren hinterlassen hat.

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