Satire trifft auf Aufklärer

Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba alias „Wir Staatskünstler“ präsentieren vom 27. bis 31. Mai im Rabenhof ihre Halbzeitbilanz 2017.

Das Trio zeigt dort laut Selbsteinschätzung „den härtesten Stoff, den Satire in Österreich zu bieten hat“.

An Themen mangelt es in der österreichischen, europäischen und internationalen Politik sicherlich nicht. Und bei so manch einem Auftritt von Politikverantwortlichen ist man sich ohnehin nicht sicher, ob dies nicht schon Satire pur ist, was manche Damen und Herren auf dem politischen Parkett so von sich geben.

Gleich zu Beginn stand ein ORF-Bashing und der dezente Hinweis auf die politische Einflussname und die neue Funktion des Channelmanagers auf dem Programm. Die allseits bekannte Drohung aus der Kindheit: „Wenn du nicht brav bist, dann kommt der schwarze Mann und holt dich“, mutiert laut dem Trio im ORF zu: „Wenn du nicht brav bist, dann kommt der Channelmanager; der rote oder blaue oder doch wieder der schwarze!“ Danach wurde das Thema Eurofighter und die Firma EADS unter die Lupe genommen, aber auch Wiener Wohnen und der Wiener Baustadtrat Michael Ludwig bekamen ihr Fett weg.

Einen breiten Raum nahm die Erwin-Pröll-Privatstiftung und Niederösterreich an sich ein. Wie einst Asterix und Obelix im „Haus das Verrückte macht“ erging es den 3 Staatssatirikern auf der Suche – nicht nach dem Golden Schatz – sondern der Erwin Pröll Privatstiftung in der Landesregierung in St. Pölten. Ein wahrlich sehenswertes Abenteuer, welches mit mehr Zeitraffer-Aufnahmen die Absurdität dieser Unternehmung noch deutlicher gemacht hätte. Dass die Stiftung just 2 Tage nach ihrem Besuch aufgelöst wurde, sei nur als Randbemerkung aufgeführt. Wer wissen will, was es mit dem niederösterreichischen Personenkult und den dazugehörigen öffentlichen Gebäuden, Straßen und Plätzen auf sich hat, darf sich auf ein wunderbares Bauwerk freuen, das nach Johanna Mikl-Leitner benannt ist.

Nach dem routiniert abgespulten ersten Teil mit vielen, aber doch vorhersehbaren Lachern und einer Spiellust, die sich zumindest am Premierenabend in Grenzen hielt, ging es mit einem Special Guest am Podium weiter.

Mit Florian Klenk, Chefredakteur des Falter und österreichischer Vorzeigeenthüllungsjournalist, ging es durch alle Skandale der letzten Jahre. Dass dem Publikum in diesem Teil immer wieder das Lachen im Hals stecken blieb, gefiel den Herren Palfrader, Maurer und Scheuba nicht wirklich; ob der Thematik waren die Publikumsreaktionen aber nur allzu verständlich. Angefangen von Karl-Heinz Grasser über Erwin Pröll bis hin zur Causa Euro-Fighter lieferte der Journalist des Jahres 2016 jede Menge an Dokumenten, die Korruption in vielen Fällen untermauern.

Vor allem beim Verhalten der Justiz und deren Argumentation bei Verfahrenseinstellungen bleibt in der Reflexion eigentlich nur blankes Entsetzen über die Zustände in Österreich übrig. Zwar hielt sich dabei der Neuigkeitswert in Grenzen, allerdings ist der kompakte und fundierte Überblick all dieser Vorkommnisse doch so erschreckend, dass man den Glauben an den Rechtsstaat und die Demokratie Österreich fast verlieren könnte. Allein der zweite Teil des Programmes ist schon den Weg ins Rabenhof Theater wert.

„Wir Staatskünstler“ ist noch bis zum 31. Mai jeweils um 20 Uhr im Rabenhof Theater im 3. Bezirk zu sehen.

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