Weltuntergangsstimmung und ein Fünkchen Hoffnung

Von Michaela Preiner

Make your heart beat again (Foto: Robert Rainer)

16.

Februar 2018

Smoothy Gitarrenmusik und viele Globen in unterschiedlichen Größen, die die dunkle Bühne erhellen. Drei junge Frauen, die abwechselnd von ihren Kindheitsträumen erzählen. Von einer heilen Welt, in der man sich fürchtet, aber in der man auch Monster an seiner Seite hat, die einem nachts helfend beistehen können.

So poetisch begann die Produktion „Make your heart beat again“ des Theater Melone, die am Valentinstag im Theater Akzent gezeigt wurde. Die Idee dazu hatte Florian Hackspiel, der sich damit vorgenommen hatte, „alle Problemfelder anzusprechen, die es derzeit auf unserer Welt gibt.“

Das ist nicht gerade wenig und so schlugen sich Hackspiel und sein Team, mit dem er die Stückentwicklung gemeinsam erarbeitete, wie mit wuchtigen Wortmacheten durch den schier undurchdringlichen Dschungel von Umweltverschmutzung, Menschenrechtsmissachtung, Korruption, Konsumwahn, Staatskrisen und, und, und.

In einer Art Umweltrevue beleuchteten die Schauspielerinnen Claudia Carus, Stefanie Darnesa und Angela Schausberger die Problemfelder unserer Welt – und das zum Teil singend. Magdalena Zenz steuerte Kompositionen bei, die Valentin Eybl an der E-Gitarre umsetzte. Dabei verwendete die Komponistin unterschiedliche, musikalische Stilmittel und integrierte in einer Szene sogar Opern- und Musicalklänge.

Die poetische und auch menschlich greifbare, erste Szene blieb eine Ausnahme. Danach setzte Hackspiel größtenteils temporeiche Wort- und Satzkaskaden ein, ließ aber auch Schillers „Ode an die Freude“ deklamieren. Diese wirkte im zeitgeistigen Zusammenhang wie eine romantische, unerfüllbare Idee aus längst vergangenen Zeiten.

Make your heart beat again (Foto: Daniel Jarosch)

Höchst anschaulich gestaltete sich jener Part, in dem die drei Frauen die Problematik des Plastikmülls aufzeigten. Die anfänglich saubere Bühne verwandelte sich in Nullkommanichts in eine Müllhalde, von der sie sich nicht mehr ganz erholen sollte. Und auch eine völlig sinnfreie Politikerrede verschlimmerte die Weltuntergangsstimmung, anstatt ihr etwas entgegenzusetzen.

Der einzige Lichtblick, den Hackspiel der Inszenierung aufsetzte, kam am Schluss. Unterschiedliche Aufrufe, sich solidarisch zu verhalten und auch die Liebe nicht zu vergessen, wurden zwar, wiederum umrahmt von den bunten Globen, gesetzt und mit dem Satz: „Make your heart beat again“ gekrönt. Das düstere Szenario, das er zuvor jedoch beschworen hatte, konnte davon nicht überdeckt werden.

Die hybride Themenhäufung und das hohe Sprech- bzw. Szenentempo könnte man kritisch betrachten. Wenn man sie jedoch als Metapher für das Geschehen auf unserer Erde versteht, auf der es nicht eine Minute mehr zu verlieren gibt, sollte sie doch noch gerettet werden können, so hat Hackspiel keineswegs übertrieben.

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