Weihnachtskonzert mit Überraschungseffekten

Von Michaela Preiner

Chorus sine nomine in der Karlskirche (Foto: Natalie Paloma Photographie)

15.

Dezember 2017

Adventkonzerte haben in Österreich eine lange Tradition und erfreuen sich über einen regen Zuspruch. Wenn darin jedoch zeitgenössische Musik vorkommt, ist der Andrang schon viel weniger heftig. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass der „Chorus sine nomine“, unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger, es regelmäßig schafft, auch mit einem höchst anspruchsvollen Programm schon lange vor dem Konzerttermin ausverkauft zu sein.

Chorus sine nomine in der Karlskirche (Foto: Natalie Paloma Photographie)

Das mag vielleicht auch an der steigenden Fangemeinde des Chores selbst liegen, der sich nicht nur durch Stimmgewalt, sondern durch hohe Musikalität und äußerste Präzision auszeichnet. Am 13. Dezember wurde in der spärlich beheizten Karlskirche das Programm „Zimt“ – passend zur Vorweihnachtszeit – präsentiert.

Mit Werken des Renaissancekomponisten Alessandro Striggio bis hin zum 2001 verstorbenen Franz Biebl spannte der Chorgründer und -leiter den großen Programmbogen vorweihnachtlicher Klangerlebnisse. Die an den Beginn gesetzte Improvisation unter der Leitung von Julia Renöckl erwies sich als Aufmerksamkeits- und Ohrenöffner. Die Stimmen, durch die besondere Artikulationstechnik durch Obertöne angereichert, erweckten zum Teil einen starken, instrumentalen Eindruck – ein Phänomen, das bei dieser Technik öfters auftritt. Mit diesem wunderbaren und unerwarteten Einstieg zeigte sich bereits, wie groß das musikalische Spektrum ist, mit dem der Ausnahmechor aufwarten kann.

Eine höchst gelungene und intelligente musikalische Dramaturgie leitete von einigen solistischen Instrumentalnummern (Bach und eine Bach-Widmung) mit Simon Pibal an seiner unglaublich warm klingenden Klarinette über zu weiteren Improvisationen, sechs Kompositionen, die aus dem 20. Jahrhundert stammen und anderen, zurückreichend bis in die Vielchörigkeit eines Renaissance-Komponisten wie Alessandro Striggio. Diese Interpretation – gekonnt in die Mitte des Konzertes gesetzt – war einer der Höhepunkte, genauso wie das „Ave Maria“ von Franz Biebl. Dabei setzte Hiemetsberger auf die seltene, wenngleich historisch überlieferte Live-Erfahrung des Raumklanges in einer Kirche und ließ die Sängerinnen und Sänger dafür sogar auf dem unteren Treppenteil eines der aufgestellten Baugerüste Aufstellung nehmen.

Die feine Mischung zwischen Stücken aus der musikalischen Geschichte und zeitgenössischen, die selten zu hören sind, wie Gottfried Wolters bezaubernd vielstimmigen Satz zu „Maria durch den Dornwald ging“ oder Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“, bei welchem sich auf so wundersame Weise Dissonantes und Harmonisches wie fein ziseliert ineinander verschränken und gegenseitig aufheben, machte den Reiz des Konzertes aus. Aber auch die kreative Idee, Hugo Distlers „Es ist ein Ros entsprungen“, eine Improvisation in Obertontechnik zu diesem Thema voranzusetzen. Der fragmentierte Text, zum Teil durch Zischlaute akzentuiert und einzelne, kleine Melodiesequenzen ließen dabei das Original zumindest karg immer wieder durchschimmern.

Chorus sine nomine in der Karlskirche (Foto: Natalie Paloma Photographie)

Auch der Abschluss des Konzertes bot ein weiteres, neues Hörerlebnis. „Ham kumma“, ein in oberösterreichischer Mundart verfasstes Stück der jungen Kirchdorfer Singer-Song-Writerin Anna Maria Schnabl bezauberte genauso wie Bachs „Ich steh an deiner Krippen hier“ aus seinem Weihnachtsoratorium.

„Zimt“ präsentierte sich als ein Statement eines herausragenden Vokalensembles, mit dem zugleich auch aufgezeigt wird, dass das Aufbrechen einer starren Programmatik, wie es gerade im Fall von vorweihnachtlichen Konzert oft der Fall ist, von unglaublich wohltuender Frische sein kann.

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