Hungry sharks erobern mit Urban Dance die Tanzbühnen

ODas Grazer Publikum ist nicht dafür bekannt, außer Rand und Band zu geraten. „Fomo“ von der österreichischen Gruppe „Hungry Sharks“ schaffte aber das Kunststück von Standing Ovations.

„Wo kommen die denn her?“, „Was, so eine Qualität haben wir in Österreich?“ – das sind nur zwei von vielen ähnlich lautenden Aussagen, die man im Foyer der Theater im Palais der KUG nach der Vorstellung hören konnte. Zurecht. Denn was das insgesamt 5-köpfige Team um Valentin Alfery bei der Internationalen Bühnenwerkstatt performte, hat internationales Niveau.

Alle Tänzerinnen und Tänzer kommen aus dem Urban-Dance-Bereich. Einige von ihnen sind schon von Anfang an – seit 2014 – beim Ensemble. Mittlerweile gibt es sogar eine Nachwuchsschiene, die „young sharks“. 70 Tänzerinnen und Tänzer stellten sich bei der Audition für dieses Projekt vor – nur 5 von ihnen wurden genommen. „Das sind unglaubliche Talente, über die wir sehr froh sind“, so Alfery, selbst noch jung, aber dennoch auf die Weitergabe seines Wissens bedacht.

In seinem nun endlich auch in Graz gezeigten Stück, das aus dem Jahr 2014 stammt, wird das Thema der ständigen Online-Präsenz behandelt. Ob der permanente Blick auf das Handy, ob die Dauerberieselung durch den Fernsehschirm, ob Gaming oder Bildbearbeitung, es gibt nicht viele Online-Bereiche, die in der Produktion nicht vorkommen.

Dafür verwendet Alfery eine abwechslungsreiche Mischung aus vielen Solonummern und solchen, in welchen die gesamte Truppe tanzt, aber auch Szenen, in welchen mit Gesten Objekte und Situationen gezeigt und nachgestellt werden, die wir alle aus dem Alltag kennen: Schreiben auf einer Tastatur, das Wischen am Handy, Selfies produzieren oder der Klingelton beim Eintreffen von neuen Nachrichten oder Mails werden hörbar. Mehrfach wird ein Handscheinwerfer zum Schatten-Hilfsmittel. Mit ihm werden die Tänzerinnen und Tänzer zu übergroßen Figuren an der Wand, gegen die man kämpfen kann, vor denen man sich aber auch fürchten darf, weil sie übermächtig erscheinen.

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Dass sich Breakdance, Hip-Hop und andere Urban-Dance-Elemente vermischen, macht die große Faszination der Choreografie aus. Was sonst nur in speziellen Battles performt wird – in relativ kleinem Rahmen – hat mit den Hungry Sharks den Weg auf die großen Tanzbühnen dieser Welt gefunden. Die Idee, auch mit diesem Bewegungsrepertoire Geschichten erzählen zu können, ist extrem spannend und funktioniert. Aber auch die Körperbeherrschung aller Tänzerinnen und Tänzer, und ihr rhythmisches Feeling sind unglaublich. Einen Handstand kennt man, einen Handstand auf nur einer Hand auch, aber dass man sich dabei noch um die eigene Achse drehen kann, dürften noch nicht viele Menschen gesehen haben. Der häufige Bodenkontakt ist besonders in jenen Schluss-Szenen reizvoll, in welchen alle – bis auf einen – zu Walzerklängen tanzen. Dabei gelingen dem Ensemble nicht nur rasche, tolle Soliwechsel; Vielmehr ist der Gesamteindruck bei dieser Schluss-Szene außerordentlich. Wie sich die Bewegungen spiegeln, verzahnen, ineinander übergehen, wie man den Blick dabei schweifen lassen kann und immer wieder wunderbare, choreografische Ideen entdeckt, wohl wissend, dass man zugleich anderes zwangsläufig übersehen haben muss, macht wirklich Freude.

Mehrfache Auftritte in unseren Nachbarländern und Rumänien haben Hungry Sharks bereits absolviert. Im Frühling nächsten Jahres geht es auf eine längere Tournee durch Schweden und im Sommer dann zu einem internationalen Tanzfestival nach Sri Lanka. In ca. 1 Monat wird ein ganz neues Format präsentiert: „Zeitzonen“ nennt sich das Unterwasserstück, das im Schwimmbad auf der Schmelz zur Uraufführung kommt. Dass es ein exklusives Ereignis wird, steht fest. Schließlich können pro Aufführung lediglich 20 Personen zusehen. In Summe werden es nicht mehr als 180 sein.

Der Enthusiasmus, der im Publikum nach der Aufführung spürbar war, macht überdeutlich: Hungry Sharks befinden sich punktgenau am Puls der Zeit und schaffen es, mit ihrer kreativen Arbeit sich einen eigenständigen Platz in der internationalen Tanzszene zu erobern. Mit einem Generalsponsor könnten Sie sicherlich auch eine World-Tour bestreiten. Wer weiß, ob sich hier nicht in naher Zukunft eine Türe öffnet. Empfehlungen sind jedenfalls immer willkommen!

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