„Vulgär ? –Fashion Redefined“ ist ein Liebesgeständnis an die Mode und ein Präsent an all diejenigen, die sich gerne mit Mode ausdrücken oder mit ihr experimentieren. In der Ausstellung ist für jeden Geschmack etwas dabei und bucht man eine Führung, gibt es einen zusätzlichen Bonus: Denn dann erfährt man auch interessante Details zu den Entstehungsgeschichten verschiedener Kreationen.

Ein außergewöhnlicher Ausstellungsort

Es ist nicht verwunderlich, dass die Organisatoren für diese Kollektion gerade den Winterpalais als Ausstellungsort ausgewählt haben. Vor ein paar Monaten konnte man noch die Ausstellung im Barbican Center in London bewundern. Hier in Wien passt alles perfekt zusammen, denn die prunkvollen Räume schaffen eine pompöse, feierliche Atmosphäre. Laut Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere, ist „das barocke Winterpalais der ideale Ort für die Präsentation opulenter Modeschöpfungen durch die Jahrhunderte.“ Die Ausstellungsmacher Judith Clark, eine englische Kuratorin aus London und Adam Philips, Psychoanalytiker und Autor von Bestsellern wie Side Effects (2006) und Unforbidden Pleasures (2015) laden das Publikum zu einem „interdisziplinären Diskurs … zwischen Psychoanalyse und Mode“ ein, um den Terminus „vulgär“ kritisch zu hinterfragen. Der Begriff vulgär hat verschiedene Bedeutungen und was heute als Mainstream betrachtet wird, war vor zweihundert Jahren noch skandalös.

Vulgär (c) Belvedere, Wien 2017

Im englischsprachigen Raum bezeichnet man „vulgär“ Sachen oder Konzepte, die „gemeinhin verbreitet“ waren. Nach und nach entwickelte sich das Wort zu einer Beleidigung und es ist faszinierend zu sehen, was Menschen vor mehreren Jahrhunderten als abstoßend, vernünftig oder ästhetisch empfunden haben. Informationen geben hierzu die Raumtexte.

Einige Beispiele gefällig? Bürger konnten sich nicht wie der Adel kleiden. In anderen Kulturen werden andere Körperteile als erotisch empfunden als bei uns. In Japan betrachtet man den Nacken einer Frau als etwas sehr Intimes und Sexuelles, auch dem Handgelenk wird eine ähnliche Bedeutung zugeschrieben. Heutzutage haben viele Menschen diese Affinität jedoch verloren.

Kleidung quer durch die Jahrhunderte

Nach und nach wurde Mode auch benutzt, um Grenzen auszuloten. Paris entwickelte sich nach den prunkvollen Zeiten unter Ludwig XIV zur Weltstadt der Mode. Ein Kleidungsstück, das durch und durch aus Gold besteht, gehört zu den ersten Objekten dieser Ausstellung. Danach ist eines von Madame Grès, Gründerin des gleichnamigen Modehauses, ausgestellt. Ein leichtes, weißes Kleid, das an Kunst, Architektur und die Antike denken lässt.

Trends und Mode sind evolutionär. Während der nackte Körper in den Olympischen Spielen vergöttert wurde, gab es auch Zeiten, in denen nur ein Hauch von nackter Haut zu sehen war. Kleidungsstücke passten sich stets an den Zeitgeist der Gesellschaft an. Seit dem Aufkommen von Illustrierten waren Schauspieler perfekte Werbeträger. Ein Umstand, der sich bis heute nicht geändert hat. So werden Schauspieler und Schauspielerinnen gerne als „Gesicht“ eines Parfums ausgewählt, da ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung das Image und die Essenz des Parfums verkörpern.

Vulgär (c) Christian Wind © Belvedere, Wien

Abgesehen davon kann Mode auch als erste Kunstform angesehen werden. Früh schon haben sich Menschen bemalt und mit ihrem Körper etwas dargestellt.
Ein Kleid zu tragen bedeutete und bedeutet auch heute noch, sich Raum und Zeit zu nehmen. Dabei ging es nicht nur um den Auftritt in Gesellschaft an und für sich, sondern um Haltung. Besser gesagt: Geist und Esprit waren sehr wichtig im Adel. Die Art, wie man sich ausdrückte, sagte viel über das Wesen einer Person aus und wer diese Fähigkeiten nicht beherrschte, war nicht weit entfernt davon, sozial unterzugehen.

Große Namen der Haute Couture

In die Kreationen der vielfältigen Kollektion wurden exzentrische, verspielte Elemente eingebracht, die besonderes Augenmerk auf sich ziehen. In diesem Zusammenhang können besonders Alexander McQueen und Pam Hoggs hervorgehoben werden.

Das Kleid von McQueen erinnert an etwas Holistisches, Heiliges, das durch den Halsschmuck noch hervorgehoben wird und Hoggs Entwurf ist so verrückt und doch so schön bunt, dass man hin und her gerissen ist und sich automatisch überlegt, ob man solch ein Teil in der Öffentlichkeit oder vor seinem Partner tatsächlich tragen würde. Die Unterhosen mit den bunten Schleifchen passen zu dem Blumenschmuck auf dem Kopf so gut, dass das ganze Kostüm etwas Avantgardistisches und Provokantes ausstrahlt.

Ein Muss für Modebewusste und Modefreaks. Zu sehen noch bis 25. Juni.

Weitere Infos auf der Seite des Belvedere.

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